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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-02 · Heft 5 (2.2.1888) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 5 (2.2.1888)
Date
1888-02-02
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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75 Holland. Amsterdam, im Januar. Die jüdische Gemeinde von Amsterdam ist mit einer neuen Muster-Anstalt bereichert worden, die sie der wohlthäligen und einsichtsvollen Freigebigkeit unseres vortrefflichen Glaubensgenossen, des Barons Gvon Rosenthal verdankt. Im Anfang dieses Jahres wurde in Amsterdam in einem der gesundesten Viertel der Stadt in einem für diesen Zweck und nach den besten Erfahrungen errichtetem Gebäude ein Asyl für israelitische Kinder eröffnet, daß den Namen Sophie Rosenthal trägt. Es ist bestimmt, 250 Kinder aufzunehmen und beginnt mit 60 Pensionären; man kann sich denken, daß bald die höchste Ziffer erreicht fein wird. Der Bau ging sehr schnell vor sich; am 5. Mai 1887 begonnen, war er schon vor Ende des Jahres fertig. Ein Comitö, in dem auch Damen sind, ist beauftragt, diese schöne Anstalt zu überwachen; die Arbeiterbevölkerung, die mit Kindern überladen ist, wird bald sowohl die materiellen wie intellectuellen Vortheile dieser Anstalt zu schätzen wissen. Dies wird die einzige Belohnung sein, die der Gründer wünschen kann. Marokko. Tanger, im Januar. Während in Madrid die Vertreter der Großmächte sich zu einer Conferenz versammeln werden, um über die zukünftige Gestaltung, resp. Aushebung des Schutzrechtes in Marokko zu berathen, hat die nordamerikanische Regierung ihren Ministerresidenten in Tanger, Reed, vor einigen Tagen telegraphisch angewiesen, unverzüglich das bisher gewährte Schutzrecht über einzelne Eingeborene und Juden Marokkos auszuheben. Reed benachrichtigte davon sofort alle amerikanischen Konsuln in Marokko und berief am 9. seine eigenen Schutzbefohlenen, die durch diese Nachricht auf das Höchste bestürzt wurden. Da dieselben meist Juden waren, so rieth Konsul Reed ihnen, sich an die Israelitische Allianee und andere Genossenschaften in New-Aork zum Schutze für ihre Interessen zu wenden. Reed ist dann sogleich nach Spanien abgereist, um mit dem hiesigen nordamerikanischen Gesandten Curry die marokkanischen Angelegenheiten zu berathen und diesen, der die Regierung von Washington bei der Marokkokonferenz vertreten soll, mit den nöthigen Schriftstücken und Daten zu versehen. — Man kann hieraus entnehmen, von welchem nachtheiligen Einfluß, namentlich für unsere Glaubensgenossen in Marokko, die Aufhebung des Schutzrechtes sein werde. Derjenige Theil derselben, welcher zu den Schutzbefohlenen der Großmächte gehört, wird hiernach ganz schutzlos und der Willkür der marokkanischen Beamten, sowie des fanatischen Volkes preisgegeben. Dasj Centralcomite der Alliance univ. isr. hat deshalb beschlossen, eine Denkschrift ausarbeiten zu lassen und diese der Conferenz zu überreichen. Möge der Erfolg ein günstiger fein! Es giebt Reformen, welche schädlicher wirken, als der alte Zustand, an dessen Uebelstände man sich gewöhnt hat. In der Beschränkung der marokkanischen Despotie und Barbarei ist ein großer Gewinn für Menschlichkeit und Gerechtigkeit, und darum festzuhalten, auch wenn sie staatsrechtlich nicht ganz zu vertheidigen wäre, besonders wenn sie durch das Herkommen berechtigt ist. Jedes Zugeständniß an eine solche Regierung ist ein Unrecht. Madrid, 20. Jan. Die jetzt in der Schwebe hängende Frage über die Schutzverhältnisse in Marokko, muß uns in nicht geringem Grade intcressiren, da ein großer Theil der in diesem Lande wohnenden Juden unter dem Schutze einer der Großmächte stehen, und dadurch allein einige Sicherheit des Lebens und des Eigenthums haben. Wir werden deshalb die Verhandlungen hierüber, wie sie jetzt stattfinden, mit Aufmerksamkeit verfolgen. Dem „Temps" ist aus Madrid gemeldet worden, die spanische Handelskammer von Tanger habe ein Memorandum an die Mächte ausgearbeitet, in welchem die Aufrechterhaltung des Schutzrechtes der Consuln über ihre eingeborenen Agenten verlangt wird. Die Vertreter Englands, Spaniens, Portugals, der Ver. Staaten und Belgiens haben die von ihren Regierungen eiugeforderten Gutachten abgeschickt. Die Majorität der Vertreter ist gegen die Abschaffung des Schutzrechtes, giebt aber das Vorhandensein gewisser Mißbräuche zu. Einige verlangen die Einsetzung gemischter Gerichtshöfe, alle aber bestehen darauf, daß vom Sultan Bürgschaften für die Freiheit des Handels gegeben werden. Rach der „Correspondencia" hat Frankreich für seine Theilnahme an der Conferenz die Bedingung gestellt, daß man sich nur mit der Schutzfrage beschäftige, und durch diese Einschrärikung ist der Zusammentritt der Conferenz wieder in Frage gestellt. Nach einer neuerlichen Mittheilung der „Jnd. beige" sind England, Spanien, Amerika und Deutschland einig darin, die Einsetzung gemischter Gerichtshöfe und ernsthafte Concessioneu auf dem Gebiete des Handels zu fordern; von der Gewährung dieser Forderungen würden sie ihre Haltung in der Schutzfrage abhängig machen. Aber auch der Sultan soll nicht lässig im Fordern sein. Bonn, 29. Januar. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: In diesen Tagen verstarb hier der Justizrath Karl Kauffmann, ein sehr geachteter Rechtsanwalt. Er wurde am 22. d. Mittag auf dem alten jüdischen Begrabnißplatz zur Ruhe bestattet. Ein zahlreiches Trauergefolge erwies dem in den weitesten Kreisen bekannten Mann die letzte Ehre. 5*

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