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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-02-02 · Heft 5 (2.2.1888) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 5 (2.2.1888)
Date
1888-02-02
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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74 den Bericht des letzteren Blattes, der zugleich der ausführlichere ist. Er lautet: „Heute wurde dahier mit großen Ehren der Districtsrabbiner Wolf Cohn, ein 7 jähriger Mann, zu Grabe gebracht. Er wurde sehr geehrt; die Ehre aber, dir ihm gegeben wurde, war nicht Lobhudelei, sondern Wahrheit. Gar manchmal, wenn Leute im Bahnzuge den ehrwürdigen Mann fahren sahen, fragten sie: was ist das für ein Pfarrer? Von den Fehlern, die man, sei es mit Recht oder Unrecht, gerne seinen Volksgenossen vorwirft, war er vollständig frei. Dagegen zierte ihn die aufrichtigste Demuth und Bescheidenheit. Dabei war der Mann aber reich an Wissen und Bildung. Als der berühmte alttestamentliche Theolog Dr. Delitzsch (nun bekanntlich in Leipzig) noch in Erlangen lehrte, kam er häufig zu ihm nach Baiersdorf, um noch mehr über das Judenthum zu lernen. Diesen Umstand hob die in der Synagoge gehaltene, sehr wohlgelungene und sehr maßvolle Rede des Rabbiners von Fürth Dr. Neuburger über Maleachi 2, 5—7 mit Wärme hervor. Auch sonst kamen je und je studirende Theologen von Erlangen in gleicher Absicht wie einst Delitzsch zu ihm hinaus. Ec pflegte für solche Lectionen kein Honorar anzunehmen. Der letzte dieser Schüler war Repetent Engelhardt von Erlangen. Es war in der That ergreifend, die warmen Worte des Dankes zu hören, die er am Grabe des Rabbiners, nachdem alles andere vorüber war, demselben nachrief, und die sichtlich aus tiefstem Herzen kamen. Auch was mehrere jüdische Redner vorher am Grabe in kurzen Worten geredet hatten, machte denselben Eindruck. Der Nürnberger Rabbiner, Dr. Ziemlich, der auch unter diesen sich befand, hob den Umstand hervor, daß mit dem greisen Rabbiner Cohn, wahrscheinlich auch das Rabbinat Baiersdorf zu Grabe getragen werde (es wird wahrscheinlich, da die Zahl der Israeliten dahier von früher 500 auf 60—70 heruntergegangen ist, an einen anderen Ort verlegt werden). Der Fürther Rabbiner hatte in seiner Synagogenrede auch erzählt, wie in noch früherer Zeit der Baiersdorfer Rabbiner der Oberrabbiner über alle Rabbiner des Fürstenthums Bayreuth gewesen sei, und wie daher meistens hochgelehrte Männer, z. B. Hirsch, Vater und Sohn, und Diespecker, Vater und Sohn, diese Stelle innegehabt hätten. Aus der ganzen Feier aber bekam man den Eindruck, welche hohen Gaben und Kräfte noch immer diesem Volke beiwohnen." Ueber den letzten Passus schreibt uns Herr Dr. Neuburger: „Was von den Vorgängern des sel. Cohn hier erzählt ist, beruht theilweise auf einem Gedächtnißfehler des Correspondenten. Der Vater Diespecker war R. David D., zuerst hier Parnas, dann Dajan in Metz und zuletzt Rabbiner in Baiersdorf, Vers, des nn cms. Seine Vorgänger aber waren nicht „Hirsch, Vater und Sohn", sondern die Brüder Berlin von hier, und zwar R. Chajim Hirsch Berlin (nachmals in Bamberg, Mainz und Hamburg Rabbiner, Vers, des my und des D'i-n '3y) und R. Löb Berlin (zuletzt Kgl. Westfälischer Consistorialrabbiner in Kassel.) Cohn's Biographie ist einfach: Er war im Juli 1812 in Baiersdorf geboren, absolvirte das Gymnasium in Erlangen, studirte dann in Erlangen und München, übernahm 1840 die Cantorstelle und 1848 nach R. Diespecker's Tod das Rabbinat. Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. Januar. (Privatmitth.) Herr Dr. Schöpf, emeritirter k. k. Universitäts-Professor und Consistorialrath in Salzburg, veröffentlichte soeben eine Schrift: „Antisemitische, zu deutsch judenhetzerische Bestrebungen in der Saisonstadt Salzburg!" Wie man nämlich weiß, dehnen die Antisemiten ihr Operationsfeld nach allen Seiten hin aus, sie wühlen nicht nur da, wo Juden wohnen, sondern auch da, wo nur wenige Juden baden, wie das in Salzburg der Fall ist. Der Vers, der vorliegenden Schrift, ein alter kathol. Geistlicher von wahrhaft christlicher, oder sagen wir richtiger menschenfreundlicher Gesinnung, kann es überhaupt nicht fassen, wie man Antisemit sein, und die Race verfolgen kann. Sind doch aus dieser Race der Heiland, die Mutter Gottes, die Apostel rc. entsprossen. Die Schrift ist in populärem Tone und mit dem vollen Brusttöne der Ueberzeugung geschrieben. Vor einiger Zeit schrieb ich Ihnen, daß hier im Schoße des Vorstandes Berathungen gepflogen werden, ob man nicht beim Religionsunterrichte statt der Sidurlectüre zur Bibelübersetzung zurückgreifen soll. Wie ich höre, bleibt es bei der Sidurlectüre. Leider sind aus dieser Sidurlectüre nicht einmal Sidurlomdim hervorgegangen. Wien, 13. Januar. (Privatmitth.) Trotz der maßlosen Agitation, welche die Führer der Antisemiten in Person zu Hilfe nehmen und zu deren Jrrführung antisemitische Corpsstudenten nach Linz importirt wurden, hat der antisemitische Reichstagscaudidat Kalzer eine schmähliche Niederlage erlitten; er erhielt nur 298 Stimmen, während der liberale Candidat Graf Kuenburg mit 1151 von 2012 abgegebenen Stimmen durchgedrungen ist. Pest, 22. Januar. Die Gerichtscommission des Abgeordnetenhauses annullirte die Wahl des Antisemiten Ludwig Szabo in Szerdahely, weil die Agitation mit Aufreizung der Confessionen verbunden war. Der Wahlpräses wurde zur Tragung der Kosten des Verfahrens (800 Gulden) verurtheilt. ' - -....-.

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