Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1888)
- Date
- 1888-01-26
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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60 gerechnet, nun in neun Stunden fahren kann. Die Strecken von Kulonieh über den Bergrücken bis Kostet, sowie die von der Höhe bei Abu Ghosch an Saris vorbei bis Bab el-Wad sind besonders gut hergestellt worden. Einige steinige Stellen hat man durch Aufschütten von Erde etwas geebnet. Der unguten Straßenstrecken sind nur noch wenige. — Am 3. Mai ist Baron Rothschild von Paris eingetroffen. Während seines Aufenthalts in Jerusalem ist der Grundstein zu dem schon seit Jahren geplanten Neubau eines Spitals in gesunder Lage außerhalb der Stadtmauer gelegt worden. Jerusalem, 12. Januar. Den jüdischen Ansiedelungen in Jerusalem — wie „E—g" erfährt — wurde ein wesentliches Hinderniß für die Entwickelung derselben, das Verbot Häuser zu bauen, vom Sultan aufgehoben. Auch wurde den Fremden ein dreimonatlicher Aufenthalt statt des bisherigen einmonatlichen gestattet. Man glaubt, daß diese Erleichterung der Intervention des Baron Hirsch zu danken sei. China. Hong-Kong, 22. November. Die Auch. isr. erhielten ein Schreiben obigen Datums von einem Herrn L. A. L6vy, welchem wir entnehmen, daß in Hong-Kong eine jüdische Gemeinde von mehreren Familien und sechzig bis siebzig Unverheiratheten besteht, welche eine kleine Synagoge und einen Vorbeter und Schächter unterhält. Sie ist aber in zwei Parteien getheilt, von welchen die eine streng orthodox, die andre sehr gleichgültig gegen das Judenthum ist. Die Mehrzahl der Individuen stammt ans Bagdad. Der Correspondent berichtet nach der Aussage eines Muhamedaners, im Gegensatz zu den christlichen Missionären, daß es im Innern Chinas noch über zweimalhunderttausend Juden gebe, deren Ahnen nach der Zerstörung des ersten Tempels dahinkamen, die seitdem völlig abgeschlossen von ihren Glaubensgenossen und in große Unwissenheit versunken sind. Die christlichen Missionäre drängen sich an sie heran und geben sich für Juden aus. Jndeß bleiben die chinesischen Juden Hierüber sehr im Zweifel, namentlich auch durch die heftigen Kämpfe zwischen den katholischen und den protestantischen Missionären, und übrigens herrsche in ganz China eine große Erbitterung gegen die Christen, während der Islam große Fortschritte mache und bereits über 20 Millionen Bekenner zähle. Der Correspondent fordert die Alliance isr. univ. auf, eine jüdische Schule in Schanghai, wo viele Juden wohnen, zu gründen und ein Dutzend Sendlinge nach China zu schicken, um die Juden zu unterrichten und in ihrem Glauben zu befestigen. Bonn, 22. Januar. (Notizen.) Am 11. Februar feiert vr. David Cassel in Berlin seinen 70jährigen Geburtstag. Wir brauchen hier die Verdienste dieses Mannes als Schriftsteller, als Lehrer und als Docent an der Hochschule für die Wissenschaft des Jndeuthums nicht auseinanderznsetzen. Seine vielen Schüler, Freunde und Verehrer treffen Vorbereitungen, um den Tag würdig zu feiern und dem greisen Gelehrten ihre Anerkennung und Dankbarkeit zu bezeugen. I e u i l i e t o tt. Ms meiner LnabenM. XI. (Schluß.) Ich nahm willig in dieser Hütte mein Nachtquartier und begnügte mich mit dem, was mir geboten werden konnte. Die Aussicht von dieser Höhe war hinreißend schön. Man blickte in ein Chaos von steilen Bergen mit Kuppen und in die tiefen Schluchten und schmalen Thäler zwischen ihnen; die Ausschau ging weithin in die Gebirgszüge, die sich hinter einander aufbauten und überall mit dichten, herrlichen Wäldern bedeckt waren; alles war still und einsam, kein Vogelfang ward gehört, und die Schatten der Dämmerung verdeckten die Menschenwohnungen, die zwischen den Bergen wohlzerstrent lagen. Als die Sonne im Westen niedergesunken war. trat ich noch einmal hinaus. Dichter, weißer Nebel hatte sich bis zu den Höhen ausgebreitet, so daß die Bergkuppen wie aus einem weißen Meere hervorragten. Alles dies war mir neu und ergriff mich tief wie eine ungeahnte Welt, die sich plötzlich offenbart. Bald war ich auf meinem Strohlager entschlummert. Da, um Mitternacht, wurde ich durch sonderbare Klänge, die ans dem Walde herüberdrangen, geweckt, Töne, die keine Melodie bildeten und dennoch harmonisch in einanderklangen. Es waren mir Geisterstimmen, die mein Ohr aufsuchten, um mich zu sich zu rufen. Ich raffte mich auf und trat ans der Hütte, denn das Unbekannte lockte mich an, um zu erkunden, was es bedeute. Ringsum noch derselbe Anblick, nur dunkler die Berggipfel und glitzernder das Nebelmeer. Der Wind rauschte durch den Forst und die Stimmen klangen immer heller. In den Wald einzudringen, war nicht rathsam, da ich mich leicht darin verirren konnte. Nach einiger Zeit legte ich mich wie-