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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-26 · Heft 4 (26.1.1888) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 4 (26.1.1888)
Date
1888-01-26
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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59 Dienstunfähigen, der Wittwen und Waisen dieser geistigen Vertreter des Judenthums. Rußland. Warschau, 11. Januar. Wie die „Pol. Corr." meldet, wird den fremden Juden nach Neujahr a. St. der Aufenthalt in Städten nur dann gestattet werden, wenn dieselben ein Patent erster Gilde gelöst und bis Mai l. I. die behördliche Bewilligung zum Fortbetriebe ihrer Geschäfte erlangt haben. Rumänien. Bukarest, im Januar. Die Details über die Art, wie in Rumänien die Bedrückung der Juden — und zwar aus den Regierungskreisen, nicht aus dem Volke — fortgesetzt wird und wie demungeachtet die Widerstandskraft der Juden wächst, sind weitläufig zu berichten nicht der Mühe werth. Einen interessanten Bericht von allgemeiner Bedeutung bringt das neueste Monatsbulletin der Alliance, der abermals beweist, wie das Volk seine Interessen besser versteht, als derartige Regierungen. Er lautet: „Die Arbeiter und die Juden. Unter dieser Aufschrift veröffentlicht der Munitorul (der Arbeiter), der in Jassy erscheint, am 8./20. November folgenden Artikel: Die markirt liberale (?) Zeitung der Miseriarul Roman (der rumänische Industrielle) glaubt, uns die rumänischen oder vielmehr christlichen Arbeiter abtrünnig zu machen, indem sie uns anklagt, zu den Juden zu halten. Hierbei unsere Erklärung: Wir, die Partei der Arbeiter, wir sind die Feinde der Bourgeoisie, sei es die christliche oder jüdische, der Aristokratie der Bojaren aller Art, aber wir können und dürfen nicht die Feinde der jüdischen oder anderer fremden Arbeiter sein. Wir thun dies, nicht aus Sympathie für die Juden, sondern weil dies die Gerechtigkeit und die Interessen der rumänischen Arbeiter fordern. Die Sache ist ganz klar; die als politische und ökonomische Partei organisirten Arbeiter haben politisch zu kämpfen, um an die Spitze des Communal- und Departementalraths zu konimen. Andererseits haben sie gegen die Arbeitgeber zu kämpfen, um die Arbeitsstunden zu vermindern, den Lohn zu erhöhen, humanitäre Einrichtungen in den Fabriken, den Werkstätten, den Domänen zu erlangen. In den Kämpfen, welche die Arbeiter der Städte gegen die Arbeitgeber zu führen haben, muß ein absolutes Einverständniß unter ihnen herrschen, ohne Religions- oder Nationalitäts-Unterschied. Im andern Falle, nehmen wir an, daß die Schuhmacherarbeiter strikten, um in der Fabrik des Herrn Rosenbaum zu Jassy eine Lohnerhöhung zu erlangen, glauben Sie, daß alsdann die christlichen Handwerker, falls sie mit den Fremden oder selbst nur den Juden nicht in Eintracht stünden, mit ihren Forderungen durchdrängen? Sie würden sich gegenseitig entgegenarbeiten. Würden die Juden nicht die Stelle der Christen einnehmen und gegenseitig? Und würden sich nicht alsdann die Arbeitgeber, ob sie Rosenbaum oder Vasilescu heißen, vergnügt die Hände reiben? Die Handwerker wissen das, daher haben die Schuhmacher der Gesellschaft Stena (Stern) in ihren Statuten erklärt, daß die Interessen der christlichen Arbeiter solidarisch wären mit denen der jüdischen Handwerker und daß sie zusammen unter denselben Statuten leben würden, in zwei verschiedenen Abtheilungen. Die Gesellschaft der Drucker Albina (die Biene) hat die Juden aus demselben Grunde ausgenommen, und sogar die Gesellschaft Unirea (die Union) hat ihre Beziehungen zur Albina erneuert, und gleichfalls beschlossen, die Juden zuzulaffen. Folglich müssen im wirthschaftlichen Kampfe alle Handwerker Zusammengehen, ohne Unterschied der Nationalität oder Religion; im politischen Kampfe müssen alle die zusammengehen, die politische Rechte zu vertheidigen haben." — (Je unsicherer die Bürgschaft ist, welche uns liberale Ideen und Personen bieten, desto zuverlässiger wirken gemeinsame Interessen!) Palästina. Jerusalem, im Januar. Aus dem in der „Schwab. Chronik" enthaltenen Jahresbericht über Jerusalem entnehmen wir Folgendes. 1. Witterungsverhältnisse. Während eine Reihe von Jahren hindurch die Witterungsverhältnisse mehr oder weniger ungünstige gewesen sind, haben sich dieselben von Anfang des Jahres 1887 an günstig gestaltet, denn der zeitig, schon im Oktober zuvor eingetretene Frühregen hat sich bis in den Januar hinein in ganz entsprechenden Zwischenräumen stets wiederholt. Wenn die Regengüsse 3 — 8 Tage anhielten, so klärte sich der Himmel allemal wieder auf, und es folgten darauf sonnige Tage, als ob der Frühling im Anzug wäre. Dieser Wechsel hat sich viermal wiederholt, so daß der Pflanzenwuchs keine Unterbrechung erlitten hat. Auf die letzten Regengüsse im Januar und das Schmelzen des Schnees (im Gebirge hat es einmal einen starken Schnee-! fall gegeben) ist das Fließen der Kidronquelle bei dem j Hiobsbrunnen schon in diesem Monat erfolgt, was im vor- | angegangenen Jahr erst im März geschehen ist. In Folge! dieser günstigen Witterung ist die Hoffnung auf eine gute Ernte auch vollauf erfüllt worden und konnte man mit der Gerstenernte bereits im Aprilbeginnen. Außerordentlich günstig waren die Witterungsverhältniffe in diesem Jahr auch für den Honigertrag. 2. Der Straßenbau. Auch in diesem Jahr sind an der Straße von Jaffa nach Jerusalem bedeutende Verbesserungen vorgenommen worden, so daß man von der einen Stadt zu der andern, zwei Stunden Rast in Ramleh und Bab-el-Wad mit ein- 4*

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