Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1888)
- Date
- 1888-01-26
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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58 wirkende israelitische Unterlehrer. Die Religionslehrer als Cultnsbeamten sind aber ganz und gar dem Willen der Gemeinden unterworfen hinsichtlich der Gehaltsbestimmung und Anstellung. Die Gehälter der Lehrer sind in Folge der Abnahme der jüdischen Landgemeinden an Mitgliedern und Steuerkraft durchaus nicht den gesteigerten Lebensbedürfnissen entsprechend und oft so gering, daß Lehrer als „verschämte Arme" unter Unterstützungsbedürftige gezählt werden. In solch schlechter Bezahlung der Religionslehrer und Abhängigkeit von den Gemeinden finden wir die Ursache des Lehrermangels, und wir vermögen in diesen Zuständen keineswegs „gute Einrichtungen" für den Religionslehrer und die Religionsschule trotz der Beaufsichtigung derselben zu erkennen. LI. Ober-Ingelheim, Ende Deccmber. (Privatmitth.) Die Vertheilung der Pensionen für das Jahr 1887 an die dienstunfähigen Mitglieder unseres Vereins, sowie an die Wittwen und Waisen derjenigen, deren Ernährer einst Mitglieder der Achawa waren, hat dieser Tage stattgcfunden. Es kamen 9000 Mark zur Vertheilung! (In 1886 ------ 8514 M.; in 1885 8060 M. u. s. z.) Die Freunde unseres Vereins werden daraus mit Freuden die Entwickelung desselben erkennen. — Die Zahl der Petenten ist leider ebenfalls gestiegen, und da sie sämmtlich berechtigte Ansprüche hatten, so erhöhte sich die Anzahl der Theile von 64*/-2 im vorigen Jahre auf 72*/2 in diesem Jahre, wodurch sich allerdings die Einzeltheilsumme um einige Mark gegen das unmittelbar vorhergehende Jahr verringerte. Die Achawa verbreitet Segen in alle Theile unseres Gesammtvaterlandes, wo nur Juden wohnen; in kleine und große Gemeinden! Auch dahin, von wo uns durchaus keine Mithilfe für die Erfüllung unserer schweren Aufgabe bisher entgegenkommt. Summen von alljährlich 124 Mark für alleinstehende Personen, von 200, 300 bis nahe an 400 Mk. für kleinere oder größere Familien, sind, wenn auch immer noch nicht ausreichende Hilfe, doch jedenfalls Trost bringende Unterstützungsgaben, die manche Roth zu lindern im Stande sind. Wir wiederholen: man vergesse gegenüber anderweitigen Veranstaltungen nicht, daß diese Gaben nicht einmalige sind, sondern sich alljährlich wiederholen. Wir haben schon jetzt unter unseren Pensionären manche, die die obigen Summen seit 10—15 Jahren beziehen und hoffentlich noch lange beziehen können. Es war uns außerdem auch in diesem Jahre wieder die Aufgabe geworden, neben der obigen Bertheilungssumme die uns ferner zur Verfügung stehenden 2000 Mark aus dem Reservefond fast ganz zu verausgaben. Es ist oft ganz besonders wohlthuend, in solchen Fällen augenblicklicher, außergewöhnlich dringender Noth rasch helfend eintreteu zu können. Im Laufe des Jahres sind 2 Mitglieder gestorben und 12 neu eingetreten. Die Zahl der activen Mitglieder beträgt zur Zeit 274! Immerhin ist diese Zahl noch gering im Verhältniß zur Zahl der jüdischen Lehrer — und Rabbiner! — Deutschlands. Es giebt auch jetzt noch Kreise, zu denen die Kunde von dem segensreichen Wirken der Achawa noch nicht gedrungen ist, oder die derselben aus anderen, oft sehr egoistischen Gründen fern bleiben. Viele haben die Zeit verpaßt und sind jetzt über die Jahre hinaus, in welchen der Eintritt möglich ist. Das Vermögen der Achawa wird bis zum Jahresabschluß die Summe von 160,000 Mk. wohl übersteigen. Hochersreulich ist die stetige Zunahme der Zahl der Ehrenmitglieder! Im Jahre 1886 sind in Darmstadt 17, und im Jahre 1887 in Mainz 60 (!) Ehrenmitglieder für unseren Verein gewonnen worden und ist diese Zahl noch nicht der Abschluß in dieser Gemeinde! In beiden Städten gingen die Gemeindevorflände mit den Rabbinern der beiden Richtungen Hand in Hand zur Förderung unserer Sache; ein erfreulicher Beweis, daß man hier wohl erkannt hat, daß die Achawa über den Parteien und Richtungen steht und keine andere Aufgabe hat, als — wohlzuthun, den Lehrerstaud zu heben, in seinem schwierigen Berufe zu kräftigen, damit der Lehrer nicht neben der oft traurigen Gegenwart noch gebeugt werde durch die Sorge um seine eigene und die Zukunft seiner Angehörigen. Insbesondere in Mainz haben wir die erfreuliche Wahrnehmung gemacht, daß es zumeist nur der persönlichen Anregung bedarf, um wohlwollende Israeliten zum Beitritt zu unserem Vereine zu bewegen; und daß nur in seltenen Fällen ein Beitrag von jährl. 6 M. einem Vereine versagt wird, der so nothwendig als wohlthätig ist und durch seine gesammte Entwicklung, seine fortschreitende Bedeutung wie durch die ganze Organisation sich bewährt hat. Wir dürfen mit Recht behaupten, daß die Achawa z. Z. die bedeutsamste, gemeinsame äußere Institution für die deutsche Judenheit ist. Wir haben uns daher entschlossen, im Laufe des nächsten Jahres (1888) in den verschiedenen großen jüdischen Gemeinden Deutschlands persönlich einzutreten, wie in Mainz geschehen; und hoffen überall auf gleich gesegneten Erfolg. Wir zweifeln nicht, daß das Wohlwollen der Gemeindevorstände, der Rabbiner und Lehrer uns gleichfalls überall unterstützen wird. Im Jahre 1889 sind es 25 Jahre, seit die constituirende Versammlung der Achawa stattgefunden; und wir hoffen mit Bestimmtheit, daß unser nächstjähriger Bericht sein wird, was er sein und werden soll. Im Verzeichniß der Ehrenmitglieder, zugleich ein Verzeichniß der Elite der deutschen Judenheit, die geeinigt ist zum wohlthätigsten Zwecke: zur ausgleichenden Gerechtigkeit (Zedaka) für die israel. Lehrer und Cultusbeamten und deren Hinterbliebenen, für die Unterstützung der