Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1888)
- Date
- 1888-01-26
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
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56 tarlehrer, gleich den christlichen, soweit es ihr Diensteinkommen betrifft, von den städtischen Abgaben. Wir haben im vor. Jahrg. S. 727 die Verhandlungen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung zu Posen ausführlich wiedergegeben, in welchen der gesetzliche Standpunkt gründlich erörtert wurde, von welchem aus auch diese Immunität auf die christlichen Geistlichen, Kirchendiener und Elementarlehrer beschränkt ist. Aus dem Gesichtspunkte, daß nunmehr den evangelischen und katholischen Geistlichen Gehaltzulagen gewährt werden sollen und zwar vorzüglich als Entschädigung für verlorene Einnahmen, die jüdischen Cultusbeamten aber ausgeschlossen bleiben, wird jedem Unbefangenen die obige Forderung gerechtfertigt erscheinen. Es wird deshalb sich als angemessen empfehlen, eine desfallsige Petition an den preußischen Landtag zu richten, und wir werden die nöthigen Schritte dazu thun. (S. nächste Nr.) Berlin, 18. Jan. (Privatmitth.) Der Kampf zwischen der „Kreuzzeitung" und der „Nordd. Allg. Ztg." interessirt uns gewiß, weil schließlich die elftere über ihren wahren Werth sehr Empfindliches zu hören bekommt und ihr Hochmuth gedämpst wird. Man erinnere sich, daß dieses Blatt schon 1849 die eigentliche Mutter und unermüdliche Pflegerin des Antisemitismus war, daß Stöcker ihr Geschöpf und ihr Werkzeug ist. Unter die Sünden der „Kreuzz.", welche die „N. A. Z." ihr aufzählt, haben wir deshalb die Judenhetze erst recht einzusügen, und wenn dies die „N. A. Z." unterläßt, so paßt jene doch ganz in das Bild, das hier entworfen wird. Die „N. A. Z." sagt unter Anderem: „Daß die „Kreuz-Ztg." uns die Schuld an allen ihr widerfahrenen Unannehmlichkeiten anfbürdet, ist nur eine natürliche Folge derjenigen Heuchelei und inneren Unwahrhaftigkeit, mit der die „Kreuz-Ztg." alle politischen Fragen zu behandeln pflegt, wobei sie unter dem Vorgeben, staatlich conservative Grundsätze zu vertreten, stets nur die Interessen einer Coterie im Auge hat. Diese Tendenz ist der „Krenz-Ztg." eigen, seit sie existirt. Sie hat es nur der Flüchtigkeit, mit welcher Zeitungen im Allgemeinen gelesen werden, dem schwachen Gedächtniß der Zeitungsleser und zum größten Theil vielleicht dem geringen politischen Urtheilsvermögen der Menge zu verdanken, wenn ihr auf die hochtönenden Worte, mittelst deren sie sich als Hort und Schutz des Thrones hinzustellen versucht, nicht von allen Seiten schallendes Gelächter antwortet. Das Recht auf solchen Anspruch hat die „Kreuz- Ztg." schon vor Jahren, als in Preußen das beklagenswerthe Geschick seines Königs Maßnahmen erforderlich machte, durch die Verwegenheit verwirkt, mit welcher sie schon damals ihre eigenen Aspirationen über alle Erwägungen des Staatswohles zu setzen versuchte. Ebenso unfähig wie damals hat sich die „Kreuz-Ztg." später gezeigt, dem Staatsinteresse zu dienen, als sie zur Zeit des Declarantenthums vor etwa einem Dutzend von Jahren den ersten Vertrauensmann der Krone in der abscheulichsten Weise angefeindet hat, und es wird für die spätere Geschichtsschreibung vielleicht ewig ein psychologisches Räthsel bleiben, wie es eigentlich nur dem anmaßenden Tone des Blattes überhaupt möglich gewesen ist, nach solchen Vorgängen noch Beachtung seitens einer ernsthaften Presse zu finden." Unterdeß macht Stöcker die größten Anstrengungen, sich in seiner „Christlich-Socialen" obenauf zu halten. Den 14. d. Abends schon wieder eine Versammlung, schon wieder eine lange Rede, wieder dieselben Phrasen, dieselben Jnvectiven — aber keine gegen die Juden, außer gegen „Judenblätter", aber die „N. A. Z." und die „Post" und die Fortschrittsblätter seien noch schlimmer! Man kann von diesen Reden auf die Beschaffenbeit derer schließen, die sie anhören. — Die „Voss. Ztg." wirft — die Veranlassung ist leicht verständlich — einen Rückblick „auf die Bekenntnisse der besten und ruhmreichsten Hohenzollern in Glaubenssachen", und sagt hier: „Bedarf es nun noch der Anführung entsprechender Aeußerungen des deutschen Kronprinzen? Zeigen nicht alle seine Reden, alle seine Briefe, daß er erfüllt ist von dem Geiste seines größten Ahnen? Hat er nicht noch bei der Lutherfeier an geweihter Stätte gesprochen, daß das evangelische Bekenntniß Gewissensfreiheit und Duldung fordert? War es nicht der Kronprinz, der den verstorbenen Stadtschulrath vr. Cauer veranlaßte, den am 30. Januar 1881 gehaltenen Vortrag über Lessing drucken zu lassen, einen Vortrag, in dem es heißt: Gegenüber den fratzenhaften Ausartungen deutscher Gesinnung, die sich heute hervorwagen, ist es recht, die Weltbürgerlichkeit des achtzehnten Jahrhunderts ins Feld zu führen, die sehr viel deutscher ist als die Carricatur des französischen Chauvinismus, die sich unter und für Deutschthum ausgiebt; und wer sich zurückgestoßen fühlt von der Brutalität, die heute auf der Gasse — und leider nicht nur auf der Gasse — ihr Wesen treibt, der findet nirgends besseren Trost als im Anschauen und Genüsse Lessing'scher Humanität. Nach diesem Vortrage trat der Kronprinz an den Redner, drückte ihm dankend die Hand und bat ihn, diese Worte drucken und verbreiten zu lassen, damit sie allenthalben beherzigt würden." Colberg, im Januar. Das jüdische Kurhospital hierselbst hat soeben seinen vierzehnten Jahresbericht pro 1887 der Oeffentlichkeit übergeben. Der Wirkungskreis dieser gemeinnützig und segensreich wirkenden Heilanstalt hat sich nach diesem Berichte im verflossenen Jahre wiederum erweitert, indem die Anzahl der armen und kranken Personen, die unentgeltlich verpflegt wurden, sowie selbstverständlich auch die der Verpflegungstage gewachsen ist. Allein die Einnahmen und Hülfsmittel der Anstalt, die zum überwiegend größten Theil noch immer auf die öffentliche Mildherzigkeit ange-