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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-19 · Heft 3 (19.1.1888) · p. Seite 42

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 3 (19.1.1888)
Date
1888-01-19
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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42 % delt. Ich sehe — ich will mir alle Mühe geben, nicht zu verletzen — daß von Seite der Gegner des Deutschen Schulvereins Verschiedenes gesprochen und gethan wird, um die Bevölkerung etwas im Unklaren zu lassen und wie man zu sagen Pflegt, falsche Lichter aufzusetzen. Es wird der Gegensatz hervorgehoben zwischen judenfreundlich und judenfeindlich. Ich bin für meine Person nicht gesonnen, ein judenfreundliches oder ein judenfeindliches Unternehmen zu unterstützen, und glaube auch nicht, daß es Aufgabe des Landtages sein kann, sich in diesen Streit zu mischen und zu sagen: Wir sind Freunde oder Feinde der Juden. Dies würde in dem Augenblicke der Fall sein, in welchem der Deutsche Schulverein wirklich eine judenfreundliche Stellung einnehmen würde. Der Deutsche Schulverein aber hat dies nicht gehan. Er sieht nur ab von allen Unterschieden der Confession, der Nationalität und allen politischen Differenzen und hat ausschließlich das Ziel im Auge, das Deutschthum in Bezug auf die Erziehung der Kinder zu schützen. Der Deutsche Schulverein schließt Niemanden aus, der sich ihm anschließt, der Schulverein für Deutsche ist ein Kampfverein, er nimmt Anlaß zur Verhetzung von Staatsbürgern, er will und beföibert die Judenhetze. (Rufe: Sehr richtig!) Das tritt auch aus den Worten hervor, die hier gesprochen wurden, trotz aller Reserve. Abg. Vergani sagte: Sapienti sat, und hat mehr damit gesagt, als er verschwiegen hat. Der Deutsche Schtklverein nimmt Geld von Juden und Jenen, welche die Gegner als Judenknechte bezeichnen und die aus alten Chnstenfamillen stammen. Wie käme der Deutsche Schulverein dazu, Geld zurückzuweisen, das ihm für seine Zwecke geboten wird? Ist es nicht Judenhetze, wenn hier sogar ein Mann an oen Pranger gestellt werden soll, der dem Deutschen Schulverein tausend Gulden spendet? Man unterschied einen deutschen Schulverein und einen unverfälschten Schulverein, um damit den ersteren als nicht deutsch hiuzustellen. Wir haben keine Ursache, uns vor Drohungen zu jürchten, und werden immer noch Ohren finden für Worte, die nicht tendenziös gefälscht sind. Ich weiß nicht, wie viel Mitglieder unter 22 Jahren dem Deutschen Schulvereine angehören und ob die Jugend zahlreicher dem Schulvereine für Deutsche angehört, allein ein altes deutsches Sprichwort sagt, daß nur Männer zu berathen haben. Der Kampf gegen die Corruptron muß geführt werden, aber ohne Rücksicht auf Confession und Race, und man darf nicht glauben machen, daß es nur die Juden sind, welche die Corruption repräsentiren, sonst fälscht man die Wahrheit. Redner empfiehlt die Annahme der Ausschußanträge. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Weitlof führt aus, daß die Worte des deutschen Schulvereins-Obmannes in Brünn nicht richtig citirt wurden, daß vielmehr in Brünn jeder Streit „mit dem zweiten Löschcorps" abgelehut wurde, weil der Deutsche Schulverein Besseres zu thun hat und sich durch alle Agitationen in seinem Wirken nicht stören läßt. Unter 300 Kindern des Waldviertels, welche Schuloereinsschulen besuchen, befinden sich acht jüdische Kinder. Sollten die eine Gefahr für das Deutschthum im Waldviertel bilden? Gerade in diese Bevölkerung wurde versucht, die czechische Agitation hineinzu - tragen und Forderungen nach Zweisprachigkeit der Schulen angeregt. Wenn der Schulverein diese vor den Thoren Wiens drohende Gefahr abwendet, hat er Nützliches gethan und braucht sich nicht darum zu kümmern, ob die Wohlthat des deutschen Unterrichtes auch Judenkindern zu statten kommt. Dem Abg. Knab gegenüber führt Redner die Unterstützung an, welche der Pfarrer von Rottenschachen dem Deutschen Schulverein entgegenbringt. (Beifall.) Den Verein leitet das volle Bewußtsein des Nationalgefühles, und wenn diesem idealen Zwecke Mittel von Hunderttausenden zugesührt werden, dann darf man nicht von „trübem" Wasser sprechen, ohne die deutsche Idee zu verletzen. So wenigstens wird die Sache auch von mehreren deutschen Brüdern im Reiche aufgefaßt. Wir sind auch nicht immer in der Lage, die Abstammung jeder einzelnen Familie zu untersuchen, denn wohin kommt man dann? (Schallende Heiterkeit.) Zu bedenken ist auch, daß es in gemischten Bezirken oft nur jüdische Schulen sind, in denen deutsche Kinder deutschen Unterricht erhalten können. Würde es entsprechend sein, solchen die Subvention zu entziehen, weil in diese Schulen jüdische Kinder gehen? Der Abg. Vergani hat den Deutschen Schulverein für judenfreundlich erklärt, und heute lese ich in der „Neuen Freien Presse", daß ein Herr in Brünn aus dem Vereine ausgetreten ist, weil an der Vereinsschule in Königsfeld israelitischen Kindern die Aufnahme nicht gewährt wurde. Ebenso übertrieben wie das Eine, ist auch das Andere. Nicht die Aufnahme wurde den israelitischen Kindern verweigert, sondern die israelitischen Religionslehrer wünschten eine Bezahlung und diese wurde nicht gegeben. Wer die Thätigkeit des Deutschen Schulvereins genau verfolgt habe, müsse zugeben, daß er mit seinem ruhigen Vorgehen das Richtige getroffen habe. Möge der Landtag durch sein Vorgehen ein klares Urtheil darüber schöpfen, daß er mit der Thätigkeit des Deutschen Schulvereins einverstanden. Abg. Vergani erklärt, er habe den Deutschen Schulverein nicht angegriffen, sondern nur die Nothwendigkeit des Schulvereins für Deutsche begründet. Dagegen sei die Entgegnung des Obmannes des Deutschen Schulvereins unduldsam und die eines Kampfvereins gewesen. Wenn sein Antrag abgelehnt werde, so beweise der Landtag damit, daß er keinen Verein unterstützen wolle, welcher nicht judenfreundlich ist. Nach dem Schlußworte des Referenten, Abg. Gögl, wird der Antrag des Finanzausschusses mit allen gegen die

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