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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-19 · Heft 3 (19.1.1888) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 3 (19.1.1888)
Date
1888-01-19
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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41 Bern, daß die betreffenden Lehrer ihr eigenes Interesse nicht verstehen oder nicht gebührend zu würdigen wissen. Das in Staatspapieren verzinslich angelegte Vermögen des Vereins beziffert sich am 1. Jan. 1888 auf Mk. 60,050.55. Blumenau. Oranienburg im Jan. (Privatmitth.) Am 20. Tebeth — 4. Januar waren fünfzig Jahre verflossen, seitdem die hiesige Synagoge, durch die Opferwilligkeit der Gemeinde gegründet, dem gottesdienstlichen Gebrauch übergeben wurde. Pietätvoll beging die Gemeinde 25 Jahre später den schönen Gedenktag, und in gleicher Weise, wie damals, dankbar und in frommer Hingabe feierte sie jetzt auch das 50jährige Jubiläum ihres Gotteshauses. Nur zwei Mitglieder, die zu den ursprünglichen Begründern desselben gehören, sind noch am Leben und nahmen an der heutigen Feier Theil, welcher Deputationen der städtischen Behörde anwohnten. Der liturgische Theil des festlichen Gottesdienstes vollzog sich unter der würdigen Leitung des Cantors der Gemeinde, des Herrn Wolff, in ansprechender Form. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner I)r. Cohn aus Potsdam, der auch vor 25 Jahren die Weiherede am Jubiläumstage gebalten hat. An der Hand des 122. Psalms zeichnete derselbe in beziehungsreicher Rede als die vier bedeutsamsten Momente eines Synagogen-Jubiläums: Die Freude am Besuche des Gotteshauses, die Darbringung von Dank und Preis vor dem Namen Gottes, die Durchdringung des gesanimten Lebens von Gerechtigkeit und Wahrheit, zuletzt die treue und liebende Gesinnung und That im Dienste der Zeit und des Vaterlandes, verbunden mit Ehrfurcht vor der Geschichte des alten Israel. — Die jüngere Generation der Gemeinde, soweit diese auswärts lebt, war zu Ehren des Tages herbeigeeilt und hat durch reiche Beiträge einen Fonds gestiftet, mit der Bestimmung, die Zinsen alljährlich am 4. Januar zur Unterstützung von Oranienburgern Bedürftigen jüdischen Glaubens zu verwenden. Der Abend versammelte die Mitglieder der Gemeinde zu einem fröhlichen Mahl, das in Frohsinn und Heiterkeit der Theilnehmer verlief. Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. Januar. Niederösterreichischer Landtag: Abg. Gögl rcferirt Namens des Finanzausschusses und beantragt: 1. Der Dank des Deutschen Schulvereins für die ihm für das Jahr 1887 gewährte Subvention von 2000 fl., wie der Bericht über dessen ersprießliche Wirksamkeit wird zur befriedigenden Kenntniß genommen. 2. Dem Deutschen Schulverein wird für das Jahr 1888 eine Subvention von 2000 fl. gewährt. Abg. Vergani erinnert daran, daß er im vorigen Jahre beantragte, auch dem Schulverein für Deutsche 1000 fl. zu bewilligen; damals wurde dieser Antrag abgelehnt, weil der Verein judenfeindlich sei. Der Schulverein für Deutsche geht nicht herausfordernd vor, er verhält sich ablehnend gegen das Eindringen fremder Elemente. Uebrigens ist schon von maßgebender Stelle die Parole ausgegeben worden, daß die unsaubere Hetze wenigstens von Nichtjuden eingestellt werde. Beim Ortsgruppentag in Brünn sagte der dortige Obmann des Deutschen Schulvereins, der Deutsche Schulverein ist ein Löschmann und habe nicht zu streiten mit einem zweiten Löschcorps. Das sind Worte der Anerkennung, welche wir uns durch unser nationals Wirken ertrotzt haben. Beide Schulvereine haben Flammen zu löschen, die an dem deutschen Hause lecken, sie arbeiten getrennt. Der Deutsche Schulverein nimmt zum Löschen reines und unreines Wasser (Rufe: Pfui!), der Schulverein für Deutsche nur reines Wasser aus dem deutschen Hause. Nicht um die confessionelle, nur um die nationale Frage handelt cs sich ihm, und wenn der Deutsche Schulverein auch Judenkindern deutsches Wissen zuführt, so geschieht dieß nicht immer zum Nutzen der Deutschen. Der Schulverein für Deutsche besitzt keine Bankiers oder Finanzbarone, die ihm, wie es im Vorjahre beim deutschen Schulvereine geschah, bei guter Laune einen Tausender spende»; allein für ihn tritt die akademische Jugend werbend ein. An eine Förderung der deutsch-nationalen Sache durch Juden ist nicht zu denken. Redner stellt den Antrag, auch dem Schulvereine für Deutsche 1000 fl.»zu bewilligen. Das Schulvereinsfest im Sophiensaale habe gezeigt, daß dieser Verein große Bevölkerungskreise für sich habe, und durch die Ablehnung seines Antrages würde Tausenden ein Schlag ins Antlitz versetzt. Abg. Knab spricht seine Meinung dahin aus, daß, wer den Deutschen Schulverein oder den Schulverein für Deutsche oder den Katholischen Schulverein unterstützen will, dies ans seiner eigenen Tasche thun solle. Wenn der Deutsche Schulverein wirklich uothwendige Anstalten in Niederösterreich erhalte, so möge diese das Land übernehmen. Redner bittet schließlich um die Ablehnung sowohl des Ansschußantrages als auch des Antrages Vergani. Abg. vr. Kopp bedauert, daß es überhaupt nothwendig ist, in dieser Angelegenheit das Wort zu ergreifen. Auf die Ausführungen des Abg. Knab erwidert er, daß es schon oft vorgekommen sei, daß das Land einem Vereine, welcher löbliche Zwecke verfolge, für welche sonst das Land aufkomme» müßte, beigesprungen ist. Die Forderung um Unterstützung des Schulvereins für Deutsche erfordere dagegen, daß mau sich die Sache näher besieht. Denn wenn ein seit Jahren vom Lande subventionirter Verein gedeiht und in einer Weise sich gebahrt, welche ihm die allgemeine Anerkennung sichert, wozu braucht man dann einen zweiten Verein? Leider wissen wir auch ohne die Worte des Abg. Vergani, um was cs sich Han-

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