Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1888)
- Date
- 1888-01-19
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227717-3227721--45024-3264513- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
40- Nicht ob die Aeußerung wirklich gefallen ist oder nicht, ist für uns das Charakteristische an der Sache, sondern der Umstand, daß schon der bloße Versuch, den Prinzen Wilhelm vor dem Schein der offenen Mitbetheiligung an dem nationalen Werk der Judenhetze zu reinigen, in den Organen für die „Arbeit des Reiches Gottes" als — hämische Verdäch tigung gebrandmarkt wird!" — Die „Post" verlangt für den Fall, daß die Berliner Stadtmission wirklich der von ihr verlangten Unterstützung für würdig gehalten werden soll, die Beseitigung des Herrn Stöcker als alleinigen Leiters derselben. — Die „Kreuz-Ztg." sucht jetzt eine große „christlichsociale" Partei zu gewinnen und hat hierzu auch das Centrum und die Katholiken überhaupt eingeladen, hat aber durch die Organe der letzteren eine Zurückweisung erhalten, in welcher jener recht viele Bitterkeiten gesagt werden. — Die „Voss. Z." schreibt: „Bezeichnend für die Spaltungen innerhalb der conservativen Partei, die sich zumeist darauf zurückführen, daß die einen eine engere, die anderen eine geringere, die dritten gar keine Anlehnung an den Antisemitismus wünschen, und daß auch über die Zuträglichkeit der Führung Seitens der „Kreuzztg." Meinungsverschiedenheiten bestehen, ist es, daß auch innerhalb des engen Kreises des Centralcomitees der Partei selbst sehr schroffe Streitpunkte sich geltend machen. Als Friedensstörer sieht man vor allen eine Persönlichkeit an, die im engsten politischen und journalistischen Verhältniß zur „Kreuzztg." steht, gegenwärtig das Amt eines Ehrenvorsitzenden bekleidet, aber sich als ungeeignet zur Führung eines Vorsitzes bei den verschiedensten Gelegenheiten erwiesen hat und zudem die Berliner Verhältnisse, da sie noch nicht lange in Berlin weilt, nicht zu übersehen vermag. Es wird angenommen, daß es demnächst zum Austritt von verschiedenen Persönlichkeiten kommen wird, auf welche die Partei theils wegen ihrer bevorzugten Rednergabe, theils wegen des Ansehens, das sie genießen, besonderen Werth legt, wenn es nicht gelingt, diesen Ehrenvorsitzenden zum Rücktritt zu veranlassen. (Es ist wohl Herr von Hammerslein, der gegenwärtige Redakteur der „Kreuzzeitung" gemeint). Stuttgart, 8. Januar. (Privatmitth.) Der Verein zur Unterstützung von Wittwe» und Waisen armer israel. Lehrer Württembergs versendet in dieser Woche seinen Jahresbericht p.o 1. Nov. 18&6/7. Der Verein erhielt wieder 1536 M. außerordentliche Beiträge, und zwar Beiträge aus den Gemeindecaffen Buchau, Buttenhausen, Cannstadt, Göppingen, Hall, Stuttgart und Ulm, und Spenden aus verschiedenen Gemeinden, besonders reichlich aber aus den Gemeinden Stuttgart und Heilbronn. Ihre Majestät die Königin Olga hat den Verein wieder mit einer huldvollen Gabe erfreut. Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums erhielt der Verein vom isr. Gemekndebund 101 M., von Hrn. Oberregierungsrath v. Jinkh 10 M., und noch von anderen Wohlthätern außerordentliche Geschenke. An Unterstützungen vertheilte der Verein 1103 M. in Gaben von 150—250 M. Das Vereins-Vermögen beläuft sich jetzt auf 31,357 M. und hat um 1713 M. zugenommeu. Die Zahl der Mitglieder beträgt 55, die der außerordentlichen 33. Möge sich der Verein das Vertrauen und die Unterstützung der Gemeinden erwerben und erhalten, damit er sein vorgestecktes Ziel, die Zukunft der Hinterlassenen von israel. Lehrern zu sichern, erreichen kann. Bielefeld, 6. Januar. (Privatmitth.) Nach den Ermittelungen des am Neujahrstage zu Dortmund versammelt gewesenen Vorstandes der „Unterstützungskasse" des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und die Nheinprovinz ist zu Unterstützungen für das Jahr 1888 die Summe von rund Mark 2615 (entsprechend der Hälfte der 1887 eingegangenen Mitgliederbeiträge, Zinsen und Geschenke) verfügbar. Die statutenmäßigen Ansprüche auf Unterstützung haben sich von 421/4 auf 50'/4 gehoben, so daß ein Antheil leider von 55 Mk. auf 52 Mk. herabgesetzt werden mußte. Es erhalten somit in diesem Jahre: 4 Wittw. oh. Kinder, jede 3 Antheile — 12Anth. zus. Mk. 624.— 3 einzelne Waisen verst. Mitglieder 21/4 tr tt 117.— 1 Wittwe mit einem Kinde 4 „ ft tf 208.— 1 emerit. Lehrer 4 „ „ tt 208.— 2 ditto „ ä 6 12 „ rr 624.- 1 ditto „ mit Frau 7 1 „ ff 364.— 1 ditto „ mit Iran u. 2 Kindern v .. „ „ 468.— 50>/4Ant.-^M.2613.— Trotz der erwähnten Verminderung des Unterstützungsantheiles bieten die Kassen-Verhältnisse des Vereins ein erfreuliches Bild immer wachsender Theilnahme Seitens der Gemeinden, Gesellschaften und Privatpersonen. Viele unserer Mitglieder sind unablässig bemüht, bei freudigen und traurigen Familienereignissen auf unseren Verein hinzuweisen und dadurch, sowie durch Collecten, der Unterstütznugskasse namhafte Beiträge zuzuwenden. Allen unseren Wohlthätern sei hiermit wärmster Dank ausgsprochen. Leider aber halten sich diejenigen, in deren Interesse der Verein geschaffen worden, in ihrer Mehrzahl von der Mitgliedschaft zurück. Zur Illustration des Gesagten diene die Bemerkung, daß seit unserem letzten Jahresberichte nur ein einziges Mitglied neu ausgenommen wurde, und daß unter den 55 Besuchern der Conferenz zu Crefeld im Mai 1887 nur 25 Mitglieder der Unterstützungskasse sich befanden. Es ist klar, daß durch dieses Fernhalten nicht die „Unterstützungskasse", die in ihrer Grundlage völlig gesichert erscheint und > segensreiche Fortentwickelung verheißt, geschädigt tvird, son-