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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-19 · Heft 3 (19.1.1888) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 3 (19.1.1888)
Date
1888-01-19
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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3d Das vom Comite der Dr. Moritz Rappaport^schen Stiftung neu gewählte bis zum 31. December 1889 zu lösende Preisthema lautet: „Geschichte der Juden in Rom seit ihrer ersten Niederlassung in der Hauptstadt des römischen Reiches bis zum Verschwinden des römischen Ghetto unter der Regierung des Königs Humbert I." Es ist einer der interessantesten und merkwürdigsten Theile der Geschichte der Juden, der hier zur Bearbeitung vorgelegt wird. Er umfaßt die Epochen der römischen Republik, der Herrschaft der römischen Kaiser, der geistlichen Macht des Papstthums und der Proclamirung Roms als der Hauptstadt des geeinigten Italiens. Innerhalb dieses zweitausendjährigen Zeitabschnittes sind die Juden in Rom politisch hervorgetreten, haben zahlreiche, sie betreffende Gesetze veranlaßt, viel Herbes und Bitteres erfahren, eine reiche Thätigkeit auf dem Gebiete der Wissenschaften, sowohl durch Originalwerke als durch Uebersetzungen philosophischer und medicinischer Schriften entfaltet und an dein Weltverkehr in cvmmercieller Beziehung sich fördernd betheiligt. Die Bearbeitung der hier gestellten Preisfragen soll alle diese Momente berücksichtigen, das politische, sociale, religiöse und geistige Leben der römischen Juden ausführlich schildern und sich nicht bloß mit der Benützung vorhandener Vorarbeiten begnügen, sondern auf Quellenforschungen anstellen und womöglich wichtige, noch unbekannte geschichtliche Doeumente beibringen. Wünschenswerth ist es auch, daß der Bearbeiter Proben von den Dichtungen jüdisch römischer Dichter in Uebersetzungen mittheile. Die Arbeit kann in deutscher, französischer oder italienischer Sprache abgefaßt werden. Als Preissumme für die beste Schrift wurden Eintausend (1000 fl.) Gulden österr. Währung bestimmt. Diejenigen Herren, welche um diesen Preis zu eoncurriren beabsichtigen, werden ersucht, die Preisschrift bis längstens 31. December 1889 Mittags 12 Uhr ins Secretariat der israelitischen Cultusgemeinde in Wien I. Scitenstettengasse Nr. 4 ohne Namensfertigung, mit einem Motto versehen, einzusenden, und in einem Couvert, welches dasselbe Motto trägt, versiegelt, Namen und Adresse anzugeben, wobei bemerkt wird, daß stiftbriefgemäß dem Autor das Recht des Eigenthums bleibt, daß jedoch die Publicirung der Preisschrift, falls dieselbe vom Autor nicht veranlaßt wird, von dem Vorstände der Wiener israel. Cultusgemeinde über Vorschlag des Unterzeichneten Comitos vorgenommen werden kann. Wien, 1. Januar 1888. Das Comit^ der vr. Moritz Rappaportstiftung. yyuu: H-r-i-oH . Deutschland. Berlin, 10. Jan. Ueber die angebliche Aeußerung des Prinzen Wilhelm, „ich bin kein Antisemit!" hat sich in den hiesigen Blättern ein Streit erhoben. Die „Voss. Ztg." schreibt darüber: „Von dem hiesigen „Deutsch. Tagebl." war anläßlich der Erörterungen über die bekannte Versammlung bei dem Grafen Waldersee dem Prinzen Wilhelm zur Beruhigung der liberalen Presse die Aeußerung in den Mund gelegt worden: „Ich bin kein Antisemit". Die „Voss. Ztg." hat dieser Mittheilung schon um ihrer Quelle willen von allen liberalen Blättern vielleicht am Wenigsten Gewicht beigelegt, und wir kommen auf diesen zweifelhaften Gegenstand auch heute nur deshalb zurück, weil sich ein bezeichnender Zeitungsstreit an ihn geknüpft hat, der möglicherweise noch zu weiteren Enthüllungen führt. Die „N. Pr. Ztg." hatte die dem Prinzen Wilhelm von der antisemitischen Genossin zugeschriebene Aeußerung für eine „Erfindung" erklärt; ihr schloß sich selbstverständlich der Stöcker'sche „Reichsbotc" in demselben Sinne an. Das „Berk. Tagebl." behauptet nun, die Aeußerung sei „in der That gefallen und schriftlich fixirt worden, wenn auch gerade dieser letztere llmstand es zur Zeit unmöglich macht, das Beweisstück öffentlich zu produciren". Die „N. Pr. Ztg.", die auch dieser Angabe gegenüber „in der Lage" ist, „die ganze Geschichte für eine tendenziöse Lüge erklären zu können", fordert von dem zuletzt erwähnten Blatte weitere Aufklärung und schreibt: „Oeffentlich ist die dem Prinzen Wilhelm in den Mund gelegte Aeußerung nicht gethan worden, das ist einfach notorisch; sie könnte also nur in einem Privatgespräch gefallen sein. Wer ist nun derjenige, welcher privatim und offenbar ohne Zeugen — denn sonst wäre ja eine Fixirung überflüssig — gethane Aeußerungen eines königlichen Prinzen hinterrücks schriftlich fixirt und sie dann der Presse heimlich zugänglich macht? Von wem geht neuerdings dem „Berl. Tagebl." das Material zu seiner lügnerischen Erfindung zu? Das „Deutsche Tagebl." wird jetzt nicht umhin können, die Quelle für seine erste Mittheilung über die angebliche Aeußerung des Prinzen Wilhelm zu nenne», wenn anders es sich von dem Verdacht reinigen will, mit dem „Berl. Tagebl." gemeinsam die trübsten Quellen für seine hämischen Verdächtigungen benutzt zn \ haben."

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