Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1888)
- Date
- 1888-01-12
- Page
- Seite 30 (sequence 14)
- Language
- German
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30 Nvrden, im Dezember.*) Gegen-Crklarung. Daß Lesebuch von HaesterssRichter für die Mittel¬ und Oberstufe, für israelitische Schulen bearbeitet von M. Blumenfeld, vor dem Richterstuhle der israelitischen Konferenz in Emden. Auf die mit diesen Worten eingeleiteten Auslassungen des Herrn Collegen Blumenfeld-Essen in Nr. 46 dies. Bl., die mir von meinem Mitleser verspätet zuging, sehe ich mich veranlaßt, im Aufträge und Namen mehrerer Conferenzmitglieder Nachstehendes zu erwidern: Herr Bl. hebt hervor, die Emdener Lehrer-Conferenz sei bei Beurteilung des von ihm bearbeiteten H.-R. Lesebuches von falschen Grundsätzen ausgegangen und beweist dieses mit den betreffenden Vorschriften der „allgemeinen Bestimmungen vom 15. Okt. 1872", nach welchen sich das Lesebuch von „kirchlichen und politischen Tendenzen frei zu halten habe." Diese Bestimmung wurde jedoch bisher vonkeinem uns bekannten Autor eines Lesebuchs im Sinne des Herrn Blumenfeld aufgefaßt; es geht vielmehr auch aus der angezogenen Bestimmung das Gegentheil hervor, da es in deren Verlauf weiter heißt, daß nur für Schulen, welche von Kindern verschiedener Confession besucht werden, solche Lesebücher zu wählen seien, die keinen „eigentlich confessionellen Charakter" haben. Das ist auf unsere Schulen und auf dieses Lesebuch nicht anwendbar, weil erstere nur von jüdischen Kindern besucht werden, letzteres sich aber als Lesebuch für israelitische Schulen ausgiebt. Außerdem verweisen wir auf die Ausgabe für evangelische Schulen, in welcher der Mitherausgeber, Semiuardirector Georg Richter, seiner Vorrede folgenden Satz einschiebt: „Von evangelischer Seite ist an diesen Büchern jedoch mehrfach die Ausstellung gemacht worden, daß in denselben die Reformationsgeschichte und das Kirchenjahr keine Berücksichtigung gefunden. Im Aufträge der Berlagshandlung hat daher der Unterzeichnete diese Mängel durch Bearbeitung einer besondern Ausgabe für die evangelische Volksschule zu beseitigen gesucht, und zwar sind zu diesem Zwecke den oben genannten Lesebüchern neu eingefügt worden: Luthers Geburt und Jugend, Luthers Auftreten gegen den Ablaß, Luthers Verfolgung und Tod (Mittelstufe VII. Abschn. S. 157-15). Du sollst den Feiertag heiligen, Adventslied, Christnacht, Charwoche, Osterlied, An die Confirmanden, Pfingsten, Auferstehung (Oberstufe I. Abschn. S. 177—183), Heinrich IV. und Gregor VI, Huß auf der Kirchenvetsammlung zu Konstanz, Luther auf dem Reichstage zu Worms, Gustav Adolf und Gustav Adolfs Tod (Oberstufe, IV. Abschn., S. 383-104 Es sei bemerkt, daß bereits andere confessionelle Stücke vorher darin enthalten waren). Mit demselben Rechte wäre es Aufgabe des Herrn Bl. gewesen, für die gestrichenen, ausgeschiedenen evangelischen Stücke solche jüdischen Inhalts zu bieten. Dies ist nicht allein unterblieben, sondern Herr Bl. ließ auch geradezu Stellen mit christlichem Gepräge stehen, wie z. B. in der Ausgabe für die Oberklasse (I. Abschn. Nr. 111). „Das Haus Gruit van Steen," wo folgender Satz zu lesen: Herr Hermann betete bei sich: Herr, soll dieser Kelch nicht vorübergehen, so geschehe Dein Wille; nur gieb mir Kraft, mein Unglück wie ein Christ zu tragen; oder (III. Abschn. Nc. 29), „Die Eiche", in welcher es heißt: „Wie die sinnigen Griechen die mächtige Eiche dem mächtigsten ihrer Götter geweiht hatten, so war auch unfern Altvordern dieser Königsbaum dem mächtigen Donnergott geheiligt" u. s. w.; ferner in demselben Stücke: „In dem heiligen Dunkel der deutschen Eichenwälder saßen einst die Priesteriunen unserer Väter, lauschten dem prophetischen Rauschen der Blätter." — Andere derartige Stücke suchte Herr Bl. dadurch brauchbar zu machen, daß er die nicht geeigneten Stellen umgewandelt hat, z. B. Herder, „Die wiedergefundeuen Söhne" u. s. w. — während er die Nummern der evangelischen Ausgabe mit ausgesprochenem christlich-religiösem Charakter durch zum Theil geschmacklose Stücke Zumeist profanen Inhalts zu ersetzen suchte, wie Z. B. S. 44, 70, 71, der Mittelstufe u. s. w. Wenn Diesterweg sagt, das Lesebuch sollte das allgemeine Wahre, Gute und Schöne in entsprechender Formen darstellen, so frage ich, ob nicht Lesestücke jüoisch-religiösen Inhalts dieselben Attribute verdienen, zumal auch christliche Autoren es nicht verschmäht haben, diesen! Gebiet Lesestoff zu entnehmen, wie z. B. Viehoff, Wackernagel, Kehr und Kriebitsch. — Wir begreifen ferner nicht, wie Herr Bl. uns die Ansicht unterschieben kann, das Lesebuch müsse den Unterricht in den Realien ersetzen, sind uns vielmehr vollbewußt, daß es, wie Haussen sagt, „nicht der Knecht des Anschauungs- und wellkundlichen Unterrichts sein darf." Weder Referent, noch Konferenz haben derartiges erwähnt, im Gegentheil, es haben viele das fragliche Lesebuch mit realistischen Stücken überladen befunden und dies damit bewiesen, daß letzteren 300 Seiten in der Ausgabe für die Oberklasse zugewiesen sind, während es nur 188 Seiten mit Stücken allgemeinen Inhalts aufzuweisen hat. Dasselbe gilt für die Ausgabe der Mittelklasse, deren naturkundliche Stücke auch häufig zu trocken und für diese Stufe oft zu schwierig sind, z. B. S. 128, 129, 140, 142, 113, 116, 121 u. s. w. — Außerdem enthält dieselbe, nebenbei gesagt, eine Anzahl theils *) Wegen Raummangels verspätet. Nedakt.