Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1888)
- Date
- 1888-01-12
- Page
- Seite 31 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227717-3227720--45014-3264502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
31 werthtoser, theils zu schwieriger Gedichte, z. B. S. 78, 71, 132, 2, 126, 146 (Nr. 35) u. s. w. Dem Lesebuche wäre fernerhin, wie allgemein erwähnt wurde, eine bessere Ausstattung in Druck und Papier — und man darf dieses bei dem Preise desselben wohl beanspruchen — zu wünschen. Vielleicht entpuppt es sich bei der nächsten Auflage zu seinem Vortheil. Schließlich noch die Bemerkung, daß Herr Landrabbiner Dr. Buchholz, wie alle Conferenzbesucher bestätigen können, bei seiner Resolution die. größte Schonung des Herrn Bl. im Auge hatte; viele Collegen hätten sich sonst wahrscheinlich der viel schärferen des Herrn Rosenthal- Emden zugeneigt, wenn nicht Herr Dr. B. in der besten Absicht mit seinem vermittelnden Vorschläge eingetreten wäre. Levy, Oberlehrer. Nachtrag. Deutschland. Berlin, 5. Jan. (Privatmitth.) Die Rappaport'sche Stiftung in Wien, welche alle drei Jahre Preisfragen zu Gunsten der jüdischen Wissenschaft ausschreibt, hatte vor drei Jahren die Frage gestellt: „Welchen Einfluß haben die hebräischen Psalmen auf die Liturgie und Hymnologie der Kirche ausgeübt." Wie ich nun soeben erfahren habe, ist der Preis, bestehend in 800 fl., Herrn Julius Steinschneider, Sohn des rühmlichst bekannten Br. Moritz Steinschneider, hier zuge-. sprochen worden. Die interessanten Aufschlüsse über das Verhältniß der christlichen und mohamedanischen zur jüdischen Liturgie haben die Preisrichter dazu veranlaßt, die umfangreiche Arbeit zum Drucke zu empfehlen. Als Letztere fungir ten: Professor Anselm Rickel (Katholik), Franz Delitzsch (Protestant), Kaufmann-Pest (Israelit) u. n. A. Herr Br. Jellinek in Wien fügte seiner in Folge dessen an Herrn Br. Moritz Steinschneider gerichteten Gratulation die bekannten Salomonischen Worte hinzu: ncir nun ]2„. Albert Katz. Straßburg, Anfang Januar. In Entgegnung der Correspondenz in Nr. 362 der „F. Z." über die Verhältnisse der hiesigen israelitischen Gemeinde erhalten wir eine Zuschrift, nach welcher der Verwaltungsvorstand der Gemeinde, insbesondere weil er es für gut befand, die nothwendige Revision der Kultus-Steuer-Veranlagung in die Hand zu nehmen, von einer Anzahl unzufriedener Gemeindeglieder angefeindet werde. Die dadurch entstandene Spaltung wirke natürlich ungünstig so auf die Einnahmen und auch auf das Armenbudget ein. Rußland. Lodz, 3. Januar 1888. (Privatmitth.) Vor wenigen Tagen ging durch sämmtliche in- und ausländische Blätter die Notiz, welche auch in diesem Organ Nr. 50 v. Jahrg. eine Stätte fand, daß Baron Hirsch dem Czaren, als er in Copenhagen weilte, ein Schreiben unterbreitete, in welchem er sich erbot, 40 Millionen Mk. (20 Millionen Rbl.) zur Gründung jüdischer Elementarschulen wie auch zu anderen Wohlthätigkeitszwecken zur Verfügung zu stellen. Der Czar sollte zwar anfangs feine Bitte abgeschlagen, schließlich aber eingewilligt haben. Wir sind von einer hochstehenden Person beauftragt worden, die oben angeführte Notiz als unbegründet zu bezeichnen. Baron Hirsch beabsichtigt allerdings, eine enorme Summe für verschiedene Wohtthätigkeitsvereine zu spenden; er hat aber auch nie im entferntesten daran gedacht, ein so großes Kapital wie 40 Millionen für Rußland allein zu offeriren. Besonders soll Baron Hirsch einige Pläne zum Heil der jüd. Colonie in Palästina gefaßt haben, wohin er sich, wie man in einigen Kreisen wissen will, zu begeben gedenkt. — In hiesiger Gegend cirkulirt seit einiger Zeit die Nachricht, ein hiesiger jüdischer Industrieller habe 20,000 Rubel zur Unterstützung der Colonien in Palästina angeboten. Diese Neuigkeit kommt uns um so befremdender vor, als die Förderung Palästinas hierorts bis zur Stunde fast gar keine Vertreter aufzuweisen hatte. Zwar hatte sich hierin der kritischen Periode, im Jahre 1883 (20. December) ein Verein, yry n^nn, gebildet, dessen Mitglieder von dem Streben beseelt waren, die Idee der Colonisation Palästinas durch Glaubensgenossen zu fördern; aber aus pekuniären, wie auch ausanderen Gründen war sein Bestand leider nur von sehr kurzer Dauer, und die Idee der Colonisation vermochte in unserer Stadt — außer unter den hier wohnhaften russischen Juden, deren Verein, zusammengesetzt aus 100 Mitgliedern, bis auf den heutigen Tag besteht — keine Wurzel zu fassen. Sollte die oben angegebene Notiz wirklich auf Wahrheit beruhen, so müssen wir fürchten, daß die Spende des Industriellen nicht viel zum Heil der Colonisation beitragen wird; denn so lange der Hafen für die nach Palästina ziehenden Juden Jaffa geschloffen ist, und man ihnen nur unter gewissen Bedingungen das Verbleiben in Palästina gestattet, kann überhaupt nach unserer Meinung von keiner Erreichung des Zweckes die Rede sein. Und aus diesem Grunde wünschen wir, wie auch Alle, denen das Wohl Palästinas am Herzen liegt, nichts sehnlicheres, als daß Baron Hirsch es beim Sultan auswirken könnte, daß den Juden die Niederlassung in Palästina wieder gestattet werden möge. — Daß Baron Hirsch mit dieser That mehr für das Judenthnm gethan hätte, als mit den sehr fraglichen 40 Millionen Mk., die er zur Gründung jüdischer Elementarschulen gespendet haben soll, ist für Jeden umsomehr begreiflich, als die Regierung, wie es scheint, es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Fortbildung der Juden in Rußland zu verhindern, wogegen auch keine jüdische Elementarschule helfen kann. A—n.