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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-12 · Heft 2 (12.1.1888) · p. Seite 26

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 2 (12.1.1888)
Date
1888-01-12
Page
Seite 26 (sequence 10)
Language
German
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26 Reden hielt, bildeten die Feier. — Wie in andern großen Städten z. B. in Berlin und London, hat sich in Paris ein Verein jüdischer Arbeiter zur gegenseitigen Unterstützung gebildet. Schon das Dasein dieser Vereine, deren Mitglieder sämmtlich ausübende Handwerker und Arbeiter sind, Zeugt gegen den längst veralteten Vorwurf, daß die Juden nicht arbeiten. — Das petit Journal von Oran enthält die Notiz, daß ein spanischer Unterthan, ein Israelit Namens Karsenty, von Marokanern gelobtet worden sei. Die spanische Regierung nahm sich der Sache an, forderte eine Entschädigung von 100,000 Frcs. und verlangt die Auslieferung des Mörders. — In Breslau hat sich unter Leitung des Dr. P. Neustadt, des Direetors einer Religionsschule ein „Verein zur Abhaltung eines Jugendgottesdienstes" gebildet. Der Gottesdienst soll jeden Tag stattfinden, „bei welchem die erwachsenen Schüler in der Regel die Functionen verrichten". Der Haupthebel für die Mitglieder soll die „Jahrzeit" sein. Bonn, 1. Januar. (Literarische Notizen.) „Juden und Christen" ist der Titel einer neuen in Paris bei Ghio erschienenen Broschüre aus der Feder der Prinzessin Gortschakoff-Ouvaroff. Dieselbe soll dem „Figaro" zufolge eine Entgegnung auf das bekannte Buch „Das jüdische Frankreich" sein. Pest, im Deeember. (Literar. Notizen.) (Jüdische Bildhauer.) Dem Dichter des Toldy, dem vor einigen Jahren verstorbenen I. Arany, soll in der Hauptstadt Ungarns ein Denkmal gesetzt werden. Um den Preis concurrirten drei Künstler und der zur Entscheidung eingesetzten Jury wurde es schwer, sich über die Znerkennung des ersten Preises zu einigen. Einer dieser Preisgekrönten ist ein junger Künstler jüdischen Bekenntnisses: Joseph Rona, der, erst 27 Jahre alt, schon heute zu den ersten Bildhauern des nwdernen Ungarn zählt. Wer da weiß, welche Entbehrungen sich Rona auferlegen mußte, um sein Modell zur Arany-Concurrenz fertig zu bringen, wer da weiß, wie sich dieser junge Künstler die Gulden vom Munde absparte, um nur den Entwurf vollenden zu können, der muß die Energie dieses Mannes bewundern. Ein anderer Künstler jüdischen Glaubens ist der fünfundzwanzigjährige Isidor Konti, der gleich Rona Ungarn sein Vaterland nennt. Auf Empfehlung des Prof. Kundmann wurde ihm das Relief-Porträt Anastasius Grün's für dessen Geburtshaus in Laibach auvertraut, dasselbe, das vor nicht langer Zeit durch den slovenischen Vandalismus fast ganz zerstört worden ist. Konti erhielt vor wenigen Wochen den ersten Preis aus der Michael Beer'schen Stiftung im Betrage von 2ö00 Mark, mit der Bestimmung, daß er ein Jahr seine Studien in Rom fortsetze. Oppeln, im Dec. (Literar. Notizen.) nj\sTi nw*. Unter diesem Namen veröffentlicht Rev. Liebmann Adler in Chicago ein homiletisches Buch über den Pentateuch, wovon mir bis jetzt zwei Hefte über die ersten Wochenabschnitte des ersten B. Mose vorliegen. Nach Inhalt und Form Zeichnen sich diese Homilien vor mehreren ähnlichen, die seit einigen Decennien auf der Bildfläche erschienen sind, vortheilhaft aus. Ein jüngeres Werk dieser Gattung, vor ungefähr 6 Jahren herausgegeben, ich weiß nicht, ob es bis zum Ende des Pentateuch gelangt ist, sollte eher ein Machwerk genannt werden, ein wahres opus operatum, gedroschenes Stroh, das wohl nur wegen seiner hyperorthodoxen Tendenz von Theologen gleicher Richtung empfohlen wurde. Ich nenne den Verfasser nicht, um mich nicht dem Verdacht der Gehässigkeit ausznsetzen. Einige Autoren haben ohne Vergleich Besseres geleistet, aber sie befleißigen sich einer schwülstigen, aufgedunsenen Sprache, man findet dies gerade sehr oft bei Ausländern, die sich erst in späteren Jahren die hochdeutsche Sprache angeeignet haben; es wird von ihnen der größte Werth auf den rhetorischen Schwung gelegt. Einige verzerren und verrenken durchaus das einfache, schlichte Bibelwort, es muß durchaus gekünstelt werden, es ist das alte äquilibristische nmo mit dem Gewände der hochdeutschen Sprache bekleidet. Nicht also das vorliegende Werk, soweit es mir in den zwei Heften vorliegt; es ist gedanklich inhaltreich, überrascht oft durch neue Gedanken, regt zum Selbstdenken an; es ist in schlichter, leicht verständlicher, aber nicht trivialer Sprache geschrieben, es bewegt sich nicht in den breitgetretenen Pfaden; der Leser legt es nicht aus den Händen, ohne daraus etwas gelernt zu haben. Da ich auf den knappen Raum dieses geschützten Blattes Rücksicht nehmen muß, so verweise ich bloß ans die Homilie „Lernen und Vergessen". Möge das in Heften erscheinende Buch viele Leser finden, und der hochbetagte Berfasfer, wenn ihm Gott noch viele Jahre und Gesundheit schenkt, waswir ihm von Herzen wünschen, in Stand gesetzt werden, seiner Absicht gemäß, auch Homilien über die Haftorath und andere Theile der Bibel zu veröffentlichen. Wiener.

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