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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-12 · Heft 2 (12.1.1888) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 2 (12.1.1888)
Date
1888-01-12
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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24 werden. Es ist wahrscheinlich, daß die Antisemiten diesen Gesetzentwurf benützen werden, um über die Juden herzufallen; aber es wird an der Annahme desselben nicht gezweifelt. Wie bekannt, hat sich der böhmische Landtag einstimmig für denselben entschieden. Der deutsch-österreichische Club wird für denselben stimmen und ebenso die Polen. Ueber den Inhalt des Gesetzentwurfes bin ich allerdings nicht unterrichtet und weiß ich nicht, ob und welche Veränderungen an dem Entwürfe, der seiner Zeit aus der Enquote hervorging, vorgenommen wurden. Jedenfalls wird es gut sein, dem Chaos, das auf diesem Gebiete herrscht, ein Ende zu machen. Am Schlüsse des bürgerlichen Jahres ist der politische Himmel verdüstert, hoffen wir, daß er sich im neuen Jahre aushellen und auch uns Juden die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen werde. Wien, 4. Dez. Im nieder-österreichischen Landtage haben heute die Antisemiten mit Anträgen auf Unterstützung ihres Schulvereines eine empfindliche Niederlage erlitten. Abg. Kopp trat in wirksamer Rede den Judenhetzen entgegen. Rußland. Warschau, 31. December. Ein aus Petersburg eingetroffenes Telegramm giebt Folgendes als Hauptpunkte des projektirten Naturalisationsgesetzes an: Ein üjähriges Domizil in Rußland, politische Loyalität, genügende Erwerbsmittel, Unbescholtenheit und die Entlassung aus der früheren Unterthanenschaft. Ausländische Inden sind von der Naturalisation ausgeschlossen. (Man kann solchen Mittheilungen aus Rußland in ausländischen Blättern nicht inimer Vertrauen schenken, und muß deren Bestätigung abwarten. So berichtet uns ei» Privatbrief aus Königsberg, daß jüngst sieben ausländischen Juden der Aufenthalt in Rußland ohne etwaige Feststellung eines Termins gestattet worden sei. Red.) Die „Judenkommission", unterVorsitz des Grafen Pahlen, hat, wie der „Grashdanin" berichtet, das Recht für die Juden, auf den Dörfern wohnen zu dürfen, auf ganz Rußland auszudehnen, befürwortet. Die Frage ist aber, wie die „Kreuzztg." meldet, in der Folge von einer der höheren Staatsinstanzen ablehnend entschieden worden. (Auf diese Aeußerung der „Kreuzztg." ist erst recht nichts zu geben, denn diese sucht alle den Juden günstige Nachrichten zu dementiren und die ungünstigen zu bestärken — es kommt ihr dabei auf etwas Erfindung nicht an. Red.) Türkei. Smyrna, 24. Dec. (Privatmitth.) Am vergangenen Samstag verschied hier Herr Alexander Sidi, Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde und langjähriger Vorsitzender des Localcornitos der All. Israelite. Da der Verewigte durch seine rühmlichst bekannte Philanthropie der allgemeinen Sympathie sich erfreute, so gestaltete sich dessen Leichenbegängniß zu einem Kidduscli haschem und imposanten Manifestation, an welcher die Gesammtbevölkerung Smyrnas ohne Unterschied der Religion und Nationalität Antheil nahm. Das bedeutendste Organ der europäischen Colonien „Courier de Smyrne" widmete dem Andenken des Verstorbenen einen 3 Spalten langen Leitartikel und reproducirte auch die vom Schuldirector Pariente an der Bahre gesprochenen herzlichen und ergreifenden Worte. Ich will aber ein vom „Courier" weggelassenes Detail hervorheben, weil es auf mich, der ich an das feindselige und rohe Benehmen der rumänischen christlichen Bevölkerung speciell bei solchen Gelegenheiten gewöhnt bin, einen besonderen Eindruck machte. Der Clerus der griechischen, protestantischen und armenischen Gemeinden hat sich nicht nur am Leichenzuge zahlreich betheiligt, sondern sie ließen auch während der ganzen Dauer des Cortoge in allen Kirchen Glockengeläute ertönen. — Ein Extrazug der Eisenbahn sollte den Leichenconduct von Smyrna nach dem Begräbnißplatz Burnabat bringen. 32 Waggons bildeten denselben; aber diese Zahl erwies sich als viel zu gering für die der Leidtragenden, so daß man noch mehr Wagen dem Zuge anfügen mußte. Als ich das Einhergehen der Vertreter sämmtlicher Religionen rieben dem würdevoll voranschreitenden Chacham Base wahrnahm, habe ich jene von der Geschichte festgestellte Thatsache bestätigt gefunden, daß die Ottomanische Herrschaft sich von jeher durch relgiöse Toleranz kennzeichnete. Dieser Duldsamkeit ist es zuzuschreiben, daß die christlichen Völkerschaften auf der Balkan-Halbinsel auch nach 50djähriger Unterwerfung zu selbständigem Nationalleben wieder auferwachen konnten, weil sie von der Ottom. Regierungs-Gewalt niemals Zwang in ihrem religiösen oder nationalen Gefühle erlitten haben. Auch Israel konnte in seinen Wandlungen eine ruhige Heimathsstätte in diesem Gebiete finden und datirt seine Leidensepoche im Gebiete der untern Donau vom Momente, wo die ehemaligen Vasallenstaaten ihre Unabhängigkeit zu erlangen strebten. Judenverfolgungen waren die ersten Acte ihrer Selbstherrschaft im Sinne des Talmudischen Ausspruches -unDi hi S. Marcus. Amerika. Washington, 15. Dec. Es ist bereits berichtet worden, daß im Congreß verschiedene Bills zur Beschränkung de^ Einwanderung eingebracht worden sind. Im Repräsentantenhause begründete Morrill seine Bill in folgender Weise:

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