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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-12 · Heft 2 (12.1.1888) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 2 (12.1.1888)
Date
1888-01-12
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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. 23 Kleiderstoffe, Wäsche, Rauchwaaren, somit fast die ganze Textilindustrie „in Judenhänden" sei. Den Detailliften gebiete deutsche Kaufmannsehre, Klugheit und Selbsterhaltungstrieb, ihren Bedarf „bei deutschen Landsleuten einzukausen und nicht das Kapital und damit die Macht der internationalen Judenschaft vermehren zu helfen" u. s. w. u. s. w. Der Herausgeber erklärt sich bereit, auf Anfragen Auskunft zu geben, ob Firmen „in jüdischen oder deutschen Händen" sich befinden. Auf den bloßen Klang der Namen könne man nichts mehr geben, „selbst so biedere urdeutsche Namen wie Schulze, Müller, Krause u. s. w." seien „auf den Juden gekommen". Wer die Verfasser und Herausgeber eines vierten Flugblattes sind, das in demselben Geiste agitirt, kann man nur errathen, da preßgesetzwidrig weder Verfasser noch Verleger, noch Drucker angegeben sind. Es lautet unter Weglassung dreier Firma-Namen und eines Ortsnamens, wie folgt: „Leipzig, Datum des Poststempels. Damenmäntel-- Branche. Aufklärung! Zusolge der vielfach an uns gertd^l teten Anfragen derjenigen deutschen (christlichen) Kaufleute,! die in obiger Branche arbeiten und denen daran gelegen ist, j von deutschen Häusern (Engros) bedient zu werden, fühlen j wir uns zu der Mittheilung veranlaßt, daß leider, leider! nur drei Damenmäntel - Fabriken Engros, Export, in Berlin : existiren, deren Inhaber keine Juden sind. Diese uns von! Berlin aus bekannt gegebenen deutschen Firmen sind: (folgen drei Namen). Nach unseren eingeholten Informationen sind dies Häuser, welche sich durch äußerst strenge Reetlität anszeichnen, einen bedeutenden Umfang haben und vor allen solide Waare liefern sollen. Von den befragten. Firmen geht uns ein weniger erfreulicher Bericht zu; es exiftirt dort nicht eine einzige deutsche Firma! leider!!! Es giebt dorten zwar Geschäfte, deren Firmen deutsch klingen, doch steckt da immer ein Jude betheiligt dahinter. Deutsche Kaufleute kauft nicht bei Juden." —In welchem Lichte muß diesen antisemitischen Heißspornen Herr Hofpredigec Stöcker erscheinen, dessen Gattin Confectionswaaren trotz alledem aus dem bekannten Geschäft von Manheimer bezieht." — Gegen die Antisemiten von oben! Man schreibt: „Wie sehr man bemüht ist, die Aufregung, welche sich der öffentlichen Meinung in Folge der Versammlung beim Grafen Waldersee bemächtigt hat, wieder zu beschwichtigen, ergiebt sich aus einer anderen Mittheilung der „Nordd. Allg. Ztg." Nach einer Meldung der „Schles. Volks-Ztg." hätte im evangelischen Arbeiterverein zu Breslau der Leiter der Versammlung, Diakonus Küntzel, nach einem stark antisemitischen Vortrag des Schneidermeisters Weiß geäußert: „Es ist für uns Evangelische ganz selbstverständlich, daß wir weder bei Juden, noch bei Katholiken kaufen." Diese Auslassung wird von der „Nordd. Allg. Ztg." mit einem deutlichen Winke für Herrn Stöcker „als eine logische Consequenz jenes Treibens" gekennzeichnet, „auf dessen Ausschluß aus dem politischen Parteileben wir hinstreben. Religiöse Intoleranz macht vor keinem anderen Bekenntnisse Halt und muß deshalb vor Allem unnachsichtlich von allen Gebieten ferngehalten werden, auf welchen einmüthiges Zusammenwirken aller Wohlmeinenden die Grundbedingung der gemeinsamen Wohlfahrt ist." — Ein Gericht! Die „Voss. Ztg." schreibt: „In der christlich-socialen Gefolgeschaft des Herrn Hofprediger Stöcker zeichnete sich u. A. auch ein Geistlicher an einer unserer ältesten Kirchen aus. Schon lange munkelte man Manches über den Wandel dieses Herrn, der sich schwer mit seiner Stellung und seinem geistlichen Gewände vereinbaren ließ. Zuletzt trieb er es so arg, daß die geistliche Behörde nicht mehr über das Aergerniß, das er gab, hinweg sehen konnte. Er ist vor Kurzem seines Amtes enthoben und vorläufig bis zu beendeter Disciplinarunlersuchung auf Wartegeld in halber Höhe seines Gehalts gesetzt worden. So verschwindet einer nach dem andern von den antisemitischen und christlich-socialen Wortführern unrühmlich von der Bildfläche, nur „noch Eine hohe Säule zeigt von verschwundener Pracht, auch diese, schon geborsten, kann stürzen über Nacht." (Warum nennt man ren Namen jenes Geistlichen nicht? Red.) Berlin, 2. Januar. Die Prinzessin Wilhelm hat, wie der „Freis. Ztg." zuverlässig mitgetheilt wird, dem Herrn Hofprediger Stöcker an dessen neulichem Geburtstage einen Besuch abgestattet und demselben ihre Glückwünsche persönlich überbracht. Da werden wir wohl bald wieder etwas von dem „Flügelschlag einer neuen Zeit" hören. Oesterreich-Ungarn. Wien, 29. December. (Privatmitth.) Es hat sich hier soeben ein Ereigniß vollzogen, welches, wie ich glaube, verdient in Ihrer Zeitung registrirt zu werden: Der Chef des Hauses Rothschild, Herr Baron Albert, und seine Gemahlin wurden für hoffähig erklärt. Für einen Mann ist es hier gewissermaßen nicht schwer, hoffähig zu werden; Beamte und Militärs, begonnen von einer gewissen Rangstufe, Besitzer von Orden rc. sind hoffähig. Schwer ist es jedoch für Frauen, diese Auszeichnung zu erlangen. Diese müssen nämlich sechzehn ritterbürtige Ahnen Nachweisen. In dem gegebenen Falle hat jedoch der Kaiser von diesem Nachweise abgesehen. Frau Baronin Rothschild ist die erste Jüdin, die am österreichischen Hofe für hoffähig erklärt ist, und wird dieselbe demnächst der Kaiserin vorgestellt werden. Es ist abzuwarten, ob die Antisemiten jetzt auch den Kaiser für einen Juden- oder Rothschildknecht ausgeben werden. Wie ich aus guter Quelle höre, wird der Gesetzentwurf in Betreff der Regelung der äußern Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden demnächst im Reichsrathe eingebracht

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