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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-12 · Heft 2 (12.1.1888) · p. Seite 22

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 2 (12.1.1888)
Date
1888-01-12
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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22 versage: so kommen die Antisemiten leicht dazu, das Recht der Juden zu bestreiten, und sie, wie es in vergangenen Zeiten der Fall war, zu beschränken und auszuschließen. Hierbei stand und steht ihnen jedoch das Beispiel der westeuropäischen Staaten entgegen, in welchen die Juden seit fast einem Jahrhundert emancipirt sind, und in welchen ihnen das angemessenste Streben und die echt Patriotische Gesinnung nachgerühmt wurde und wird. Sie hatten in demselben viele Ehrenämter erlangt und sich in allen Berufszweigen bewährt; man findet sie in der Verwaltung, in der Justiz, im Heere und in verschiedenen Lehrkörpern durch einige tüchtige Männer vertreten. Daß irgend ein Uebelstand hieraus sich bemerklich gemacht, konnte und kann nicht nachgewiesen werden. Die neueste Methode der Antisemiten ist daher, den Einfluß, welchen die Juden geübt, und die Geltung, die sie erlangt haben sollen, in übertriebenem Maße und in der verleumderischsten Weise zu schildern. Diese westeuropäischen Staaten sollen „verjudet" sein und alle dort vorhandenen Uebelstände von den Juden herrühren, welche die Staaten und Völker ruiniren wollen, um sie beherrschen zu können. So erschien das berüchtigte La France juive von Drumont, und so folgte vor kurzem ein Artikel in der „Deutschen Reichs-Zeitung": „Das verjudete Belgien". Die erstere Schrift hat anfangs in Paris viel Rumor gemacht, der letztere Artikel ist in Belgien selbst nicht viel bemerkt worden. Was die Wirkung aller dieser Machwerke sehr abschwächen muß, ist der Umstand, daß gerade in diesen beiden Ländern die Zahl der Juden sehr gering ist. Unter 37 Millionen Franzosen lebe» — außerhalb der afrikanischen Colonien — kaum 60,000 Juden, also unter sechshundert nur einer; unter sechs Millionen Belgiern etwa viertausend Israeliten, also auf fünfzehnhundert einer! In solchem numerischen Verhält-- niß anzunehmen, daß eine derartige verschwindende Minorität die vielen Millionen der Bevölkerung eines hochcivilisirten Landes mit ihren besonderen Eigenthüinlichkeiten zu durchdringen und zu überwinden vermöge, hat an sich etwas Unglaubliches,aber auch für diese Nationen schwer Beschimpfendes. Der französische Antisemit nahm deshalb seine Zuflucht zu den lächerlichsten Uebertreibungen und scheute sich nicht, alle großen Männer Frankreichs zu Juden zu machen und selbst die französische Revolution von letzteren Hervorrufen zu lassen. Dies ist sehr pikant, und da noch dazu verleumderische Skandalosa nicht gespart wurden, war es natürlich, daß sich das Pariser Publikum um das Buch riß. Aber dieser Erfolg konnte keine Dauer haben: die Unwahrheit, die Lächerlichkeit und der darin enthaltene Spott auf die französische Nation selbst mußten sehr bald jedem Leser die Augen über den Werth des Machwerkes öffnen. In Belgien fand das Gift des antisemitischen Klerikalen wenig Verbreitung. Wie? Belgien leidet unter der schroffen Parteiung zwischen Klerikalen und Liberalen, unter der Spaltung der Doctrinären und Radikalen, unter der industriellen Krise, die in Europa jetzt überall ausgebrochen, unter der landwirthschaftlichen Noth, welche ihren Grund in den hohen Preisen des Grund und Bodens und in den gedrückten Preisen der landwirthschaftlichen Producte hat — und alle diese Uebel sollten von der Handvoll Juden herrühren, von welchen kaum ein paar Dutzend der Oeffentlichkeit angehören?! Das war doch zu ungeheuerlich! Allerdings nahm der Correspondent des deutschen ultramontanen Blattes seine Zuflucht dahin, jeden auch nur kleinsten jüdischen Beamten im Staatsdienste oder von irgend einer dem öffentlichen Leben nahen Wirksamkeit aufzuzählen und ihm einen verderblichen Einfluß zuzuschreiben; es war, als ob ein jüdischer Küster oder Schächter den belgischen Staat in einen Judenstaat umzuwandeln vermöge. Wie gesagt, einen wesentlichen Einfluß konnte eine solche Schmähschrift nicht haben, nicht einmal auf die geselligen Verhältnisse, innerhalb derer man in Belgien wie in Frankreich eine konfessionelle Scheidung nicht kennt. Aber es kennzeichnet doch die Methode der Antisemiten, deren Anwendung auch noch mehr auf Deutschland und Oesterreich-Ungarn berechnet ist, wo die befangenen Geister für solche Insinuationen sehr geneigt sind, auf Rechtfertigung der Rumänen und ähnlicher Völker. Hier konnten sie allerdings nicht ohne nachtheilige Wirkung bleiben und mußten die schon vorhandenen Vorurtheile verschärfen. Deutschland. Berlin, 30. Dec. Die jüngsten Vorgänge haben den 1/L. Preise von 30 Pf. für 25, 1 Mk. für 100 und 8 Mk. für 1000 von genanntem Herrn zu beziehen. Im dritten, überschrieben „Wichtig für alle Interessenten der Textilindustrie" Antisemiten wieder Muth gemacht! Dem „Reichsfr." sendet > wird unter Angabe von Zahlen behauptet, daß in Berlin die man eine Sammlung von antisemitischen Weihnachtsflug-! Confections-Geschäfte und Damenmäntel-Fabriken, Confectionsblättern, drei davon herausgegeben von Theodor Fritsch in! stoffe Engros und -Fabriken (?), Passementerie und Kinder- Leipzig. Flugblatt Nr. 1 und 3 waren zu dem sehr theueren' gacderobe Engros und Export, sowie die Engros-Firmen für.

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