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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-01-05 · Heft 1 (5.1.1888) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 1 (5.1.1888)
Date
1888-01-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Rabbiner Wagner hier seinen 80. Geburtstag und das 50. Jahr seiner Anstellung in hiesiger Gemeinde unter allgemeiner Betheiligung derselben. Posen, 26. Dec. (Privatmitth.) Die hies. „Jsr. Waisen- Knaben-Anstalt", von welcher Sie in Nr. 50 Ihres gesch. Bl. berichteten, hat das neben dem Anstalts-Gebäude belegene, der Synagogen-Gemeinde gehörige Grundstück zum Preise von 30,000 Mk. behufs Erweiterung der Anstalt angekauft. Die Auflassung wird noch in dieser Woche erfolgen. Lindau (Pfalz), 22. Dec. Hier hat ein Comits von Israeliten dem Vorstände" des Vincentiusvereins in ehrender und dankbarer Anerkennung besten, was die barmherzigen Schwestern in israelitischen Familien seit ihrem Hiersein Gutes gethan, Namens vieler ihrer Glaubensgenossen das namhafte Geschenk von 8u0 Mk. Übermacht, damit es zum Besten der Schwestern bei der Einrichtung ihres neuen Heim verwendet werden möge. Guben, 25. Dec. (Privatmitth.) Noch immer nicht ist es gelungen, die kleineren und selbst die mittleren jüdischen Gemeinden dahin zu bringen, die Pensionsbere -gtigung ihrer Beamten anzuerkennen und statutenmäßig feftzusteüen und um zur Nacyerserung anzuspornen, sei hier mttgetheilt, daß die hiesige Gemeinde bet der Revision ihrer Statuten ihren Beamten nach zehnjähriger Thätigkeit eine Pension von einem Viertel des Gehaltes, ferner nach jeden werteren fünf Jahren 10U Mark mehr bis zur Hälfte des Gehaltes zugesichert hat. Es ist einsichtlrch, daß auf diesem Wege die Gemeinde sich ihre Beamten um so mehr festhälr und ihren Elfer verstärkt. L-esterrerch - Ungarn. Wien, 21. December. (Privatmitth.) Am 10. d. M. veranstaltete der acaoemlsche Berem „Kaoimah" (der Verein bezweckt ore Hebung des Milchen Ncmonalbewutztseins uno dre Pflege der jüdischen ©ejctyictite und Literatur) dre V. Makkuvaerseier. Ern zahlreiches, der Qualität nach sehr gewähltes Publrcum — nameutlrch war die Wiener Studentenschaft stark vertreten — war erfchreuen. Der Präsident des Bererns, Herr vr. meck. Bastt von Rosen, begrüßte in einer kurzen Rede dre Gäste, worauf das „Gaudeamus" abgefungen wurde. Herr 1)r. msä. Srgm. Etkan hielt dann eine wohlgemugene Feftceoe. Herr tLrkan sano erne treffende Aehn- Itoifeit zwischen jener voruratkaväijchen Zert mir rhcen jüdischen Hellenisten und der heutigen mrt den PseudmÄermanen, -Rüsten, -Magyaren rc. Die neueste Zert yave die veroervenbrrn^ende Theorie, alles was nur rrgendwie noch jüdrjch erschernen tonnte, vollständig zu verwischen und vergessen zu machen; sv ro>e und lockere man jenes alte Band, das den Bruder mit dem Bruder enger verknüpft. Das jüdstche Volk, das Judenthum, exrstrre für gewisse Kreise überhaupt nicht mehr; alles werde vielmehr angewendet, unter den anderen Völkern vollkommen auf- und unterzugehen, sich mit ihnen zu verschmelzen und unter ihnen zu verschwinden. Der Redner warnt vor dieser Verschmelzungssucht und legt es mit warmen Worten dem Juden ans Herz, mit Leib und Seele Jude zu sein und zu bleiben und frei sich Jude zu nennen, denn der Name „Jude" sei ein Ehrenname. Nach einer von Herrn stuck, eonssrv. Max Reiniger echt dramatisch vorgetragenen Declamation ergriff Herr stuck, ineck. Werner zu einer kernigen und begeisternden Schlußrede das Wort. Herr Werner hob die Vorzüge und Eigenschaften des jüdischen Volkes hervor, um sicb dann ebenfalls mit aller Schärfe gegen jene Verschmelzungssüchtigen zu wenden, die gerade durch eben diese Zudringlichkeit die Achtung des Judenthums bei den anderen Völkern untergraben. Redner schloß dann mit einem Hinweis auf die edlen Bestrebungen und die jüdisch-nationalen Tendenzen des academischen Vereins „Kadimah". Nachdem noch das Vereinslied: „Wißt Ihr, woher die Einheit stammt" von den Vereinsmitgliedern ab gesungen wurde, endete mit einem Violinconcert und einem komischen Terzett der officielle Theil der Feier. Ein animirtes Tanzkränzchen beschloß dann den schönen Abend, dessen Reinerträgniß dem „Verein zur Unterstützung armer israelitischer Studirender in Wien" zukam. Bon den in großer Anzahl eingelaufenen Beglückwünschungstelegrammen wären folgende besonders hervorzuheben. Von: Herrn Rabbiner Levy-Bing (Paris), Dr. Rülf (Memel), Dr. Pmsker (Odessa), Dr, Lippe (Jassy), Studienverein für jüdische Geschichte und Literatur (Riga), Academ. Verein „Esrah" (Heidelberg), Academ. Verein „Moriah" (Riga), Academ. Verein „Viadrina" (Breslau), Verein „vnp Kipo" (Lemberg), Verein „Agudath jedidim" (Cernowitz), Verein „Ahavas Zion" (Hamburg), „Commis- und Buckhaller-Verein" (Stanislau), Redaetion „Serubabel" (Berlin), von „15 zukünftigen ,Kadimahnern'" (Cernowrtz- und vielen Gesinnungsgenossen aus Kattowitz, Lemberg, Tarnow rc. rc. H. Dg. Nachschrift der Redact. Wir geben obigen Bericht wortgetreu, da es die Aufgabe der A. Z. d. I. ist, alle Richtungen im Judenthume, wie sie sich gegenwärtig geltend machen, darzustellen. Nach den Gesetzen der menschlichen Gesellschaft wiro stets auf einen allzusturken Vorstoß eine Reacüon folgen, die nach dem entgegengesetzten Extrem neigt. Es ist deshalb rucht zu verkennen, daß sich bei der jüdischen Jugend der osteuropäischen Länder unter dem Drucke und der Verfolgung, die sie dort erfährt, eine Tendenz nach einem jüdisch-nationalen Prinzip geltend mackt, die wir in ihrer Schroffheit durchaus nicht billigen können. Wir leben der Ueberzeugung, daß die Existenzberechtigung der Juden allein in ihrem religiösen Momente besteht, darin aber ganz und gar und in aller Freiheit und Selbstbestimmung. Denn wir

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