Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1888)
- Date
- 1888-01-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 fernerhin zu bewahren. Deshalb ist es sein höchster Vorsatz, „in der Unschuld seines Herzens zu wandeln in dem Innern seines Hauses" (101, 2), hiermit andeutend, daß er nicht etwa bloß öffentlich vor den Augen der Menschen, sondern auch verborgen vor diesen die Unschuld seines Herzens in allem seinem Thun bewahren will. Daher feiert der Psalmist insbesondere die, welche „geraden Herzens" (:^ •-©'’) sind, die „ GerechtenDenn das sind die, welche dem Rechte eifrig folgen (94, 15), besonders die Wahrheit reden in und mit ihrem Herzen" ('2d2 15, 2), d. h. welche die Wahrhaftigkeit im Herzen, sowohl sich selbst die Wahrheit nicht verschleiern oder verhehlen und die nicht etwa bloß gezwungen, sondern aus vollem Herzen die Wahrheit reden. Wer so die Wahrheit liebt, handelt auch nach ihr, denn in der Regel gehen die Menschen leichtfertig mit der Wahrheit im Reden um; wer aber dieser auch im Reden mit Ernst und Eifer folgt, kann auch nicht anders handeln. Ganz besonders verbindet nun der Psalmist mit dem geraden Herzen Gott selbst. Er hilft denen die geraden Herzens sind (7, 11); er läßt ihnen selbst Gerechtigkeit widerfahren (36, 11); ihnen thut Gott Gutes (125,4); Gottes jubeln, die gerader Herzens (32, 11), sie rühmen sich seiner (64, 11); ja, denen die geraden Herzens, wird Freude gesäet (97, 11), wenn auch Frevler gegen sie anstürmen (11, 2). Und der Sitz der Freude ist das Herz: in dieses leget Gott Freude (4, 8), schon das Gebot Gottes „das Herz erfreuet" (19, 9), und „Gottes freut sich das Herz" (33, 21). „Darum", ruft er aus, „freut sich mein Herz, frohlockt mein Gemüth, sicher wohnt mein Leib" (16, 9); es ist eben das Gefühl der Sicherheit, das sich unter der Gewißheit des göttlichen Schutzes durch unsere Seele breitet, welches der Freude zum Grunde dient. „Die Wonne des Herzens" sind ihm „die Zeugnisse Gottes", denen er „sein Herz zuneigt bis zum Ende" (119, 111. 112). Mit der Liebe zu Gott und dessen Gesetz im Herzen wohnt die Reinheit des Herzens, und mit dieser die Freude in Sicherheit und Frieden! Hierzu ist aber nothwendig, daß man Gott suche und seinem Wesen und seiner Macht beständig „nachforsche", denn die Gott suchen, deren freut sich das Herz (105,3.4). „Mit ganzem Herzen muß man Ihn suchen", und „sein Gebot im Herzen bergen, um nicht wieder zu sündigen" (119, 2. 10). Ja, mit dem ganzen Herzen muß man das Gesetz bewahren (119, 34. 69) und darum Gott anflehen, mit ganzem Herzen (V. 58. 145). „Mit ganzem Herzen" bezeichnet der Psalmist also Alles, was aufrichtig und vollständig in der Seele lebt, was sie mit Liebe erfaßt und festhält, wonach sie eifrig strebt und was sie unablässig festhält. Keine Gotteserkenntniß, keine Gottesfurcht kennt der Psalmist ohne diese Aufrichtigkeit, ohne diese völlige Liebe des Herzens. Ihm liegt jede Heuchelei, jede äußere Frömmelei fern, denn auch die sorgfältigste Uebung des Gesetzes hat für ihn keinen Werth, wenn sie nicht geschieht mit ganzem Herzen. — Aber viele und verschieden sind „die Pfade im Herzen" der Menschen (84, 6) und „verkehrt (Vpz-) ist das Herz und kennt das Böse" (101, 4). Das Böse wohnt in dem Herzen frevelhafter Menschen, in den Männern der Gewaltthat; sie sinnen Böses im Herzen und schaaren sich zum Kampfe jeden Tag (140, 2. 3). Darum wurzelt „im Bösen die Sünde in der Mitte des Herzens", daß es in ihm wie ein Grundsatz, wie ein untrüglicher Ausspruch wohnt (36, 2 nach unserem Comment.). Ja „auf Unrecht sieht der Mensch mit seinem Herzen" (66, 18), und was er so an Unrecht in seinem Herzen gesammelt, das läßt er nach Außen in Wort und That bekunden (41, 7). Die Wurzel alles Uebels ist dem Psalmisten der Zweifel an Gott, der Unglaube an die göttliche Vorsehung und Vergeltung. Wo diese sich im Herzen eingewurzelt, da geht der Mensch unaufhaltsam dem Verderben zu. Der Psalmist drückt dies wiederholt so aus: „Der Frevler spricht in seinem Herzen" so (1t), 6): „Ich wanke nimmer, ich bleibe fort und fort und nie in Roth". (V. 11) „Gott vergißt, verbirgt sein Antlitz, flehet nimmer". (V. 13) „Was höhnet doch der Frevler Gottes und spricht in seinem Herzen: Du ahndest nicht!" Noch mehr (14, 1): In seinem Herzen spricht der Thor: es ist kein Gott! Verderbt, abscheulich sind sie in ihrem Wandel (ebenso 53, 2). Ferner 74, 8: „In ihrem Herzen sprachen sie, wir wollen sie vertilgen allzumal! und sie verbrannten alle Gottesstätten in dem Lande." Doch nicht immer so, „oft reden sie zu ihrem Nächsten Frieden, und Bosheit ist in ihrem Herzen" (28, 3). Doch die Vergeltung bleibt nicht aus. Der Psalmist schildert diese oft, wie sie bald langsam sich vorbereitet, bald plötzlich den Frevler überrascht. Prägnant sagt er (37, 14): „Die Frevler ziehen das Schwert, sie spannen ihren Bogen, zu stürzen Arme und Bedürftige, die Geraoewandelnben zu würgen: ihr Schwert dringt in ihr eigenes Herz, zerbrochen werden ihre Bogen. Darum preist und wünscht sich der Psalmist „ein festes Herz" (p2) 2>). Er ruft aus (57, 8): „Fest sei mein Herz, o Gott, fest sei mein Herz!" Er verwirft „das Geschlecht, deß Herz nicht fest, deß Geist nicht treu an Gott" (78, 8), und in demselben Ps. (V. 37) sagt er von den Voreltern: „Nicht war fest mit ihm ihr Herz, nicht treu an seinem Bunde sie". Auch 108, 2 rühmt er: „Fest ist mein Herz, o Gott". Da „sein Herz fest ist, fürchtet er nichts, da es ohne Wanken, vertraut es auf den Ewigen" (112, 7. 8.). In diesem Strebe» nach Festigkeit des Herzens unterstützt Gott die Bedrückten und „festigt ihr Herz" (tO, 7). Darum ruft der Psalmist dem Leidenden zu: „Sei stark und kräftige dein Herz und harre auf den Ewigen!" (27, 14) und ebenso 31, 25: „Serd stark, euer Herz kräftige sich. Alle die ihr auf den Ewigen harret." (31, 25). Wir haben im Vorstehenden eine gewisse psycho-