Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 52 (21.12.1886)
- Date
- 1886-12-21
- Page
- Seite 828 (sequence 12)
- Language
- German
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828 theismus viel näher flehen als dem jüdischen Monotheismus, und Andere, die mitten im christlichen Unitarismus stehen. Ohne Namen zu nennen, berichte ich nur über ein Faktum. Ein in Amerika namhafter Rabbiner, der vor ungefähr 12 Jahren hier angekommen, hat neulichst auf seiner Kanzel Sätze ausgesprochen, die einem christlichen Missionär angemessen gewesen wären. Darüber denn doch große Entrüstung in der Gemeinde; man will den Rabbiner absetzen; da er aber doch auch Anhänger in der Gemeinde besitzt, beschließt man, ihm die zugewilligte Erhöhung seines Gehaltes wieder zu entziehen. Dies will sich der Rabbiner nicht gefallen lassen, und tritt mit 60 Anhängern aus der Gemeinde aus, um eine eigene zu bilden, man kann sich denken, mit wie vieler Haltbarkeit! Das orthodoxe Element ist durch die Einwanderung Polnischer und russischer Juden stark vermehrt worden. Doch glaube man nicht, daß diese sich allesammt auf diesem Standpunkt erhalten. Nicht wenige von ihnen versenkten die Anhänglichkeit an die Satzungen bei ihrer Ueberfahrt in die Tiefe des Meeres. So bietet die nordamerikanische Judenheit ein Bild von den buntesten Nuancirungen. Nur in einem Punkte bleibt sie einig und sich selbst getreu, das ist in der Hebung der Wohlthätigkeit, in der Herstellung und Organisirung mustergültiger Anstalten der Barmherzigkeit. Ostindien. Bomtah, im September. Die hier bestehende zahlreiche Gemeinde der Beni Israel, die vor vielen Jahrhunderten hier eingewandert und sich unter der despotischen Herrschaft der indischen und mohammedanischen Fürsten erhalten hat, bis die Engländer auch für sie eine bessere Zeit brachten, hat eine Gesellschaft für wohlthätige Werke, welche, obschon die Mehrzahl der Mitglieder wenig bemittelt sind und die reichen Juden wenig für sie thu», sehr Bedeutendes leistet. Sie unterhält eine Schule für ca. 360 Zöglinge, die eine recht gute Volksbildung erhalten und ein Hospital für arme Kranke, in welchem auch Bekenner anderer Religionen willige Aufnahme finden. Diese Chebrah hält jährlich, wie dies ja uralte Sitte ist, ihre Generalversammlung. Diesmal fand sie am 12. September statt und war dadurch ausgezeichnet, daß der Richter Scott, eine sehr bekannte und verdienstliche christliche Persönlichkeit, den Vorsitz führte und eine sehr bemerkenswerthe Rede hielt. Ihr voran hatten die Mädchen der Schule religiöse Gesänge und die Nationalhymne in englischer Sprache sehr gut ausgeführt. Richter Scott besprach zuerst, wie die Humanität und Duldung das Band sei, das die Bekenner aller Religionen vereinige. Er rühmte dann die Israeliten, welche vor allen anderen „ein edles Vorbild in der vollkommenen Abwesenheit des Sectengeistes und in der absoluten Toleranz gegen die Meinungen Anderer" sein. Dies sei um so bewunderungswürdiger, wenn man die Geschichte der Beni Israel betrachte, die nichts als eine ununterbrochene Leidensgeschichte mit tausendfältigen Beweisen der Glaubenstreue sei. Dennoch hätten dieselben niemals ein Gefühl der Rache gehegt, sondern, wo sie es vermochten, auch gegen Andere Barmherzigkeit geübt. Er citirte darauf einige Stellen des Talmuds, welche er in einer Abhandlung in der tzuortsrl/ Review gelesen, und die sich über die Gleichheit aller Menschen als Brüder in nachdrucksvollster Weise äußern. Die Geschichte der Israeliten sei eine der romantischsten Seiten der Geschichte. Er fühle sich gehoben „in der Mitte eines Volkes, das mit so großen Eigenschaften begabt sei und dessen Vergangenheit die Bürgschaft für eine große Zukunft sei." Er verglich die Beni Israel mit den Parsen und mit jenen Engländern, welche ihrer Religion wegen England verließen und in Amerika den Grund zu einem neuen großen Staate legten. Hierauf rühmte er die europäischen Juden, die sich in der civilisirten Welt die höchste Cultur angeeignet. Diesem Beispiele möchten die Beni Israel folgen und ihre Schule den ausgezeichneten Ruf erlangen, welchen die jüdischen Schulen Londons bereits besitzen. Er forderte schließlich alle Anwesenden auf, recht bedeutende Beiträge für den Verein zu zeichnen. Man kann sich denken, welchen tiefen und wohlthätigen Eindruck diese Rede machen mußte, da sie aus dem Munde eines Mannes kam, der in seinem Amte reiche Erfahrungen über alle Classen der Bevölkerung zu sammeln Gelegenheit hat. Bonn, 12. Dez. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Einer unserer ältesten und namhaftesten Aerzte, der Geh. Sanitätsrath Dr. H. Oestreich, ist im Alter von 83 Jahren am 10. d. Mts. verstorben. Der Heimgegangene gehörte trotz seines hohen Alters zu den werkthätigsten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Er war Vorstandsmitglied der alten Synagoge, Mitglied der jüdischen Armen-Commission und der Waisen-Commission. A e u i l l e 1 o n. Vermischtes. Eine Erbschaft. Aus Fünfkirchen wird berichtet: In den 48er Jahren den Wanderstab in die Hand und zog in das Land, wo damals noch die Millionen wuchsen — nach Amerika, und von dort nach der Hauptstadt Brasiliens, nach Rio de Janeiro, nahm ein junger Lehrer Namens Max Lilienthal in Szigetvür wo es der aufgeweckte Jüngling alsbald so weit brachte, daß