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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-12-21 · Heft 52 (21.12.1886) · p. Seite 827

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 52 (21.12.1886)
Date
1886-12-21
Page
Seite 827 (sequence 11)
Language
German
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827 Männer und gegen die Scheiteln der Frauen hervorgesucht und sehr streng in Bjelostok, Wilna, Horodno u. s. w. durchs geführt. Jeder Zuwiderhandelnde wird in eine hohe Geldstrafe genommen. — Eine interessante Rechtsdeutung fand in Moskau statt. Nach Punkt 2 des § 17 des Paßgesetzbuches haben Juden, die in einer der Facultäten der russischen Universitäten als Candidaten sich auszeichneten, im ganzen russischen Reiche Domicil- und Gewerberecht. Als Candidat darf der Jude auch noch zwei Juden zur Bedienung halten. Auch steht ihm als solchem frei, seine nächste Verwandtschaft, wie Eltern und Geschwister, zu behausen. Nun hat vor Kurzem ein solcher jüdischer Candidat in Moskau seinen Vater in's Haus genommen. Als er sich entschlossen hatte, weiter zu studiren und als Student eingeschrieben war, wurde ihm das Recht, seinen Vater im Hause zu behalten, abgesprochen. Denn, so wird argumentirt, seitdem er Student ist, ist er nicht mehr Candidat, und ein Student hat nur für sich Domicilrecht. — In Kijew hat der neue Pristaw dies Jahr Jagd auf die — Laubhütten gemacht. Die Hütten wurden von seinen Unterstellten niedergerissen. Es sollte dieses religiöse Gebot von den Juden durchaus nicht beobachtet werden. — Wie in Petersburg, so auch schon in Odessa, wurden zwei Juden zu dem Examen als Advokaten nicht zugelassen, weil sie sich nicht zu der russischen Kirche bekennen wollten. — Auch die „Friedensrichter-Conferenz" daselbst hat beschlossen, keine Juden mehr als Rechtsanwälte zuzulassen. — Am 16. d. Bits, fand der diesjährige Actus der kaiserlichen „Kunstakademie" zu Petersburg statt. Dem „Hajom" (Nr. 119) zufolge absolvirteu l. Jahres 6 Juden den Lehrcursus dieser Akademie, und zwar der Bildhauer E. Günzberg mit dem Diplom klassischer Künstler I. Klasse, die Architekten Segal, Herschowitz und der Maler Blum mit demselben HI. Klasse, und die Maler I. Penn und Kremer mit guten, ehrenvollen „Kenntnißzeugnissen". Ferner wurden bei dieser Gelegenheit 5 jüdische Studirende dieser Akademie in Anerkennung ihrer klassischkünstlerischen Leistungen mit den „Verdienst-Medaillen" ausgezeichnet. Es erhielten die Maler M. Jaffe und Manilas '[t. die große silberne und die Maler Maimon, F. Geller je die kleine goldene Medaille und der Architekt Malzar eine ehrenvolle Erwähnung in seiner Schulcensur. Unter den künstlerischen Ausstellungsleistungen der oben genannten Schüler nimmt besonders das von dem Bildhauer Günzberg ausgestellte Basrelief einen ehrenvollen Platz ein, aus das sich die volle Aufmerksamkeit der Sachverständigen, wie des gebildeten Publikums, lenkte. Dieses Bildwerk verdient auch hier Erwähnung, da es „die Trauer Jeremia's und seiner beiden Töchter auf den Trümmern Jerusalems" darstellt. — Zu erwähnen ist hier noch, daß Günzberg die große silberne und kleine goldene Medaille, Maimun zwei große und eine kleine silberne Medaille, F. Geller die große silberne, I. Penn die kleine silberne Medaille und M. Jaffe den Künstlertitel schon früher erhalten haben. — Zwei Rabbiner, Löwi in Bobernei und Dreifuß in Zobern, wurden vom Kaiser bei Vollendung ihrer 50jährigen verdienstvollen Amtszeit, ferner der Rabbiner Kuzzaw in Taraschtscha für besondere Verdienste und der jüdische Religionslehrer am Gymnasium in Kalisch, Sapotschnik, je mit einer silbernen Medaille decorirt. — Dem Inspektor des jüdischen Hospitals zu Wilna, N. Schwartz, wurde allerhöchst die goldene Medaille mit der Inschrift „für Eifer" am Stanislausbande verliehen. Auch der jüdische Tabaksindustrielle S. Kanowinzer zu Charkow erhielt eine silberne Medaille für seine Verdienste auf dem Gebiete der Tabaksindustrie und des Tabaksbaues. — Unser um die russische Judenheit vielverdienter Glaubensgenosse, Herr L. Warschawski, der bisher als Kreisgerichts-Assessor zu Petersburg war, wurde auf Bestimmung des Justizministeriums zum Procurator-Assistenten des Kreistribunals für das Gouvernement Archangelsk ernannt. Moses Feinkind. Kiew, im Tecember. Die verbannten Juden in Kiew haben, dem „Kiewljänin" zufolge, unerwartete Vertheidiger in Kiew selbst gefunden. Die Inden konnten sich früher, den Bestimmungen gemäß, im Plosski- und Lybedski-Bezirk niederlassen, und ihr Zuzug nöthigte die dortigen Grundbesitzer, ihre Häuser zu erweitern, wobei sie nicht selten zu Anleihen ihre Zuflucht nehmen mußten. Da die Juden ordentliche Miether waren, die das Miethgeld regelmäßig zahlten, so befanden sich die Hausbesitzer bei dieser Einwohnerschaft ganz gut, und es wurde ihnen auch nicht schwer, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Der Auszug der Juden wäre fast mit ihrem Ruin identisch, und sie haben daher eine Bittschrift aufgesetzt, in welcher sie das Stadthaupt beschwören, die Juden nicht exitiren zu lassen, bevor die Judenfrage auf legislativem Wege entschieden worden ist. Amerika. New-Hork, im November. (Privatmitth.) Eine Zeit lang rühmten sich amerikanische Juden, daß sie am unumwundensten die Reform des Judenthums vorgenvmmen und in ihren Synagogen zur Ausführung gebracht hätten. Ter Erfolg ist aber nunmehr ein solcher, daß diejenigen, welche für ihre väterliche Religion noch Herz und Sinn haben, recht stutzig werden. Da sich in dieser Reform die Individualitäten, natürlich besonders unter den Rabbinern, nach Belieben tummelten, so daß das Gemeinsame, welches das Fundament jeder positiven Religion bildet, fast ganz verblaßte, und der Eine über den Andern hinaus wollte, um sich bemerklich zu machen, so kann man bei nicht Wenigen kaum noch das Judenthum erkennen. Wir haben Rabbiner, die den Pan- 52*

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