Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1886)
- Date
- 1886-12-14
- Page
- Seite 810 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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810 an Hunderten von Orte» in Bibliotheken und Archiven aller Art aufbewahrt und zum Theil versteckt liegt, zusammensuchen kann. Die Materialien aber, die bei vorstehender Arbeit in Betracht kommen, sind: 1) Schulordnungen, Stundenpläne, Statuten, Schulzeugnisse, Besoldungsacten, Contracte, mit Lehrern geschlossen u. s. w. 2) Schulbücher aller Art, die beim Unterricht, öffentlichen, oder privaten, der deutschen Juden benutzt wurden. 3) Pädagogische Miscellaneen, z. B. Abhandlungen über Pädagogik, pädagogische Theorien und Systeme, pädagogische Gutachten, Selbstbiographien von Lehrern deutschjüdischer Schulen, Schulreden, Dichtungen, die sich auf Unterricht und Erziehung in deutsch-jüdischen Schulen erstrecken u. s. w. 4) Aber auch selbst kleinere Notizen, die sich auf Schulen, Lehrer, Privatunterricht, Erziehung rc. der deutschen Juden erstrecken und die sich in irgendwelchen Archivalien, in Urkundenwerken, Chroniken, Biographien, Briefwechseln, in Bücher-Vorreden, auf Inschriften, in Legaten rc. befinden, sind von Wichtigkeit. Wir bitten alle Diejenigen, die sich im etwaigen Besitze solcher unter 1—3 aufgeführten Materialien befinden oder die auf solche unter 4 erwähnten Notizen Hinweisen können, sich freundlichst mit der Redaction der Nomamsnta Germaniae Paedagogica direct in Verbindung setzen zu wollen. Berlin, W., Charlottenstraße 28, I. (d. 1. Dez. 1886.) (A. Hofmann & Comp.) Redaction der Aon. Germ. Paedagog. Dr. Karl Kehrbach. Ieuilleton. Ein Verschlagener. (Einem alten Documente nacherzählt.) In einem weltentlegenen Dörfchen wohnte seit einiger Zeit ein Jude. Das Dörfchen lag in einem fernen Winkel des Landes, in einem schmalen Thale, ringsum von hohen Felswänden und schroffen Berghöhen umgeben, über welche damals nur ein beschwerlicher Saumpfad in die weite Ebene führte. Die Bewohner dieses Dörfchens in der Felseneinöde stammten wohl von Flüchtlingen ab, die sich vor den blutigen Kriegen dahingezogen hatten, welche über das mittägige und südliche Frankreich so oft gestürmt waren. Seitdem lebten sie abgeschlossen von der Welt. Das Thal gab ihnen immerhin einigen Ertrag an Gemüse und Brodkorn, und die Almen der Berge ernährten reichlich das Vieh. Einige häusliche Künste brachten die Väter, wenn auch sehr primitiv, mit und vererbten sie den Nachkommen. So befriedigten diese Leute alle ihre Bedürfnisse durch die eigene Arbeit, und was sie nicht hatten, dessen bedurften sie eben nicht. Die Familien waren unter einander vielfach verwandt; was die Welt der Menschen bewegte, namentlich die religiösen Spaltungen, drang hier nicht hinein. So war Friede und Eintracht hier heimisch, und kamen wirklich einige Streitigkeiten vor, so wurden sie alsbald durch den Richterspruch des Vorstehers, eines erblichen Amtes, entschieden. Dieses Völkchen wunderte sich gar sehr, als eines Tages ein Fremdling, bejahrt und schwächlich, mit seiner ebenfalls betagten Frau über den Saumpfad in das Thal kam und um Aufnahme bat. Er führte einen Esel mit sich, der mit einigen Habseligkeiten beladen war. Das Aussehen des Mannes war so würdig und einnehmend; um das tief gefurchte Antlitz, auf welchem dennoch Freundlichkeit und Biederkeit sich ausprägten, schloß sich ein grauer, etwas zugestutzter Bart, und von dem Haupte hingen Silberlocken herab. Die Bewohner sahen ihn etwas mißtrauisch an, denn er hatte doch ein fremdartiges Aussehen. Aber was konnte es ihnen schaden, wenn sie ihn duldeten, und gefiel er ihnen später nicht, so konnten sie ihn immer wieder zum Wegzuge nöthigen. Er erwarb sich ein Hüttchen von ihnen und richtete sich da ein, dürftig genug, sah es doch bei den Anderen auch nicht anders aus. Er nannte sich Ahron und war ein Jude. Aber diese Dörfler hatten keinen Begriff von Haß und Vorurtheil und waren um so neugieriger auf die Art des Ankömmlings. Sie hatten einen alten Pfarrer, der sich nicht viel um die Dinge außer ihm kümmerte, und als man ihm von der Ankunft jenes Mannes erzählte, nickte er nur mit dem Kopfe, wahrscheinlich weil er selbst nicht wußte, was er daraus machen sollte. Der Jude kam nicht viel aus dem Hause heraus und seine Frau noch weniger. Sie war so schwach und kränklich und sah recht leidend aus. Was die Beiden für ihren kleinen Haushalt brauchten, erwarben sie von den Dörflern mit baarem Gelbe. Handel und Gewerbe trieb er nicht, er bearbeitete das Stückchen Garten selbst und recht emsig; man gewahrte, daß er Mancherlei zog» was man im Thale nicht kannte, und selbst einige Obstbäume — für wen? Wird er die Früchte genießen können? Die Leute gingen öfter au der