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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-12-14 · Heft 51 (14.12.1886) · p. Seite 809

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 51 (14.12.1886)
Date
1886-12-14
Page
Seite 809 (sequence 9)
Language
German
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809 je mehr die Jugend selbstthätigen Antheil am Gottesdienst nehme, habe ich dieser die Hauptarbeit zugetheilt. Bor dem „Ausheben" des Sabbat-Minchoh-Gottesdienstes referirt zunächst ein Schüler der oberen Klaffen des Gymnasiums oder der Realschule über den Vormittags vorgelesenen Wochenabschnitt. Kurze eingeflochtene selbständige Bemerkungen sind gestattet. Im Anschlnffe hieran ergänze und berichtige ich je nach Bedürfniß und halte sodann eine kurze Ansprache, welche selbstverständlich dem Interesse und dem Verständniß der Jugend besonders entgegenkommt. Hierauf übersetzt abwechselnd ein Schüler der unteren und mittleren Klassen die erste Paraschah des kommenden Wochenabschnittes. Die Schüler erhalten zu ihren Vorträgen, auf die sie sich ohne jede Mitwirkung des Lehrers vorbereiten, 8 Tage Vorbereitungszeit. Natürlich muß der Unterricht im Hebräischen ein solcher sein, daß die Schüler die gestellte Aufgabe auch selbständig lösen können, was hier der Fall ist. Die „Mizwohs" werden bei diesem Gottesdienste nur Schülern zugetheilt. Ich bemerke noch, daß der Besuch des Gottesdienstes auf Grund der Disciplinarbestimmungen obligatorisch ist und daß die Schulbehörden demselben die regste Theilnahme zuwenden. vr. Mayer, Bezirksrabbiner. Posen, 5. Dez. (Privatmitth.) In der Sitzung der Stadtverordneten-Bersammlung am 1. Dezember wurde durch die Mehrheit der Antrag angenommen, daß im neuen Regulativ auch die israelitischen Cultusbeamten von der städtischen Einkommensteuer befreit sein sollen. Näheres in nächster Nummer. Oesterreich - Ungarn. Wien, 30. Nov. Der enragirte Antisemit Professor Aurelius Polzer am Landesrealgymnasium in Horn wurde auf Verlangen des Unterrichtsministers von Landesausschusse seiner Lehrthätigkeit enthoben. Pest, 5. Dez. Jstoczy hatte einen Antrag auf ein Börsensteuergesetz eingebracht, welcher den Antisemiten die Gelegenheit gab, ihrem lang verhaltenen Groll gegen die Juden wieder einmal Luft zu schaffen. Sie ergingen sich in ihren bekannten Redensarten und Verleumdungen. Das Haus erkannte an, daß eine Börsensteuer gerechtfertigt, im gegenwärtigen Zeitpunkte aber schädlich sein würde, und namentlich in der Gestalt, die ihr Jstoczy geben will. Der Antrag wurde mit 103 Stimmen gegen 30 verworfen. Pest, 24. Nov. (Privatmitth,) Nach dem Berichte des Unterrichtsministers über das ungarische Schulwesen im Jahre 1885/86 betrug die Zahl der Hörer an der Universität Budapest im letzten Jahre 3375 und zwar 1446 Kathol., 426 Reform., 347 Evangel., 90 griech. Nicht-Unirte, 8 Unitarier, und 1058 Israeliten. Die Zahl der Hörer an der Ktausenburger Universität belief sich auf 534, davon waren 277 Kathol., 135 Reform., 53 Evangel., 10 griech. Nicht-Unirte, 29 Unitarier und 29 Israeliten. Die Zahl der Hörer am hiesigen Polytechnikum betrug im Wintersemester 645, von welchen 225 Kathol., 106 Reform., 48 Evangel., 18 griech. Nicht-Unirte und 220 Israeliten waren. Bonn, 5. Dez. (Notizen.) Am 2. verschied zu Bonn der Oberrabbiner vr. Auerbach im 77. Lebensjahre. Er stand dem Consistorialsprengel Bonn vor, bis die Consistorialverfaffung für die Rheinprovinz durch das Gesetz vom 23. Juli 1847 aufgehoben und nach und nach auch in der Städte dieser Provinz die in obigem Gesetze vorgeschriebenen Verfassung der jüdischen Gemeinde eingcführt wurde. — In Bordeaux verschied der Großrabbiner des dortigen Consistoriums Simon Levy, der früher Großrabbiner in Luneville war. Der Oberstlieutenant Emil Hertz, Direktor des Geniecorps in Rennes, ist zum Obersten in demselben Truppentheil ernannt worden. — Aus der russisch-polnischen Colonie in Paris studiren gegenwärtig fünfzehn israelitische Damen Medicin und Chirurgie. — Bonn, 5. Dez. (Literarische Notizen.) In Berlin besteht ein Verein, der monumenta germaniae paedagogica, d. h. alle auf die Erziehung und den Unterricht in Deutschland bezügliche aus vergangener und gegenwärtiger Zeit stammenden Dokumente und Notizen veröffentlicht. Derselbe will auch eine solche Sammlung für die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts der Juden in den deutschen Ländern veranstalten und erläßt deßhalb folgende Aufforderung: „Geschichte des Erziehungs- und Unterrichtswesens der deutschen Juden. Für K. Kehrbach's Nenurnenta Germaniae Paedagogica (Verlag von A. Hofmann & Comp, in Berlin) ist von dem Herrn Rabbiner vr. Güdemann in Wien eine Geschichte des Erziehungs- und Unterrichtswesens der Juden in den deutschen Ländern (Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Ostseeprovinzen) in Angriff genommen worden. Obwohl Herr vr. Güdemann durch die Vorstudien zu seinem bekannten Werke: Geschichte der Erziehung und Cultur der abendländischen Juden bereits in den Besitz vieler auf das obige Thema bezüglicher Materialien gekommen ist, so ist doch diese Sammlung noch keineswegs ausreichend. Es muß darum darnach gestrebt werden, diese Sammlung so zu vervollständigen, daß sie die sichere Grundlage für eine möglichst lückenlose Darstellung der Geschichte des jüdisch-deutschen Erziehungs- und Unterrichtswesens bilden kann. Um diese Vollständigkeit zu erreichen, ist die werkthätige Theilnahme weitester Kreise nöthig, denn es ist unmöglich, daß ein Einzelner das Material, das über einen weiten Raum zerstreut, si

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