Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1886)
- Date
- 1886-12-07
- Page
- Seite 796 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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796 anarchistische Ansichten dieses Clubs spricht. Sie sind ausnahmslos Arbeiter und ihre Gemeinsamkeit besteht vorzugsweise in dem polnisch-deutschen Jargon, den sie aus der Heimath mitgebracht. In diesem erscheint auch alle 14 Tage ein Blatt „der Arbeitsfreund" in hebräischer Quadratschrift. Höhere Bildung besitzen diese Leute nicht, und es gehört zu ihnen nur Einer, der etwas wissenschaftliche Bildung hat, ein jüdischer Student, der wohl in der Heimath schon zu den Nihilisten gehört haben mag. — Ob der Correspondent Gelegenheit gehabt, diesen Club näher kennen zu lernen und dessen Tendenzen richtig aufgefaßt hat, ist uns doch noch zweifelhaft. Natürlich ist, daß die eingewanderten Juden, wenn sie dem Arbeiterslande angehören, auch einen Mittelpunkt für sich zu schaffen suchen, und daß hier diese Leute, die in der Heimath so schweren Druck zu ertragen hatten, nicht sehr monarchisch gesinnt sind, kann schwerlich ausfallen. Uebrigens behauptet der Correspondent, daß sie allesammt dem Judenthume entfremdet seien, gerade wie die anderen dem Christenthume. Wie weit dies wahr sei, können wir nicht prüfen. Daß das Judenthum mit anarchistischen Ansichten unvereinbar ist, ist bereits wiederholt in diesem Blatte nachgewiesen worden. Bonn, 28. November. (Notizen.) Der kürzlich verstorbene Generalconsul Josef Behrendt, ein geborener Landsberger, hat der Synagogengemeinde seiner Vaterstadt 9009 M-, der Stadt Berlin 300,000 M., der Synagogengemeinde in Berlin 150,000 M. vermacht. — Man schreibt uns aus London: Vor einigen Tagen beschloß hier Herr Jechiel Brill, der Redacteur der Zeitschrift sein vielbewegtes Leben. — In Mostar (Herzogewina) wohnen jetzt 25 jüdische Familien. —■ Pest, im Nov. (Literarische Notizen.) :rN idd Das Buch Hiob nebst einem neuen Commentar. Bon Benjamin Szold, Rabbiner der Oheb-Shalom-Gemeinde, Baltimore. Baltimore, Verlag von H. F. Siemers, 1886. Das vorliegende 520 große Oetavseiteu umfassende Werk mit seinem reichen Inhalte und in einer geradezu splendiden Ausstattung, von einem Rabbiner in Amerika verfaßt und aus einer einem Juden gehörenden typographischen Anstalt in Baltimore hervorgegangen, ist eine hochinteressante Erscheinung, welche von jedem Freunde der wissenschaftlichen Exegese sicherlich mit Freude begrüßt werden wird. Wir lernen Herrn Rabbiner Szold in diesem in klarem und fließendem Hebräisch geschriebenen Commentare, zu dem er die älteren und neueren Erklärer des schwierigen Buches, von Raschi bis auf Arnheim und Philippson, gewissenhaft benutzt hat, als einen Mann von Scharfsinn, großer Gelehrsamkeit und staunenswerthem Geiste kennen. Er beschränkt sich in seinem Commentare nicht auf sprachliche und sachliche Erklärungen, sondern bringt auch eine neue Eintheilung in Anwendung und schickt jedem Capitel, jeder Rede eine mehr oder weniger größere, das Verständniß wesentlich fördernde Einleitung voran. In der Einleitung zum Buche selbst spricht er sich über Idee, Zweck, Form und Integrität des Buches Hiob, über den Abfasser und die Zeit, in der es entstanden, des Weitern aus. Herr Szold vertritt die Ansicht, daß das Buch Hiob zur Zeit des babylonischen Exils, nachdem die hebräische Sprache bereits aufgehört hatte, Volkssprache zu sein, verfaßt, und daß besonders die Reden des Propheten Jesaias sowie die Psalmen von dem Dichter benutzt worden. Dieses sucht er durch viele Parallelstellen im Commentare selbst nachzuweisen. So hebt er u. a. hervor, daß Hiob 4. 3, 4 nach Jesaias 35, 3 und Hiob 29, 8 nach Jes. 29, 7 gebildet wurde; im erst citirten Verse verwandelt der Dichter in n'VTü, in dem andern *p;n in yptn; ebenso Hiob 9, 6 Jes. 13, 13 mit der Veränderung von in rnD, Hiob 12, 9 Jes. 41, 20; Hiob 5, 12, 13 Psalm 33, 10; Hiob 14, 12 Psalm 41, 9 u. a. nt. Weniger zutreffend ist die Parallele von Hiob 11, 2 und Spr. 10, 19. Für das schwierige renn (Hiob 19, 3) bietet auch Szold keine befriedigende Erklärung. Bei all den Vorzügen, welche das Werk des Herrn Szold besitzt, können wir doch einen Tadel nicht unterdrücken; daß nämlich der geehrte Verfasser es unterlassen, seinem Commentar eine deutsche oder englische Uebersetzung des Hiob hinzuzufügen; eine, wie sich erwarten ließ, geschmackvolle Uebersetzung Hütte dem Werke auch in weitern Streife Eingang verschafft und wir hätten dafür auf die schön ausgeführten lithographirten Tafeln zu Cap. 25 und 26 gern verzichtet. Indem wir das treffliche Werk allen Freunden der hebräischen Literatur und biblischen Exegese empfehlen, hoffen wir, daß der Berf. auch seine übrigen druckfertigen Commentare zu anderen Büchern der heil. Schrift recht bald veröffentlichen werde. vr. Kayserling. I e u i l l e t o n. Ein Fest in der jüdischen Colonie -Sichron-Äakob. ^geräumigen, sehr gut eingerichteten Synagoge. Der Vor- (Aus der „Wachte d?s Tempels?) , steher der Colonie, Herr Wormser, hatte auch einige der Die jüdische Kolonie Sichron-Jacob feierte am 16. d. M. j deutschen Kolonisten aus Caifa zur Theilnahme an dieser ein großes Fest, nämlich die Einweihung ihrer neuerbauten j geier eingeladen, welcher Einladung gerne Folge geleistet