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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-12-07 · Heft 50 (7.12.1886) · p. Seite 794

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 50 (7.12.1886)
Date
1886-12-07
Page
Seite 794 (sequence 10)
Language
German
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794 die Nachricht, daß der Kaiser den außerordentlichen Professor an der medicinischen Facultät der Universität zu Jnsbruck Di\ Ed. Lang zum Ordinarius ernannt habe. Es mag bemerkt werden, daß Herr Professor Lang Jude ist. Rumänien. Bukarest, 20. November. Dem „P. Lloyd" wird von hier geschrieben: Der französische Antisemitenführer Monsieur de Biez, welcher sich seit Schluß des Bukarester Antisemiten- Congresses auf der moldauischen Besitzung seines rumänischen Gesinnungsgenossen, des Senators Ghergel, aufhält, scheint hier und da an Hallucinationen drolliger Art zu leiden. Oder sollte der von ihm und seinem Gastfreunde verbreiteten Nachricht, daß sie bei einer Reise nächtlicherweile von einer aus Israeliten bestehenden Räuberbande überfallen und nur durch die Pistole des Herrn de Biez aus gefahrvoller Situation gerettet worden seien, etwa das Bedürfniß nach Schaffung eines antisemitischen Martyriums für Rumänien zu Grunde liegen? Wie dem nun immer sei, Herr de Biez hat für die sublime Idee, den armen Israeliten Rumäniens neben anderen Untugenden und verbrecherischen Neigungen auch noch Sympathien für das Räuberleben aufzubürden, einen entschieden unglücklichen Griff gethan und wird daher nur im eigenen Interesse handeln, wenn er die lächerliche Fabel von der jüdischen Räuberbande nicht auch in das Buch aufnimmt, in welchem er seine Beobachtungen über das rumänische Judenthum zu verewigen gedenkt. Italien. Florenz, im November. König Humbert, der mit der Königin gegenwärtig in unserer Stadt weilt, sprach letzthin dem Bürgermeister gegenüber den Wunsch ans, das historische Ghetto von Florenz, von dessen Absonderlichkeiten er so viel gehört habe, zu besichtigen. Diesem königlichen Wunsche wurde selbstverständlich entsprochen, und der König, nur vom Adjutanten General Basi begleitet, wurde am Eingänge in das alte finstere Ghetto, das von seinen ehemaligen Bewohnern schon fast ganz verlassen ist, vom Bürgermeister empfangen, dem der König sagte: „Zeigen Sie mir nun das Häßlichste und Abstoßendste; ich will Alles aus eigener Anschauung kennen lernen." Der König besichtigte nun eingehend das Winkelwerk von schmutzigen Gassen und Gäßchen, trat hier und da in ein besonders armselig aussehendes Häuschen ein, Alles mit größtem Interesse besichtigend. Des Königs Miene wurde, je weiter ec kam, noch ernster wie gewöhnlich. „Es ist unglaublich," sagte er zu den Begleitenden, „daß Jahrhunderte lang in diesen übelriechenden elenden Löchern Menschen leben konnte». Es war Zeit, daß die neuen Ideen diesem menschenunwürdigen Dasein ein Ende machten", und ans den bevorstehenden Umbau des Stadttheiles anspielend, äußerte der König: „Möge mit diesem elenden Gemäuer auch die Erinnerung an diese Schmach vergangener Jahrhunderte fallen." Der Besuch des Königs im Ghetto währte 1^/z Stunden, worauf der König Abschied nehmend, zum Bürgermeister sagte: „Nehmen Sie meinen besten Dank entgegen, das soeben Gesehene hat mich in höchstem Maße interessirt und betrübt zugleich. Ich habe nur einmal im Leben schrecklichere Menschenwohnungen gesehen — die „Fondaci" in Neapel —, die ich zur Zeit der Cholera- Epidemie besichtigte." Frankreich. Paris, 21. Nov. Der soeben zum Generalresidenten in Tunis ernannte Bihourd (Jude) hat, ehe er noch nach seinem Bestimmungsorte abgegangen, vom Ministerpräsidenten Freycinet den Antrag erhalten und angenommen, als Generalresident nach Tonking zu gehen. Bekanntlich ist als solcher Paul Bert an der Cholera verstorben und mehrere französische hochgestellte Staatsbeamte, denen diese Stelle angetragen worden, haben sie der Gefährlichkeit wegen abgelehnt. (Der Corresp. der „National-Zeitung", natürlich ein Deutscher, macht die Bemerkung, daß Freycinet hierüber doppelt erfreut sein möchte, da die Wahl eines Juden zum Generalresidenten in Tunis bei der muselmännischen Bevölkerung Mißvergnügen erregt hätte. Wenn das der Fall wäre, warum wählte dann Freycinet den Juden? Der General Lambert, ebenfalls Jade, >var längere Zeit Commandcur der französischen Truppen in Tunis, und ein Mißvergnügen der Muselmänner hierüber hat sich durchaus nicht kennbar gemacht. Redact.) Bihourd war Director der Departemental- und Communal-Verwaltung im Ministerium des Innern. Paris, 25. Nov. „L'Autoritö" versichert, daß gegen Drumont wegen seines neuen Werkes „Das jüdische Frankreich vor der öffentlichen Meinung" die gerichtliche Verfolgung eingeleitet werden soll. Rußland. Turek, 26. Nov. (Privatmitth.) Bis zu welcher Kleinlichkeit man sich herabläßt, um Juden systematisch aus allen Aemtern und Chargen auszuschließen, beweist eine von der medicinischen Behörde zu Odessa in jüngster Zeit getroffene Bestimmung in Angelegenheit der Maßregeln, die zur Verhütung des Eindringens der Cholera aus Oesterreich und Rniuäuien vorgenommcn werden. Eine Commission von Aerzten wurde einem Militär-Detachement beigegeben, das an der Grenze auf die Beobachtung der Quarantäne-Maßregeln sehen soll — dem „Woschod" zufolge sollen sich jüdische Aerztc an dieser Commission nicht beiheiligen. —

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