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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-12-07 · Heft 50 (7.12.1886) · p. Seite 791

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 50 (7.12.1886)
Date
1886-12-07
Page
Seite 791 (sequence 7)
Language
German
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791 Artikel gegen die Freisinnigen geschrieben haben. Dritte Unwahrheit: wir hätten nur 300 Abonnenten!!! Lächerlich, eine Zeitung vom Umfang und der Ausstattung der A. Z. d. I. soll von 300 Abonnenten bestehen können! hat die „Freis. Ztg." aus eigener Erfahrung solche Begriffe von den Kosten einer Zeitschrift? Mit 300 Abonnenten könnte noch lange nicht einmal das Redactionshonorar gedeckt werden! Die A. Z. d. I. wird nicht von einer und derselben Person redigirt, verlegt und expedirt. Uebrigens ist die Quelle dieses Artikels sehr deutlich, da schließlich der Mainzer „Israelit" und die „Jüd. Presse" empfohlen werden! Die passen der „Freis. Ztg."! Wir könnten die „Freis. Ztg." nöthigen, eine Berichtigung aufzunehmen, allein so viel ist dieser Angriff uns nicht werth. — Berlin, 24. Nov. (Privatmitth.). Wenn man für frühere Jahrhunderte culturhistorische Momente mühsam zusammensuchen muß, so wird es einst an solchen für unsere Zeit gewiß nicht fehlen. Für den Geist, der in der Hauptstadt des deutschen Reiches in der Gegenwart obwaltet, wird es aber höchst bezeichnend bleiben, daß es mit der Statue Lessings immer noch nicht vorwärts kommen will. Bor einiger Zeit hieß es, daß man endlich auch für Lessing's Denkmal einen würdigen Platz gefunden, dem der König seine Zustimmung gewährt hat und daß nun der Concurs für die Entwürfe eröffnet werden würde. Bon allem diesem ist jetzt wieder kein Wort verlautbar und die Aufforderung zum Concurse ist noch nicht erschienen, während doch das Publikum reichlich zu dem erforderlichen Fond gesteuert hat. . . . Freilich aus einer anderen deutschen Residenzstadt vernimmt man noch Schlimmeres. In München geht das Gerücht, der Hofbühne sei die Aufführung des „Nathan der Weise" und „Wallensteins Lager" untersagt. Das Gerücht ist in einem Münchener Blatte dementirt worden, jedoch nicht behördlich, und die von vielen Seiten gewünschte Aufführung ist noch nicht vor sich gegangen. Wir glauben nicht an dieses Gerücht, aber daß es entstehen und Glauben finden konnte, ist schon vom Uebel. Bekanntlich war Lessing selbst der Meinung, seine Zeit wäre noch nicht reif für die Aufführung des Nathan. Er hatte sich geirrt, denn schon kurz nach seinem Tode kam Nathan auf die Bühne und erhielt sich aus ihr. Es wäre doch ein sonderbares Ereigniß, wenn nach einem Jahrhundert umgekehrt Nathan von der Bühne verbannt werden sollte, wäre es auch nur in einer deutschen großen Stadt. Würde das der „Geist der Zeit" bewirken, so wäre es ein Beweis, daß „die Zeit des Geistes" vorüber oder doch im starken Niedergang begriffen sei. (Die Königliche Intendantur zu München hat soeben eine Erklärung erlassen, daß an ein Verbot, „Nathan der Weise" aufzuführen, niemals gedacht worden. Redact.) — Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat bei der Repräsentanten-Bersammlung beantragt, sowohl im Westen, wie im Südwesten eine neue Synagoge zu errichten. Die Repräsentanten-Bersammlung wählte eine Commission zur Weiterberathung der Sache, bestehend aus den Herren: Dr. Marcuse, Prof. Lazarus, Baumeister Frankel, den Kaufleuten Friedländer, Loewenberger und Friedheim. Mainz, 19. November. Die israelitische Religionsgesellschaft hatte gegen die Stadt Mainz Klage erhoben, weil sie der Meinung war, durch die in Folge der Stadteriveitcrung an der Mombacherstraße vorgenommenen Arbeiten längs des alten israelitischen Friedhofes an Besitz und Eigenthum geschädigt zu sein. Nachdem der Prozeß lange schwebte, hat nunmehr das Landgericht die Forderungen der Klägerin zum Theil für begründet erklärt und der Stadt aufgegeben, die Umfassungsmauer des Friedhofs und die Böschung entsprechend zu erhöhen, ferner der Klägerin 250 Mk. Entschädigung zu zahlen. Weitere Forderungen der israelitischen Religionsgesellschaft wurden abgewiesen, die 3/5 der Kosten trägt, während die Stadt Mainz 2/5 äu tragen hat. Frankfurt a. M.» 23. Nov. Das Pflegamt der Versorgungs-Anstalt für Israeliten versendet seinen Bericht für die Zeit von 1881 bis 1885. Dem Pflegamt ist es zwar gelungen, bei der königlichen Regierung die Erlaubniß zum Erwerb eines neuen Grundstückes zu erhalten, allein die Mittel reichen zu einem Neubau noch lange nicht aus. Der gänzlich unzulängliche Raum gestattet nur die Aufnahme einer beschränkten Zahl von Personen, weshalb viele Gesuche zurückgewiesen werden mußten. Am 1. Januar d. I. befanden sich in der Anstalt 4 Männer und 11 Frauen. An Geschenken gingen ein vom 31. Dez. 1880 bis 31. Dez. 1885: 16,211 M., ferner das separat zu verwaltende vr. Odrell'sche Legat von 6000 M. Die Bilanz zeigt einen unangreifbaren Fond von 180,526 M., ein Capitalconto von 3429 M. und das Odrell'sche Legat von 6000 M. Das Bauconto beziffert sich auf etwa 9000 Mk. — Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur zählt 170 Mitglieder. Zum Vorsitzenden wurde von der Generalversammlung wiederum Herr vr. Heinemann gewählt. — Die Orthodoxen lieben es, so sehr sie auch die Reformer schmähen, deren Ideen und die Art, wie sie sie verwirklichen, sich anzueignen und nachzuahmen. So hat der Erfolg des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes den Rabbiner der separirten Religionsgenossenschaft Hirsch zu dem Plane veranlaßt, auch eine Verbindung der orthodoxen Gemeinden zu Stande zu bringen, um kleinen Gemeinden zu ihren Cultuskosten Beiträge zu geben und Leuten, welche sich als streng orthodox erwiesen haben, aufzuhelfen. Es gelang ihly, wie der Rechenschaftsbericht mittheilt, 324 Gemeinden — natürlich der größten Mehrzahl nach kleine — zu gewinnen

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