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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-30 · Heft 49 (30.11.1886) · p. Seite 780

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 49 (30.11.1886)
Date
1886-11-30
Page
Seite 780 (sequence 12)
Language
German
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780 Bonn, 21. November. (Notizen.) Man schreibt uns aus Posen: Die Hinterbliebenen des im September c. hier verstorbenen Commerzienraths Sam. Auerbach haben dem hiesigen Magistrat den Betrag von 20,000 M. überreicht, dessen Zinsen alljährlich am Todestage des Herrn Auerbach an 3 christliche und 3 jüdische, dem Kaufmanns- oder Handwerkerstande angehörige Personen vertheilt werden sollen. Die Empfänger müssen das 50. Lebensjahr erreicht haben, mindestens 6 Jahre hier ortsansässig sein und dürfen auf keiner Almosenempfänger-Liste figuriren. Die Wahl der christlichen Empfänger steht dem Magistrat, die der jüdischen dem Vorstande der hiesigen Synagogen - Gemeinde zu. — Man schreibt aus Köln: Bürgermeister Dr. Rosenthal scheidet nun doch aus dem städtischen Dienste. In der heutigen Stadtverordnetensitzung kam ein Schreiben zur Verlesung, in welchem Dr. Rosenthal auf Anrathen der Aerztc bittet, sein Ausscheiden zum 31. December d. I. genehmigen zu wollen. Die bereits früher vom Stadtrathe abgelehnten Pensionsansprüche läßt er fallen, weist eine Gehaltszahlung über seine wirkliche Dienstzeit hinaus als kränkend zurück und bittet, den während seines Urlaubs fälligen Gehaltsbetrag zu einer Stiftung für städische Büreaubeamten zu verwenden. — Der Präfect des Seinedepartements Herr Cohn (Sohn des sel. Albert Cohn) ist, wie man aus Paris schreibt, zum Präfecten der Ober-Garonne in Toulouse, und der bisherige Unterpräfect, Herr Weilt zu Saint-Sever, zum gleichen Amte in Sancerre (Cher) ernannt worden. Bonn, 14. Nov. (Literarische Notizen.) Ein sehr empfehlenswerthes Buch: „Ein Ritt ins Gelobte Land. Land und Leute in Palästina vor 3000 Jahren. Von A. Thoma. Mit 8 Vollbildern und 5 in den Text gedruckten Abbildungen. Berlin 1887- A. Haack". Sehen wir von der etwas eigenthümlichen Einkleidung ab — ein Ritt durch das h. Land vor 3000 Fahren — so ist doch das Buch an Inhalt und Form durchaus lobenswerth. Der Verf. wollte nach den Andeutungen den Gesetzen der h. Schrift ein Bild entwerfen von „Land und Leuten" in Israel zur Zeit des Königs Salomon, unterstützt natürlich von der jetzigen topographischen Kenntniß des Landes und seiner Beschaffenheit. Er schildert in Form von 7 Tagen das Leben: bei den Hirten in der Wüste, auf den Hügeln bei den Winzern, auf den Feldern bei den Bauern, bei den Bürgern in der Stadt, in der Stadt des großen Königs, im Gebirge Ephraim, bei den Propheten und heiligen Stätten und in der Ebene der Schlachten. Die Sprache ist anziehend und spannend, alle gelehrten Anführungen sind vermieden, die Auffassung ist warm und herzlich und im Geiste der Ehrfurckt vor dem Alterthume. So ist dieses Buch angemessen für alle Gebildeten, die sich für diesen Gegenstand interessiren und besonders für die Jugend, die es nicht durch eine schablonenartige Behandlung abschreckt. Wir können es deshalb allen Familien zur Anschaffung empfehlen. Die Ausstattung sammt den Illustrationen ist gut. — Wir erhalten von Paris: „Gustave d'Eichthal, Melanges de critique biblique. (Paris, Hachette, 1886.)" Ein stattlicher Band (402 S. gr. 8) mit vorzüglicher typographischer Ausstattung. Der Sohn des verstorbenen Autors, Herr Eugöne d'Eichthal, veröffentlicht hier das nachgelassene Werk seines Vaters, das dieser mit geringen Ausnahme» druckreif hinterlassen hatte, und von welchem bereits ein Theil früher gedruckt war, so daß wir zur Zeit eine Notiz darüber gaben. Der Verf. war seit seiner Jugend St. Simonist und bekennt sich in der Einleitung zu den Anschauungen dieser Sekte bis zum Ende seines Lebens. Diese St. Simonisten waren treffliche Leute mit ausgezeichnetem Willen, aber geneigt zum Confusen und Curiosen. Wer hierfür einen Beweis wünscht, kann es in dem letzten Werke des letzten Hauptes der Sekte, des köre Enfantin, mit welchem er uns zur Zeit beehrte: Science de l’homme. Physiologie religieuse. (Paris, Massen 1858) finden. Herr d'Eichthal war nun von der Meinung okkupirt, daß die mosaische Schöpfungsgeschichte und das fünfte Buch Moses in eine große Verwirrung gerathen und mit späteren Zusätzen versetzt worden seien, und faßte den Entschluß, sie in ihrem primitiven Zustand wiedcrherzustellen. Nach seinem Bedünken riß er deßhalb die Absätze und Verse auseinander, fügte sie nach seiner Idee zusammen, strich was ihm nicht gefiel und setzte hinzu was ihm zu fehlen schien. Der Leser erschrecke aber nicht zu sehr, der Mann tastete keinen Buchstaben des Urtextes an, denn wie er selbst in seiner Einleitung mittheilt, verstand er nicht ein Wort hebräisch, agirte also lediglich mit seiner französischen Uebersetzung. Niemand wird von uns verlangen, daß wir uns in dieses Wirrsal hineinversenken sollen; wir überlassen dies vielmehr den Freunden von Sonderbarkeiten und Selbstüberhebung. — Von der rühmlich st bekannten französischen Uebersetzung des jerusalemischen Talmuds durch Herrn Bibliothekar Moise Schwab ist der neunte Band erschienen, der das Ende von Gittin, Nazir und Kidduschin enthält. Es wird noch zweier Bände bedürfen, um das Werk zu vollende». — Gegen die Schandschrift la France juive von Drumont sind zwei Gegenschriften erschienen: die eine von ziemlichen Umfange von einem Katholiken, Leonce Reynaud, die andere, eine Broschüre von einem Juden, Ingenieur Marini. Bonn, 21. Nov. (Literarische Notizen) „Materialien zur Statistik des jüdischen Stammes" von Alfred Nossig (Wien, Konegen, 1887). Mit Recht betitelt der Verfasser seine Schrift „Materialien", denn nichts kann unvollständiger geliefert werden, als eine Statistik der Juden. Denn in einer Anzahl großer Staaten, wie England, Bel-

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