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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-30 · Heft 49 (30.11.1886) · p. Seite 771

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 49 (30.11.1886)
Date
1886-11-30
Page
Seite 771 (sequence 3)
Language
German
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771 rika behülflich zu sein, ist gänzlich abgeschnitten, seitdem die Vereinigten Staaten nur solche Emigranten, die sich als Mittelbesitzende ausweisen können, zulassen. Unter diesen Umständen sieht sich die Armencommission Londons zu ihrem großen, aufrichtigen Bedauern außer Stande, diesen bemitleidenswerthen neu Eingewanderten be hülflich zu sein, und im Interesse der hier ansässigen Armen findet sie sich veranlaßt, auf das früher streng eingehaltene Prinzip zurückzukommen und nur solche Hülfsbedürftige zu unterstützen, die mindestens sechs Monate hier ansässig, und die durch unvermeidliche Umstände (wie die jetzt herrschende Beschäftigungslosigkeit) ohne ihre Schuld in Noth gerathen sind. Das Elend und die Noth unter den hier Weilenden zu verringern und zu beseitigen, ist unser eifrigstes Bestreben, und, um diesem Elend Einhalt zu thun und Andere vor gleichem Elend zu schützen, ersuchen wir die Mithülfe aller edeldenkenden Glaubensgenossen Deutschlands, Rußlands und Oesterreichs, daß sie, vereint mit uns, dieser beklagenswerthen Einwanderungsfluth Einhalt zu gebieten versuchen, allen Auswanderungslustigen von ihrem Vorhaben, auf's Ungewisse ein fremdes Land aufzusuchen, abzurathen und zur Rückkehr in ihre Heimath zu bewegen. Weit besser, daß sie sich dort, wenn auch nur kümmerlich, ernähren, als daß sie im fremden Lande, der Entbehrung, Verlockungen der Mission und Enttäuschungen aller Art preisgegeben, elendiglich untergehen. Board of Guardians for the Kelief of the Jewish Poor. Lionel L. Cohen, Präsident. Wir können die Berücksichtigung der obigen Warnung nicht dringend genug an's Herz legen. Die Tausende, die bereits aus Amerika zurückgekommen und sich glücklich schätzen, in der Heimath ein Plätzchen wiederzufinden, müssen doch vor jedem leichtfertigen Fortschicken hülfloser Menschen warnen, abgesehen von den großen Summen, die dabei nutzlos ausgegeben werden. Die Rathlosigkeit, mit welcher man bis jetzt verfuhr, muß doch endlich aufhören. Die Red. Die Petitionen für die fernere Freiheit des rituellen Lchiichtens. Von dem Augenblicke an, wo die deutschen Thierschutzvereine um das Verbot des rituellen Schächtens bei dem Reichstage petitionirten, haben wir die Gemeinden aufgefordert, durch Gegenpetitionen den Reichstag zu bewegen, auf dieses, die freie Religionsübung der Juden verletzende Gesuch nicht einzugehen. Wir waren der Meinung, daß die Einwirkung der Petitionen eine stärkere sein würde, wenn sie sich nicht auf eine oder mehrere gleichlautende, denen die anderen Gemeinden sich anschlössen, beschränkten, sondern so viele selbständige Petitionen wie möglich bei dem Reichstage einliefen. Es würde dann keine einseitige Agitation vorausgesetzt, sondern es dokumentirte sich auf diese Weise das selbständige Borgehen jeder Gemeinde und die Allgemeinheit der Abwehr. Deshalb gaben wir von uns aus kein Schema für diese Petitionen. Die Erfahrung hat uns bei früheren Vorgängen gelehrt, daß die große Mehrzahl der Gemeinden recht wohl befähigt ist, eigene Petitionen zu entwerfen. In dieser Angelegenheit war es Sache jedes Rabbinen, eine Petition zu entwerfen und sie von den Nachbargemeinden unterzeichnen zu lassen. Wir geben jedoch als eine Meinungsäußerung folgende Correspondenz. Fürth, 15. Nov. Die Angriffe, welche gegen die jüdische Schlachtmethode von den Thierschutzvereinen im Reichstage unternommen werden, finden die Glaubensgenossen in Deutschland in seltener Einmüthigkeit zur Abwehr bereit. Aus Bayern werden wohl von sämmtlichen Rabbinaten, sowie durch Vermittelung und auf Anregung derselben von den Vorständen der sämmtlichen israelitischen Kultusgemeinden Gegenpetitionen eingesandt werden, welche meist in kürzester Fassung auf die bekannte Motivirung der von einzelnen Großgemeinden und Redaktionen eingereichten Petitionen sich beziehen und sich den Gesuchen derselben einfach anschließen. Da indessen auch Unbedeutenden mitunter ein glücklicher Gedanke vom Himmel gesandt wird, so möge mir verziehen werden, wenn ich mich schweren Herzens entschließe, die Aeußerung zu wagen, daß meines unmaßgeblichen Erachtens diese sicherlich von Autoritäten ersten Ranges entworfenen Gesuche der Großgemeinden trotzdem nicht ganz das Richtige treffen, wenn sie, wie eine mir vorliegende solche Petition, gegenüber den Bestrebungen der Thierschutzvereine sich lediglich verneinend verhalten und einfach bitten, der Reichstag wolle darüber zur Tagesordnung übergehen. Es ist irrig zu glauben, der Kampf der Thierschutzvereine sei aus Abneigung gegen die Juden erwachsen und gelte lediglich der jüdischen Schlachtweise. Er gilt vielmehr allen Schlachtweisen, von denen die Petenten glauben, daß sie dem Schlachtthier unnöthige Schmerzen bereiten, und verdankt seinen Ursprung sicherlich bei weitaus den allermeisten Petenten den Regungen der Menschlichkeit. Die Thierschutzvereine befinden sich dabei blos in dem Jrrthum, daß sie die jüdische Schlachtweise fälschlich für thierquälend halten; ihr Bestreben aber, gegen die wirklich thierquälenden Schlachtmethoden Abhilfe zu schaffen, verdient und hat ohne Zweifel die vollste Sympathie aller Juden. Ich glaube daher unmaßgeblich, unsere Petitionen an den Reichstag sollten schärfstens unterscheiden zwischen dem löblichen Bestreben der Thierschutzvereine, soweit sie das Ver- 49*

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