Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1886)
- Date
- 1886-11-23
- Page
- Seite 756 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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756 Sprachen noch jetzt ohne jede anstößige Nebenbedeutung brauchen. Aber Dyaus hatte zu lange Himmel bedeutet, um die alten Sagen und Mythen abzustreifen, die ihre Richtigkeit hatten, so lange sie sich auf Dyaus den Himmel bezogen, die aber zu Fabeln wurden, sobald man sie auf Dyaus- Gott übertrug." „Die Rückkehr zur ursprünglichen Intuition von Gott und das Ableugnen aller Götter fiel den Ariern bei weitem schwerer als den Semiten . .. Die Namen, bei denen diese die Gottheit anriefen, leiteten sie durch keinen Doppelsinn irre; dessenungeachtet wurden auch diese semitischen Namen eines Wesens zu Namen vieler Wesen." So ist „Elohim ein Plural, obgleich das darauf bezügliche Verb im Singular gebraucht wird; dieser Plural muß einfach mit dem Worte Gottheit übersetzt werden." Eine Erklärung für den Gebrauch des Plurals „finden wir in den verschiedenen Phasen, welche der Begriff in der Geschichte des semitischen Geistes durchmachte. Eloha war zuerst der Name Gottes, und da er sich in allen Dialekten der semitischen Race (der phönicischen ausgenommen) findet, so kann man ihn mit einiger Wahrscheinlichkeit als den ältesten Namen der Gottheit ansehen, der zu einer Zeit angenommen wurde, ehe noch die ursprüngliche Sprache der Semiten sich in nationale Dialekte getrennt hatte. Als man diesen Namen zuerst im Plural gebrauchte, konnte er nur, wie jeder Plural, viele Elohas bedeuten, und ein derartiger Plural konnte nur während eines polytheistischen Stadiums entstanden sein. Diese Elohim sind als verschiedene Namen anzusehen, die einfach in der Absicht erfunden wurden, um die verschiedenen Eigenschaften der Gottheit zu bezeichnen, und die mit der Zeit ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hatten. Und dies war auch Abraham's Ansicht. Was auch die Namen der Elohim sein mochten, welche die verschiedenen Stämme seiner Familie anbeteten, Abraham erkannte, daß alle Elohim Gott bedeuteten, und so wurde Elohim, indem er Alles umfaßte, was je göttlich genannt wurde oder genannt werden konnte, der Name, durch den ein monotheistisches Zeitalter sich der Welt ankündigte. Jehovah vereinigte alle Elohim in sich, also konnte es keinen Gott außer ihm geben. Von diesem Gesichtspunkt aus wird der semitische Name der Gottheit Elohim vollkommen klar und verständlich und liefert den besten Beweis dafür, daß sich der wahre Monotheismus nur auf den Ruinen des Polytheismus erheben konnte." Also „nicht durch Jiistiiict, nicht durch abstracte Grübeleien, nicht durch begeisterte Visionen empfing Abraham seine selbsteigene Offenbarung, sondern durch seinen selbsteigenen Glauben. .. Anstatt also einen monotheistischen Jnstinct annehmen zu müssen, können wir den Glauben an den einen lebendigen Gott auf den einen Mann zurückführen, in dem alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen, dessen ehrwürdige Gestalt noch ehrfnrchtgebietender in unseren Augen wird, wenn wir in ihm die Quelle des Glaubens sehen, der alle Völker verknüpfen sollte, und den Urquell jenes himmlischen Segens, der durch den Begründer der wahren Religion auf alle Heiden herabströmen sollte.. . Und fragt man uns, woher Abraham einzig und allein nicht nur das erste Schauen von Gott hatte, durch das er sich der ganzen Menschheit offenbart hat, sondern wie er auch, indem er alle anderen Götter abschwor, zur Erkenntniß des einen Gottes kam, so genügt uns die Antwort: durch persönliche göttliche Offenbarung. Wir ergehen uns dabei nicht in theologischen Phrasen, sondern wir nehmen jedes Wort in seiner vollen Bedeutung. Der Vater der Wahrheit wählt seine Propheten und spricht zu ihnen in einer Stimme, die stärker ist als die des Donners. Es ist dieselbe innere Stimme, durch die Gott zu uns allen spricht. Diese Stimme mag schwächer und schwächer werden, bis wir sie kaum mehr vernehmen; sie kann ihren göttlichen Klang verlieren und sich in die Sprache der gewöhnlichen Weltklugheit verwandeln, aber von Zeit zu Zeit nimmt sie für die Ausgewählten Gottes ihren wahren Klang wieder an und ertönt ihrem Ohr wie eine Stimme vom Himmel." — Mit vielen von diesen Ansichten Max Müller's können wir uns einverstanden erklären. Daß die Vorfahren und Verwandten Abraham's Polytheisten waren, widerspricht der Schrift nicht, und war dies eben der Grund, weshalb Abraham sich von seinem Stamme loslöste, sein Vaterland verließ, um im fernen Westen inmitten fremder Nationen einen eigenen der Anbetung des "ity „allmächtigen Gottes" geweihten Stamm zu gründen. Von Abraham an hat der Plural die Bedeutung des einzigen Gottes, wie zahllose Stellen erweisen, z. B. in dem Bekenntnißworte mx umVn und in um 'n ov&xn. Allerdings wird auch an einigen späteren Stellen □\-£n für „Götter" gebraucht, besonders mit dem Worte 'pj „Alle" vorher, wie Psalm 95, 3: „Der Ewige, großer König über alle Götter", wozu alsbald (96, 4.) erklärend hinzugefügt wird: „Denn groß ist der Ewige und sehr gepriesen, furchtbar über alle Götter, denn alle Götter der Völker sind nichtige Götzen, aber der Ewige schuf den Himmel." Es wird in solchen poetischen Phrasen nicht die Existenz von Göttern ausgesprochen, die ja verneint wird, als vielmehr die Thatsache berücksichtigt, daß die Völker viele Götter und jedes Volk einen besonderen Nationalgott anbeten. Diesen gegenüber wird Gott für den allein wahren gepriesen, vor welchem die von den Völkern angebeteten Götter nichtig und nur „Menschenhändewerk" sind. Doch kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Gegenstände unserer Besprechung. Der Ursprung der Religion ist geschichtlich nicht nachweisbar, nicht erkennbar. Er geht eben über alle Geschichte hinaus. Die Völker treten mit dem Gottheitsbegriff in die Geschichte ein, und zwar mit dem Fetischismus, dem Polytheismus und die Israeliten mit dem Monotheismus. Den