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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-23 · Heft 48 (23.11.1886) · p. Seite 755

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 48 (23.11.1886)
Date
1886-11-23
Page
Seite 755 (sequence 3)
Language
German
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755 Gesammtheit der Gesellschaft zufügen! — Wir würden, es für ein Unrecht am Judenthume halten, wenn wir Nachweisen wollten, wie sehr es allen Bestrebungen feind ist, welche das Eigenthum und die Familie verneinen und die gesetzliche Ordnung des Staates angreifen oder gar umzustürzen versuchen. Die Religion, welche in ihrem ersten Grundgesetz die Pflicht der Arbeit, die Heiligkeit des Eigenthums, des Lebens und der Familie ausgesprochen und sich mit einer freiheitlichen, aber streng geregelten Verfassung identifizirte, muß ihren Bekenner» den Eifer für die Erhaltung dieser Grundsäulen der Gesellschaft einflößen. Und fürwahr, wer die Lage erwägt, in welcher man in den osteuropäischen Ländern vier Millionen Juden unter dem schwersten Drucke hält, muß bei der sehr geringen Zahl Juden, die sich in den Reihen der Feinde der Gesellschaft befinden, die sittlichende Kraft des Judenthums anerkennen und es der Judenheit zur Ehre anrechnen. Arber den Ursprung der Ueligion. Vor Kurzem veröffentlichte vr. Johannes Fritz einen starken Band (433 S. gr. 8) unter dem Titel: „Aus antiker Weltanschauung. Die Entwickelung des jüdischen und griechischen Volkes zum Monotheismus nach den neuesten Forschungen dargestellt. (Hagen, Risel & Co. 1836.)" In einer ausführlichen Einleitung, überschrieben „Religiöse Ursprünge", stellt der Vers, die Ansichten oder vielmehr Hypothesen zusammen, welche über den Ursprung der Religion, der Religionen und besonders des Polytheismus von den namhaftesten Denkern auseinandergesetzt worden. Er führt uns nacheinander die Darstellungen von Tiele, Lippert, Seidel, Ebrard, Steude, Schilling, Delff, Schleiermacher und Max Müller vor; diese leiden aber sämmtlich — mit Ausnahme Müllers — an der Künstlichkeit ihrer Deductionen und an dem Gebrauche ihrer Schulsprache, die bei jedem Philosophen eine andere ist, und welche hier um so schwerer zu verstehen ist, als die Auszüge eben nur beschränkt sind. Wir können sie hier übergehen, da sie doch zu keinem gesunden Endziel von bleibendem Werthe führen, und höchstens durch ihre scharfsinnige Dialektik ergötzen. Sagt doch der Verfasser selbst, daß wir trotz aller dieser Untersuchungen über den in die erste Kindheit des Menschengeschlechts hinaufreichenden Gegenstand nichts Sicheres wissen. Die Meinungen scheiden sich nach zwei Richtungen. Die einen nehmen eine Entwickelung aus ersten Ahnungen zu immer klarerer Erkenntniß an, die anderen im Gegentheil eine Depravation, eine Entartung aus früherer richtigerer religiöser Auffassung. Nicht wenige suchen für ihre Forschung eine Grundlage in den religiösen Anschauungen der wilden, noch unkultivirten Bölkerstämme, über welche die Reisenden vielfach berichtet haben. Diese sind aber meist unsicher, da sie nur aus flüchtiger Beobachtung stammen, und auch über sie trennen sich die Meinungen, ob jene Glaubensansichten der wilden Völker ursprüngliche, oder in Folge der Verwilderung entartet seien. Zu unserem Zwecke finden wir nur die Ansichten Max Müller's von Bedeutung, die er in seinen Essays wiederholt darlegt. Er wenigstens nimmt einen gewissen concreten Stoff dadurch in Anspruch, daß er linguistische Bemerkungen betreffs der arischen und semitischen Völker zu Grunde legt. Müller nimmt an, daß in der Kindheit des Menschen eine monotheistische Anschauung ausseinem Gemüthe und durch eine innerliche Offenbarung vorhanden gewesen; diese hätte sich an die Betrachtung des Himmels geknüpft und bei den arischen Völkern wäre dadurch der Name des Himmels überall für den Namen Gottes gebraucht worden. Vermöge ihrer sprachlichen Eigenthümlichkeit hätten aber jene Völker bei den Namen Dyaus, Zeus, Jupiter, Tiu die Bedeutung Himmel vergessen, und daraus hätte sich die ganze mythologische Sagenwelt entwickelt und wäre der Polytheismus emporgekommen. Bei den Semiten wäre von Anfang an der Name El für Gott constant gewesen, und mit anderen Namen wie Baal, Moloch, hätten sie nur Eigenschaften Gottes bezeichnet, so daß sie die monotheistische Vorstellung erst später in Polytheistische umgewandelt hätten. Man sieht, daß diese linguistische Beobachtung in Bezug auf den Ursprung und Gang der religiösen Anschauung doch nur hypothetisch ist, worüber noch weiter unten. Wie dem auch sei, Max Müller führt den Ursprung aller Religion, insbesondere des Monotheismus, auf eine „persönliche, göttliche Offenbarung in Abraham" zurück, und wir wollen deshalb seine Ansicht hier wörtlich wiedergeben. Sich an Schleiermacher anlehnend, sagt er (im 15. Essay, „der semitische Monotheismus"): „Nehmen wir hingegen an, daß (statt der Annahme eines Instinktes) Gott sich von Uranfang her den Vorfahren des Menschengeschlechts natürlich und unverkennbar offenbart hat, betrachten wir dann die Verschiedenheit der menschlichen Sprachen und die Schwierigkeiten, die sie zu überwinden hatten, um Namen für Gott zu bilden, sowie die eigenthümliche Weise, in der die semitischen und arischen Sprachen diese Schwierigkeiten überwanden, so wird uns Alles was folgt, verständlich..." Die Sprache der arischen Nationen „enthält eine große Menge von Wörtern, die an und für sich vollständig harmlos sind, indem sie nichts bedeuten, als was sie der Tradition und der Definition nach bedeuten können, die aber verderblich wirkten durch die Erinnerungen, die sie zu jeder Zeit wachrufen konnten. An und für sich war Dyaus ein ebenso passender Name für Gott als jeder andere, und in mancher Beziehung passender als das davon abgeleitete Deva, das lateinische Deus, das die romanischen 48*

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