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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-16 · Heft 47 (16.11.1886) · p. Seite 748

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 47 (16.11.1886)
Date
1886-11-16
Page
Seite 748 (sequence 12)
Language
German
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748 seien; theoretisch brauchen sie nicht gebildet zu sein, aber sie müssen auch unter Umständen, die mit ihren heimathlichen nicht übereinstimmen, sich hineinschicken können. 2) Sie müssen ausreichende Mittel besitzen; denn mit dem Erwerb des Grundstückes, zumal wenn es noch nicht urbar gemacht, ist noch wenig gethan: die Geräthschaften, die Vorräthe, das unentbehrliche Vieh machen ein kleines Vermögen erforderlich, vorausgesetzt selbst, daß Haus und Stallung schon vorhanden; dazu nun, was zum Leben gehört, bis sich ein genügender Ertrag eingestellt hat oder wenn ein Mißjahr eintritt. 3) Wo also dies nicht genug vorhanden, muß eine ausreichende Subvention, und zwar auf längere Zeit dargeboten sein. Es ist nun nicht zu verkennen, daß die meisten jüdischen Colonien, die in den letzten Jahren gegründet wurden, in allen drei Beziehungen mangelhaft versehen waren. Was den ersten Punkt betrifft, so ist bemerkenswerth, daß die rumänischen Juden viel mehr Geschick und Arbeitsbefähigung erwiesen haben als die russischen Einwanderer, und da sie gemeinhin auch einige Mittel mitbrachten, so bestehen gerade ihre Colonien fort und bieten gute Aussichten. Es ergiebt sich dies daraus, daß aus Rumänien gerade die bemittelten Familien am ehesten ausmandern, während es den russischen Flüchtlingen an allem fehlt. Vereine hatten sich zur Förderung der Colonisation hierzulande genug gebildet, aber sie sind bald wieder verschwunden und ließen ihre Colonisten im Stich. Eine ähnliche Ausnahme macht die Montefiore-Society für Ackerbau, welche noch heute wohlthätig wirksam ist und an Mitteln gewinnt. Unter diesen Verhältnissen konnte es nicht ausbleiben, daß trotz des besten Willens, mit welchem die Colonisten an's Werk gingen, die meisten Colonien ein- oder doch sehr zurückgegangen sind und sich an ihrer Mitgliederzahl verminderten — hinzufügen muß man allerdings, daß in mehreren dieser Colonien sich Uneinigkeit einstellte und sie sich aus Unverträglichkeit auflösten. Dennoch darf man nicht übersehen, daß die Mehrzahl der Colonien sehr übereilt und ohne Sachkenntniß und Erfahrung angelegt wurden. Trotz alledem kann man überzeugt sein, daß die Sache der Colonisation nicht aufgegeben werden dürfe und brauche. Denn einige dieser Colonien haben alle Schwierigkeiten überwunden und zeigen einigen günstigen Fortgang. Es werden demnach auch noch immer Colonien angelegt; so im vorigen und selbst im laufenden Jahre. Wie bei allen-neuen Unternehmungen mußte man auch bei dieser Lehrgeld zahlen, und die nachfolgenden haben es besser und gehen sicherer. Hiermit habe ich Ihnen ein allgemeines Bild von dieser Angelegenheit entworfen; die Einzelheiten sind gleichgültig. Bonn, 7. November. (Notizen.) Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Wie verlautet, enthält das Testament des verstorbenen Freiherrn v. Rothschild die Bestimmung, daß 200,000 Mark an die israelitischen Armen und 100,000 Mark an die Armen aller Confessionen in unserer Stadt zur Vertheilung kommen sollen. — Wir entnehmen der „Franks. Ztg." vom 1. November: „Heute Nacht starb in Folge eines Schlaganfalles plötzlich der Privatier Nathan Löwenick, eine in hiesigen und speciell auch in journalistischen Kreisen wohlbekannte Persönlichkeit. Er hatte ursprünglich nur eine kaufmännische Ausbildung genossen, dieselbe aber durch Selbststudium mannigfach erweitert. Nach längerem Aufenthalte in Wien und Paris trat Löwenick dort als Unterbeamter der Agentur Havas ein, die ihn vielfach zu auswärtigen Missionen nach Pest, Rom, Turin re. re. verwendete, wozu ihn seine vielseitigen Sprachkenntnisse besonders befähigten. In Italien trat er in persönliche Beziehungen zu hervorragenden Staatsmännern, n. A. auch zu Cavour, ohne jedoch, wie einmal irrthümlich berichtet wurde, dessen Secretair gewesen zu sein. Seit Jahren lebte L. in seiner Vaterstadt Frankfurt und'war in Folge von glücklichen geschäftlichen Operationen zur Wohlhabenheit gelangt. Nebenbei beschäftigte L. sich noch besonders mit journalistischen Arbeiten und correspondirte bis in die neueste Zeit für die „Berliner Börsenztg.", als deren Vertreter er noch an den Festlichkeiten der Hafeneinweihung theilnahm. Auch die „Franks. Ztg." hat früher manche Mittheilungen, und in der letzten Zeit fast alljährlich Reisebriefe aus seiner Feder, zuletzt noch solche aus Skandinavien, veröffentlicht. L. war ein Mann von Geist und reich an Kenntnissen und Lebenserfahrung. Alle Diejenigen, welche ihm näher standen, werden ihm ein gutes Andenken bewahren." Ferner über die Bestattung Löwenick's vom 2. Nov.: „Eine sehr zahlreiche Menge von Leidtragenden folgte heute der Leiche des Herrn Nathan Löwenick. Den Gefühlen, welche der Tod des wackern Mannes bei seinen Freunden hervorgerufen, gab Namens des israelitischen Gemeindevorstandes Herr Emil Rosenthal Ausdruck, indem er insbesondere Löwenick's uneigennützige Thätigkeit im Interesse der Gemeinde und ihrer wohlthätigen Institutionen hervorhob. Speciell für das israelitische Gemeindehospital widmete Herr Dr. Kirchheim dem langjährigen Verwaltungsmitglied, das mit seinem scharfen Verstand stets das Richtige zu treffen und immer die Harmonie auch bei widerstreitenden Ansichten zu wahren wußte, warme Worte des Nachrufes. Am Grabe schilderte der Präsident des Kaufmännischen Vereins Herr Carl Ludwig Schäfer das eifrige Wirken des Verstorbenen zu Gunsten des Vereins, in welchem derselbe sogar eine engere literarische Verbindung leitete, und den er oft mit seinen Vorträgen erfreute; Herr Schäfer legte dann einen Kranz auf das Grab. — Am 10. d. M. wird

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