Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1886)
- Date
- 1886-11-16
- Page
- Seite 747 (sequence 11)
- Language
- German
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747 lich nicht hat; denn bis jetzt sind noch nicht einmal die 800 Juden naturalisirt, welche den letzten Krieg mitgemacht haben, obschon das Gesetz dies ausdrücklich vorschrieb. Gherghel hatte ferner geklagt, daß es noch viele jüdische Pächter und zwar von Staatsgütern gäbe. Bratiano beruft sich auf seinen Befehl, alle diese Pächter zu beseitigen. Es wird aber Wohl hierin abermals die Nothwendigkeit zu Ausnahmen zwingen, jüdische Pächter beizubehalten, wenn es keine andern giebt. Der Minister giebt auch Kenntniß von einer Uebereinkunft mit dem österreichischen Minister des Auswärtigen, daß in Oesterreich kein rumänischer Jude zugelassen werde, der nicht eine Bescheinigung vorweist, seinen Militärdienst geleistet zu haben, und ebenso soll es mit österreichischen Juden in Rumänien gehalten werden. Hieraus geht hervor, daß in der That gegenwärtig die rumänischen Juden zum Militärdienst herangezogen tverden; von ihrer Naturalisirung hat man noch nichts gehört — natürlich, Bratiano sieht zwischen Beiden gar keine verpflichtende Verbindung. Es ist völlig rumänisch, die Juden möglichst auszunutzen und dann bei Seite zu werfen. Endlich, und das ist das Curioseste, klagte Gherghel, daß die Juden der Moldau in allen Processen, die sie mit Christen führten, bei den Gerichtshöfen gewönnen. Dies ist gewiß wieder eine rumänisch-patriotische Unwahrheit. Es sind oft genug Berichte aus Rumänien nach dem Auslande gedrungen, wie Juden, die an Gut und Leben von Rumänen äußerst verletzt worden, kein Recht, keine Genugthuung erhalten konnten. Bratiano bemerkt hierzu, daß der Justizminister durch ein Circular alle Gerichtshöfe aufgefordert habe, über alle zwischen Christen und Juden geführten Processe tabellarisch Auskunft zu ertheilen. Man kann ohne alle Mühe aus dieser officiellen Auslassung auf die Lage der Juden in Rumänien schließen. Spanien. Madrid, 29. Oct. (Privatmitth.) Wer über die Verhältnisse unserer Glaubensgenossen in Spanien Mittheilungen machen will, dem bietet sich nur geringer Stoff. In allen Ländern, welche Jahrhunderte lang den Juden die Niederlassung verweigerten und ihnen neuerdings den Eintritt gewährten, hat man sich gar sehr getäuscht. Man glaubte, z. B. in Norwegen und Tyrol, und diejenigen, welche jene Erlaubniß bekämpften, machten es sogar als Gegengrund geltend, man glaubte, nun würden die Juden in Hellen Hausen nach diesen Ländern strömen und sie überschwemmen. Nirgends ist dies aber geschehen, und in den beiden genannten Ländern ist die Zahl der Juden immer noch eine sehr geringfügige. Dasselbe ist in Spanien der Fall, und wenn man nicht eine direkte Adresse an einen hier weilenden Israeliten hat, ist es schwer, einen solchen zu finden. Außer in Madrid begegnet man ihnen noch in den Hafenstädten, in Barcelona und besonders in Cadix, wohin sie öfter aus Nordafrika kommen. Aber auch diese ziehen Gibraltar unter englischer Herrschaft vor, wo sie bereits eine ganz stattliche Gemeinde bilden. In den südeuropäischen Ländern, schon in der Provence unterscheidet sich der jüdische Typus von dem der Eingeborerien durchaus nicht so bestimmt, um sie kenntlich zn machen. Der Jude stndet gegenwärtig in Spanien kein Hinderniß für seinen Aufenthalt; bleibt man den politischen Kämpfen fern, so kann sich hier Jedermann frei und unbelästigt bewegen. Er fällt den Leuten erst aus, weil er katholischen Gottesdienst nicht besucht, was übrigens jetzt von Spaniern selbst sehr häufig der Fall ist. Wir Juden können uns auch in einem Privatraume zu unserem Gottesdienste versammeln, ohne darin gestört zu werden; nur dürfen wir : damit in keiner Weise nach Außen treten. Zu den hohen Herbstfesten pflegt sich dann auch ein Minjan zusammenzufinden. Der Jude also, der nach Spanien geht, muß vor-! läufig, denn es könnte sich ja noch ändern, auf Alles verzichten, was ihm durch eine Gemeinde geboten wird. Sonst aber kann er hier, und so lange wie er will, ruhig verweilen. Im Allgemeinen kann ich noch hinzufügen, daß sich Spanien im letzten Zeitraum sehr gehoben hat. Handel und Industrie haben sich sehr belebt, die Landwirthschaft gebessert. Die Bewohner dieses in manchen Theilen sehr gesegneten Landes sind emsiger geworden, weil sie aus ihren Produkten größeren Nutzen ziehen, und fangen an, recht sorgfältig nach den Dingen zu forschen, die ihnen Vortheile zu bringen versprechen. Es wird auch in diesem Volke licht, man läßt etwas von den eingerosteten Sitten ab und in vielen Köpfen hat sich bereits eine ziemliche Aufklärung eingestellt. Es kann dies für die europäische Gesellschaft nur von großem Nutzen sein. Je mehr und je kräftiger die Faktoren der allgemeinen Cnltur und des Produktenaustausches werden, desto mannigfaltiger und ausgedehnter werden diese letzteren, j Jndeß kann man doch nur solchen Glaubensgenossen rathen, j nach Spanien zu kommen, welche einen bestimmten lohnenden : Erwerbszweig und einige Mittel besitzen, um es auszuhalten, bis sie einen genügenden Spielraum für ihre Thätigkeit gewonnen haben. Amerika. New-Nork, im October. (Privatmitth.) Sehr häufig gelangt von Europa die Frage hierher, wie es um die jüdische Colonisation in den Ver. Staaten stehe? Um einen günstigen Erfolg für Ackerbaucolonien erwarten zn dürfen, find die Bedingungen zu erfüllen: 1) daß die Colonisten den Ackerbau tüchtig verstehen und von kräftigem Körper 47*