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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-16 · Heft 47 (16.11.1886) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 47 (16.11.1886)
Date
1886-11-16
Page
Seite 740 (sequence 4)
Language
German
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740 endlich diese Loblieder zusammen, so bezeugen sie uns, wie sehr der Geist des ganzen jüdischen Volkes von der monotheistischen Gotteslehre erfüllt war, und zwar von dieser nicht als einem abstrakten Begriffe, sondern aus dem lebendigen Bewußtsein und Gefühl eines immer wirkenden, in allem Seienden und Geschehenden gegenwärtigen Gottes. (Fortsetzung folgt.) Die weltgeschichtlichen Heroen und die Zuden. 11. Zwei Jahrhunderte waren verflossen. Zwar hatten die Juden unter der persischen Satrapenwirthschaft Manches zu leiden; aber die Colonie erwuchs wieder zu einem zahlreichen Stamme, und die innere Organisation hatte Fortschritte gemacht. Da erschien Alexander der Große an der Spitze seiner Macedonier und Griechen, und brachte auch das persische Reich durch mehrere siegreiche Schlachten ins Wanken. Hierauf wandte er sich den Küstenländern und Egypten zu, traf aber in Phönizien, namentlich vor Tyrus, auf hartnäckigen Widerstand. Die Juden, den Persern ergeben, verhielten sich Anfangs gegen ihn zurückhaltend. Alsbald stellten sich ihre alten Gegner, die Samaritaner, dem Alexander zur Verfügung und sandten ihm 8000 Mann Hilfstruppen zu. Als nun Tyrus bezwungen war, kam Alexander auf seimem Weiterzuge auch in die Nähe von Jerusalem. Nach dem Berichte des Josephus zog der Hohepriester Jaddua, der die Gefahr erkannt hatte, in feierlichem Zuge, angethan mit dem Schmuck seiner hohenpriesterlichen Gewandung, mit den Priestern und Leviten in ihren weißen Kleidern, dem Alexander entgegen. Der Anblick des ehrwürdigen Greises besänftigte den großen Eroberer; er besuchte Jerusalem und den Tempel, ließ feierliche Opfer darbringen und bezeugte sich den Juden sehr wohlwollend. Da die übrigen Geschichtschreiber diesen ganzen Vorgang nicht erwähnen, hat man ihn neuerdings stark bezweifelt, noch dazu, da die Erzählung des Josephus mit vielem Wunderbaren an Traumgesichten und Erscheinungen ausgeschmückt ist. Jndeß muß sich doch der Bericht des Josephus auf Ueberlieferungen stützen. Ob Alexander nach Jerusalem gekommen oder ob der zeitige Hohepriester sich in dessen Lager begeben, ist insofern gleichgiltig, als es sicher ist, daß Alexander den Juden ihre Religionsfreiheit zusicherte und sie vielfach begünstigte. Gefördert wurde dies durch den Umstand, daß die Samaritaner sich gegen den Statthalter Alexanders, Andromachus, wegen dessen Erpressungen empörten und eine große Niederlage erlitten. Seit dieser Zeit sind sie geringer an Zahl geworden und wohnten vorzugsweise in Sichem bei ihrem Tempel. Den Juden gab aber Alexander einen Theil ihres Landes. Als der Macedonier zur Verbindung des Abend- und Morgenlandes die Stadt Alexandrien an der egyptischen Küste des Mittelmeeres gründete, verpflanzte er eine sehr bedeutende Anzahl Juden dahin und ertheilte ihnen gleiche Rechte mit den Griechen. So wurde diese Stadt ein Ziel der bald anwachsenden jüdischen Auswanderung. Erwägen wir alle diese Umstände, so muß es sich uns aufdrängen, daß die Berührung Alexanders mit den Juden für diese einen geschichtlichen Wendepunkt in zwiefacher Beziehung abgab. Einentheils war er es, der bei den Juden den ersten und nachdrücklichsten Anstoß zur Auswanderung gab, diesem für die Zukunft des jüdischen Stammes und des Judenthums selbst so überaus wichtigen Momente. Als die Nachfolger Alexanders andere große Städte gründeten, wie Seleucia, Antiochia u. A., versetzten sie ebenfalls bedeutende und rasch anwachsende jüdische Colonien dahin. Bald gingen sie von Egypten nach Libyen, Cyrene und Kreta und anderen ionischen Inseln, nach Hellas. Andrerseits wurden die Juden durch das Griechenthum vom Oriente ab- und zum Occidente hingelenkt. Vorzugsweise von Alexandrien aus breitete sich unter den Juden griechische Sprache und Literatur und selbst griechische Sitte aus. Aber auch die palästinensischen Juden konnten nicht frei davon bleiben, wie z. B. die vielen griechischen Namen, auch der Alexanders, erweisen, die wir seitdem bei den Juden gebräuchlich finden. Unter der späteren Herrschaft der Römer, welche das Hellenenthum in Borderasien beförderte, konnte sich dies nur mehren. Genug, von Alexander an hingen die Juden viel enger mit dem Abendlande als mit dem Morgenlande zusammen. Innerlich zwar ging der geistige Zug noch lange nach dem Oriente, so daß die talmudische Entwickelung später ihren Hauptsitz in dem Innern Asiens aufschlug. Alles Politische Interesse hingegen drängte sie nach dem Abendlande, und als die babylonische Leuchte erlosch, verpflanzte sich auch das geistige Leben der Juden nach Westen, bald ganz bestimmt nach den abendländischen Ländern. Von Alexander an war also die Richtung der jüdischen Masse nach dem Occidente, die orientalischen Glieder versanken nach und nach in Lethargie und starben zum Theile ab, namentlich im Osten Asiens, während sie sich über alle europäischen Länder und später über Amerika und Australien ergossen. Selbst nahe dem Ende des jüdischen Bestandes in Palästina erstand noch ein weltgeschichtlicher Heros, der sich den Juden aufs Wohlthätigste erwies und auf ihr Geschick einen großen Einfluß übte. Die römische Republik neigte sich ihrem Ende zu. Die gewaltige Hand Julius Cäsar's verdrängte seine Nebenbuhler und nahm die Zügel der ganzen Herrschaft an sich. Er drückte mit seinem mächtigen Geiste dem römischen Staate für dessen Folgezeit den Charakter auf: unbeschränkte Herrschaft des Imperators, völlige Unterwürfigkeit des Volkes in allen seinen Schichten und der unter-

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