Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 46 (9.11.1886)
- Date
- 1886-11-09
- Page
- Seite 732 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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732 hat also eine Ersparniß von 5 Tagen. Natürlich wird diese bequemere Verbindung dem Reisestrom nach Palästina förderlich sein und ebenso den Export nach Europa heben. Eine weitere günstige Wirkung wird die Eröffnung der Verbindung mit Jnnerasien und Indien durch die Bahn mit Bagdad haben, besonders für die Ausfuhr von Wein und Oel aus Palästina. Wesentlich günstiger wäre es noch, wenn die schon von dem berühmten Midhat Pascha projectirte Bahn von Antahie über Damaskus Jerusalem Gaza zur Ausführung käme, denn die selbe würde es möglich machen, von Berlin aus Jerusalem in 6 Tagen zu erreichen. Midhat Pascha ließ seiner Zeit, als er noch Statthalter in Damaskus war, alle Vorarbeiten zu dieser Bahn machen, und steht zu hoffen, daß dieselbe jetzt ebenfalls ausgeführt wird. Sie würde einen ungeheuren Umschwung aller Verhältnisse in Palästina und eine ungemeine Verbesserung der Lage unserer Glaubensgenossen herbeiführen. (Der Plan einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem ist schon mehre Male entworfen, aber immer wieder fallen gelassen worden. Red.) Bonn, 31. Oct. (Literarische Notizen.) Prof. Wellhausen hat eine Geschichte des alten Israels in drei Bänden componirt. Das Recept dazu ist einfach: man stellt einige hypothetische Kriterien auf, zerreißt die biblischen Schriften und setzt sie zusammen nach diesen Kriterien, und arbeitet nun aus diesem literarischen Conglomerat die Geschichte Israels nach dem subjectiv-kritischen Maßstabe heraus. Wellhausen hat dabei einige Ansichten Batke's zwar angenommen, die meisten jedoch umgestoßen. Dieses Schicksal haben aber schon Wellhausen's Ansichten auch durch Renan, Halevy und unsere Beurtheilung der jüngsten Renan'schen Schrift in dieser Zeitg. gehabt. Nun, was auch die Herren aus der Geschichte des alten Israels machen, leugnen können sie nicht, daß die h. Schrift diesem angehört, daß die monotheistische Gotteslehre mit allen ihren ethischen und socialen Consequensen in dieser ausgesprochen und vom Judenthume getreulich bewahrt worden, endlich daß das Christenthum und der Islam Töchterreligionen des Judenthums sind, die jedoch bei ihrem Eintritt in die heidnische Welt jene Lehre modificirt haben. Nach diesen Zugeständnissen können wir sie ruhig ihren kritischen Uebungen überlassen. Berlin, 28. Oct. (Literarische Notizen.) Die Schriften des hebräischen Literatur-Vereins Mekiza Nirdamim für den 2. Jahrgang (5647) sind bereits im Drucke so weit vorgeschritten, daß dem Programme gemäß die Versendung der Schriften noch vor Ablauf des Jahres 1886 s. G. w. wird erfolgen können. Es werden folgende Werke ausgegeben werden: 1) Pachad Jizchak, Band ti\ 2) Der Schlußband der Geonim-Bescheide. 3) Sammelband II, mehrere bisher unedirte Piecen aus Handschriften enthaltend. 4) Der Tarschisch, von Iba Esra, bearbeitet von Baron David von Günzburg. 5) Ein Theil des Mischna-Commentars von Maimonides zum nnnu no, edirt und revidirt von Dr. I. Derenburg. — Für den dritten Jahrgang werden bereits bedeutende Literaturwerke vorbereitet, worüber bei der Versendung ein eingehenderes Cirkular berichten wird. — Wer mit dem Beitrage (10 M.) für den 2. Jahrgang noch im Rückstände ist, wolle gef. die Einzahlung durch Post-Anweisung recht bald bewirken, da auch dieses Mal die Höhe der Auflage die Zahl der Mitglieder nur um einen geringen Theil übersteigen wird. Dr. Berliner, Krausnickstr. 8. Aeuilletou. Jüdische Alterthiimer in Derliu. Berlin ist keine alte Stadt. Aber bei dem großen Umschwung, den es in den letzten Jahrzehenden erfahren, bei dem Umbau, welchen die wachsenden Bedürfnisse des Verkehrs, der öffentlichen Gebäude und der Vermehrung der Wohnungen nothwendig machen, muß Vieles schon als alt und veraltet angesehen werden, selbst was erst der Zeit Friedrich des Großen entsprungen. Es mußte schon weichen oder wird in der nächsten Zeit verschwinden. Namentlich die prächtige „Kaiser-Wilhelmsstraße", welche die Linden mit dem Alexanderplatz in einer Linie verbinden soll, wird durch den ältesten Theil der Berliner Altstadt gebrochen, und Vieles muß deshalb niedergelegt werden, was zwar an sich der Beseitigung werth, aber geschichtlich oder als Culturbild vergangener Zeit nicht unbedeutend war. Es erwirbt sich daher der geistvolle Herausgeber der „Deutschen Rundschau", Herr Julius Rodenberg, ein Verdienst, wenn er in einer Reihe von Artikeln „Bilder aus dem Berliner Leben" die Veränderungen, die in allen Theilen Berlins, nicht blos in Gebäuden, sondern auch in Sitte und Geislesrichtung vor sich gegangen, schildert, und uns von dem, was in Berlin gewesen und jetzt ist, in seiner lebhaften und gemüthvollen Weise ein recht faßliches Bild entwirft, das späteren Geschlechtern Erinnerungen an das alte Berlin verschafft. So besaß Berlin bis jetzt auch seine jüdischen Alterthümer, die früheren Wohn-