Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 46 (9.11.1886)
- Date
- 1886-11-09
- Page
- Seite 731 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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731 Das Kriegsministerium hat verordnet, daß die jüdischen und karaitischen Soldaten an den Hauptfeiertagen der bezeichneten Confessionen vom Dienste dispensirt werden sollen und zwar für Juden 13, für Karaiten 8 Tage im Jahre. — Die Emigrationsidee nach Palästina nimmt bei der russischen Judenheit sogar in den Gelehrtenkreisen größere Dimensionen an. Die zahlreichen russischen Zweigvereine, „Chowawe Zijon", des Montefiore-Verbandes zur Beförderung der Judencolonisation in Palästina bemühen sich, die staatliche Genehmigung in Rußland zu erwirken, mit deren Erlangung Herr Alexander Zederbaum, Redacteur des „Hamelitz" in Petersburg von den Repräsentanten dieses Verbandes beauftragt ist. Die Aussicht auf Erfolg ist vorhanden. Die „Chedarim" und die „Jeschiboth" werden in Rußland geschlossen, auch sind die Lehranstalten für die Juden fast gesperrt; deßwegen thut es dringend Noth, die Selbsthilfe zu ergreifen und in den jüdischen Gemeinden Rußlands Schulen zu begründen, welche das jüdische Studium ermöglichen sollen. Wie in Turek eine solche Lehranstalt für die profanen Missionsfächer und für Talmud und Bibel u. s. w. von Herrn I. S. Lubliner gegründet ist, welche mit Erfolg gekrönt wird, so ist auch schon in Warschau eine solche jüdische Lehranstalt von Chaim Monikoff, in Bjelostok von CH. I. Kremer, beide mit Genehmigung der Regierung eröffnet worden. Besonders ist das mit Bewilligung der Regierung zu Odessa von Magister CH. I. Gurland eröffnete jüdische classische Gymnasium von acht Classen zu erwähnen, wo die jüd. Jugend in der Religion, im Hebräischen, in der jüd. Geschichte u. s. w. unterrichtet wird. Mögen diese Beispiele ferner in russischen jüd. Gemeinden zahlreiche Nachahmung finden und besonders diese Lehranstalten von den jüd. Knaben besucht werden. Moses Feinkind. Niederlande. Amsterdam, im October. Das Verbrechen bei den Juden: Aus einer Statistik der während des Jahres 1885 in dem ganzen^Königreich der Niederlande bestraften Personen ergiebt sich, daß im ganzen 16t) Israeliten 8,866 Protestanten und 5,655 Katholiken gegenüber stehen. Das Verhältniß ist auf Tausend 3,30 für die Protestanten, 3,00 für die Katholiken und 1,80 für die^Jsraeliten. Großbritannien. London, im October. Die Königin Victoria hat während ihrer langen Regierung sich stets geneigt gezeigt, die Verdienstes anzuerkennen, welche sich hervorragende jüdische Männer erwarben,^und machte hierin keinen Unterschied, ob das jeweilige Ministerium in den Händen der Whigs oder der Torys war. Wir erinnern z. B. an Salomons, Isaak Lyon Goldsmid, Moses Montefiore, Henry de Worms u. A. Ein gleiches hat sie soeben erwiesen, indem sie den Herren Serjeant Simon und Philipp Magnus die englische Ritterwürde verlieh. Wir brauchen kaum hervorzuheben, wie sehr sich der erstere in der Advocatur und im Parlamente auszeichnete, während der Andere auf dem Gebiete des gewerblichen und technischen Unterrichts Bedeutendes leistete. Beide Männer haben ihre Anhänglichkeit für die väterliche Religion vielfach erwiesen. Herr Simon gehört zu den Gründern der West-London-Synagoge und hat niemals verfehlt, im Unterhause für seine bedrängten Glaubensgenossen einzutreten. Herr Magnus hat eine Zeit lang ein synagogales Amt bekleidet. Palästina. Hamburg, 25. October. (Privatmitth.) Durch mehrere Zeitungen geht jetzt die Nachricht, daß sich die Türkei zum Bau eines umfassenden Eisenbahnnetzes entschlossen habe und darüber mit dem Ingenieur Keller aus Württemberg in Verbindung getreten sei. Daran werden Commentare geknüpft, die die Zukunft der asiatischen Türkei in rosigem Lichte erscheinen lassen. Die projectirten Linien sind folgende: Jsmidt Eshischehar Angora Diarbekr Mosul Bagdad Eshischehar Kutajah Kavahiffar Koniah Samsun Amasia Tokat Sivas Kaisarich Mudania Brussa Ainehjvl Bozuguk Adabazar Hendeh Boly Ergli Svedje Antahie Haleb Aintab Diarbekr. Die interessanteste davon ist die Linie Svedje Antahie Haleb, deren alte Namen heißen Seluccia, Antiochia, Aleppo. Diese Bahn berührt zwar nicht Palästina, aber deffen Nachbarprovinz Syrien und dadurch wird uns auch Palästina näher gerückt. Von Svedje ist nur eine Seefahrt von 2 Tagen, von Antahie oder Haleb eine Karavanenreise von 14 Tagen nach Jerusalem, während von Antahie per Bahn Konstantinopel in etwa 3 Tagen zu erreichen wäre. Während man also jetzt eine Bahnfahrt von l'/a Tag nach Triest und dann eine Seereise von 10 Tagen machen muß. um nach Jaffa, der Hafenstadt von Jerusalem, zu kommen, wird man, wenn die neuen Linien in Betrieb sind, mit der Bahn fahren Berlin Konstantinopel 2 Tage, Konstantinopel Svedje 3 „ zur See Svedje Jaffa 2 „ in Gumma 7 Tage, 46*