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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-09 · Heft 46 (9.11.1886) · p. Seite 727

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 46 (9.11.1886)
Date
1886-11-09
Page
Seite 727 (sequence 7)
Language
German
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laufe der Dinge den Anstoß gaben. Dies zu verkennen und jenen Heroen den weltgeschichtlichen Charakter abzusprechen, wäre geradezu kindisch. Die wirklichen Geschehnisse gestalten sich eben nicht nach voraüsgefaßten Ideen, sondern nach den realen Verhältnissen und nach dem in den Menschen lebenden Willen. Auch das israelitische Volk und der jüdische Stamm, so fern sie auf der großen Weltbühne standen und gehalten wurden, haben in ihren Schicksalen den Einfluß mancher dieser weltgeschichtlichen Heroen erfahren und fanden in den Entschlüssen rmd Thaten jener Wendepunkte ihres Geschicks. Wenden wir diesen einmal unsere Blicke zu. Berühren wir kurz diejenigen Herrscher und Eroberer, welche uns nur aus dem Helldunkel der Geschichte, aus der historischen Dämmerung entgegentreten, wir meinen Pharao, Salmanassar und Nebuchadnezar. — Ramses II. (Sesostris), der so große Kämpfe mit den vorderasiatischen Völkern, besonders mit den semitischen Stämmen, welche in der Nachbarschaft Egyptens ansässig waren und oft genug in Beduinenhorden in die egyptischen Marken eindrangen, zu führen hatte, mußte hierdurch bald hinsichtlich des in seinem eigenen Lande angesiedelten semitischen Stammes der Hebräer zu Besorgnissen über diese kommen (2 Mos. 1, 10) und gegen sie das beliebte Mittel des Alterthums anwenden, sie zu Frohndienern zu machen. Gerade hierdurch weckte er in den Israeliten den Drang nach Befreiung, das Verlangen, das Joch abznschütteln, aus dem Lande zu ziehen und eine eigene Heimath zu erwerben. Man braucht nur die Aeußerungen des Volkes während der Züge durch die Wüste zu lesen, um gewiß zu werden, daß ohne diese Knechtschaft die Israeliten für immer in Egypten geblieben wären. Pharao erzog sie zur Freiheit und Unabhängigkeit, und gab ihnen so den Anstoß zu ihrem ganzen zukünftigen Geschick. Wie Pharao am Anfang, so stehen Salmanassar und Nebuchadnezar am Endpunkt der ersten großen Geschichtsperiode Israels. Der assyrische König eroberte nach dreijähriger Belagerung (720 vor d. g. Ztr.) und zerstörte Schomron (Samaria), die Hauptstadt des Zehnstämmereiches, versetzte den größten Theil des Volkes nach den assyrischen Landschaften, verpflanzte Bewohner jener nach Samarien und bewirkte die Vermischung beider. So ging der Zahl nach der größte Theil des Volkes Israel verloren, mit Ausnahme derer, welche sich später mit den nach Jnnerasien verpflanzten Judäern vereinigten. Dasselbe Schicksal bereitete etwa 130 Jahre später Nebuchadnezar dem Reiche Juda. Der Gründer des chaldäischen Reiches, der das alte Babel zu einer niegesehenen Größe und einem ungeahnten Glanze erhob, wich darin von Salmanassar ab, daß er das Land Juda veröden ließ, aus welchem der Rest der Bewohner nach Egypten floh. Die jüdischen Exulanten verschwanden aber im babylonischen Lande nicht; der Kern derselben richtete sich an seiner Gotteslehre auf, und gewann sogar Einfluß bei den Herrschern Babels. Jedenfalls vernichteten diese beiden Eroberer die bis dahin von Israel so tapfer vertheidigte Selbständigkeit dieses Völkchens und seines Staates, und es bedurfte Jahrhunderte, ehe es jene Spannkraft wiedererlangte, mit welcher es den Syrern seine Freiheit abrang und, wenn auch nur auf kurze Zeit, einen freien Staat wieder gründete. In weit hellerem geschichtlichen Lichte erscheinen uns nun die Heroen des Alterthums, die sich dem jüdischen Stamme als Wohlthäter bewährten: Cyrns, Alexander der Große und Julius Cäsar. Für Cyrns bürgen uns Herodot, Xenophon und das Buch Esra, letzteres unterstützt von Jesaias II. Der Häuptling des persischen Volkes stürzte das medische Reich und zog mit seinem siegreichen Heere gegen das durch Ueppigkeit und Ausschweifungen entnervte Babel. Lange trotzte es mit seinen außerordentlichen Vertheidigungsmitteln dem Eroberer. Dieser wußte aber — über die eingeschlagenen Maßnahmen sind die beiden Geschichtsschreiber uneinig — über den Euphrat zu setzen und von zwei Seiten während eines Festes in die Stadt zu dringen. So fiel die chaldäische Herrschaft. In der Stadt wie in den Landschaften befanden sich die gefangenen Juden theils in gedrücktem, theils in erträglichem Zustande. In einer großen Anzahl derselben war deshalb das von Propheten geweckte Verlangen nach Rückkehr in das Land der Väter und nach Wiederherstellung Jerusalems und des Tempels lebendig. Es mochten wohl deshalb schon einige Verbindungen seitens der Exulanten mit dem Perserkönige stattgefunden haben; dem Cyrns empfahl es sich, nach den damaligen politischen Bräuchen, in jenem Küstenlande, durch welches er das Mittelmeer und Egypten 'erreichen konnte, durch die Rückkehr der Juden nach Palästina ein treuergebenes Volk zu haben, bereit, ihn nach Kräften zu unterstützen, Naturalien, Führer und Mannschaft liefernd. Er gewährte daher den verbannten Juden, in Masse nach dem verödeten Lande und den zerstörten Städten zurückzukehren, jenes wieder zu besiedeln, diese mit ihrem Heiligthum wieder aufzubauen und ihr Volksleben von .Neuem zu beginnen. Esra hat uns das von Cyrus erlassene Edikt erhalten. Es heißt (Esra 1, 2): „Also spricht Coresch, König von Paras: alle Reiche der Erde gab mir der Ewige, der Gott des Himmels, und selbiger befahl mir, ihm ein Haus zu bauen in Jeruschalajim, das in Jehudah ist. Wer unter euch von all seinem Volke, mit ihm sei sein Gott, und er ziehe nach Jeruschalajim hinauf, das in Jehudah ist, und baue das Haus des Ewigen, des Gottes Israels, das ist der Gott, der in Jeruschalajim. Und Jeden, der übrig blieb, aus all den Orten, woselbst er sich aufgehalten, ihn sollen die Männer seines Ortes beschenken mit Silber und Gold und mit Habe und Vieh, außer der freiwilligen Gabe für das Haus Gottes, das in Jeruschalajim." Die Hinweg-

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