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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-11-02 · Heft 45 (2.11.1886) · p. Seite 712

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 45 (2.11.1886)
Date
1886-11-02
Page
Seite 712 (sequence 8)
Language
German
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712 mittelter Eltern und nun reichte die Kraft eines Einzelnen um so weniger aus. zu helfen und beizustehen. Diesem Uebelstande sollte abgeholfen und eine Lücke in den Wohlthätigkeitsanstalten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde ausgefüllt werden. Der mitunterzeichnete Herr vr. G. Wolf, eingedenk des schweren Kampfes um das materielle Leben, den er selbst, als er 1839 nach Wien kam. zu führen hatte, hielt in dem Filialbethause I. Tuchlauben alter Musikvereinssaal, jetzt Mattonihof, am Neujahrsfeste 5622 (5. September 1861) eine Predigt, in welcher er auf das Studentenelend hinwies. Er erinnerte, daß es sonst fromme Sitte in jüdischen Gemeinden war, für die Jünger der Wissenschaft zu sorgen und legte den Zuhörern ans Herz, für arme Studenten etwas zu thun. Die Worte fanden mächtigen Widerhall in den Herzen der Zuhörer; sie wurden aber auch beifällig von jenen ausgenommen, die nicht Ohrenzeugen des gottesdienstlichen Vortrages waren, aber von demselben hörten. Als Bethaus- Vorsteher in der Filiale fungirte Herr Emanuel Biach s. A und dieser bot sich sofort an, für die Sache thätig zu sein. In gleicher Weise begrüßten die sel. Herren Prediger Mannheimer und Rabbiner Horwitz das Vorhaben und erklärten nach besten Kräften für dasselbe zu wirken. Prediger Mannheimer verfaßte nun einen Aufruf: „Bitte an wohlthätige Menschenfreunde", welcher von den genannten vier Herren Mannheimer, Horwitz, Biach und vr. Wolf unterzeichnet war, der gedruckt am Vorabende des Versöhnungstages den Andächtigen beim Eintritte in das Gotteshaus übergeben wurde. In dieser Bitte wurde hervorgehoben, daß es wünschenswerth wäre, wenn namentlich junge Leute bei der Gründung dieses Vereines sich betheiligen möchten. Dieser Appell war nicht fruchtlos, es fanden sich zwei junge Männer, die die gute Sache fördern wollten, die Herren Julius Ritter von Goldschmidt und Moritz Freiherr von Königswarter. Diese sechs Herren constituirten sich als vorbereitendes Comits. Dieses Comitä hatte nach zwei Richtungen hin thätig zu sein. Es mußte Mitglieder werben, die die Mittel gewährten, den geplanten Verein zu begründen und Statuten feststellen, welche die Aufgabe, den Zweck rc. des neuen Vereines umgrenzen und dessen Wirkungskreis kennzeichnen. Es war das eine schwierige Arbeit, welche sehr viel Zeit und Mühe in Anspruch nahm. Was nun den ersten Punkt betrifft, die Beschaffung der Geldmittel, so zeigte es sich, daß dem Vereine große Sympathien entgegengebracht wurden. Der Erste, Herr Jonas Freiherr von Königswarter, zeichnete einen Jahresbeitrag von fl. 50 und kaum waren drei Monate verflossen, seitdem die oben angeführte „Bitte" ausgesprochen ward und es konnte das Entstehen des Vereines in Folge der gezeichneten Beiträge als gesichert betrachtet werden. Am 5. December 1861 fand eine constituirende Generalversammlung der Gründer statt, welchen das Comit« den Bericht über den Erfolg der eingeleiteten Sammlung erstattete (die gezeichneten Jahresbeiträge von 145 Mitgliedern machten fl. 1926 aus); ferner wurde ein Statutenentwurf zur Berathung vorgelegt und schließlich sollte statt des provisorischen Comitss ein leitender Vorstand gewählt werden. Bei dieser Versammlung erschienen unter Anderen: Professor vr. Heinrich Auspitz, vr. Mor. Bardas, vr. L. A. Frankl, Moritz Ritter von Goldschmidt, Joseph Hieldburghäuser, Primarius vr. Heinrich Herzfelder, vr. Emanuel Schiffmann, vr. Ignaz Edler von Hofmansthal, A. M. Pollak, Ritter von Rudin, Max Ritter von Schnapper, Josef Ritter von Wertheimer, Leopold Ritter von Wertheimstein, u. s. w. Die Besprechung war sehr lebhaft und nahmen insbesondere die Herren Josef Ritter von Wertheimer und Leopold Ritter von Wertheimstein wiederholt das Wort. Als Resultat derselben heben wir folgende Momente hervor: 1. Es sollen zunächst jene Studirenden unterstützt werden, welche Rigorosen und Promotionen oblegen, um ihnen den Eintritt in das praktische Leben zu ermöglichen. Diese Studirenden sind nämlich während der Zeit, da sie sich für die Rigorosen und Promotionen vorbereiten, nicht in der Lage, einen Nebenverdienst zu haben, und ist auch nicht die Möglichkeit vorhanden, daß sie von dem Erläge der Taxen befreit werden. Damit jedoch kein Mißbrauch getrieben werde, daß etwa Studierende, die an andern Universitäten studirt haben, nach Wien kommen, um hier die Rigorosen und Promotionen abzulegen, weil sie eine Unterstützung gewärtigen, wurde bestimmt, daß nur jene Anspruch auf eine diesbezügliche Unterstützung haben, welche den größten Theil ihrer Studien an der Wiener Universität zurückgelegt haben. 2. Sprach sich die Versammlung für die Einberufung von Generalversammlungen nach je 3 Jahren aus. Diese Frage führte bereits im Schoße des Comitss zu lebhaften Erörterungen, da geltend gemacht wurde, daß derartige Versammlungen in der Regel nicht besucht werden. Man wollte jedoch den Mitgliedern das Recht der Controle wahren. Leider machen die Mitglieder, wie die Erfahrung lehrt, von diesem Rechte wenig oder keinen Gebrauch. 3. Schließlich wurde bestimmt, daß der Vorstand aus sieben Mitgliedern bestehen solle. Die Wahl fiel auf die Herren: Prediger Mannheimer, Rabbiner Horwitz, Eman. Biach, Julius Ritter von Goldschmidt, Moritz Freiherr von Königswarter, Wilhelm von Wertheimstein und vr. G. Wolf. Auf Grund der in der constituirenden Generalversammlung zum Durchbruch gelangten Anschauungen wurde vom neu gewählten Vorstande in Verbindung mit den Herren vr.

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