Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 45 (2.11.1886)
- Date
- 1886-11-02
- Page
- Seite 707 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227609-3227655--43938-3264328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
707 enthält in feierlicher Weise in nuce Alles, was den Lobgesang ausfüllt. Stellen wir ihn, da er kurz ist, hierher^ Hallelnjah. Lobet Gott in seinem Heiligthume, Lobt ihn in der Veste seiner Macht. Lobet ihn in seiner Allgewalt, Lobt ihn nach der Fülle seiner Größe. Lobt ihn mit Posaunenklang, Lobet ihn mit Harf' und Zither. Lobet ihn mit Pauk' und Reigen, Lobet ihn auf Saiten und Schalmei. Lobet ihn mit tönenden Cymbeln, Lobet ihn mit schallenden Cymbeln, Aller Odem lobe Iah. Hallelnjah. Der Ps. deutet in knapper Weise an, wo der Lobgesang angestimmt, was gefeiert werden soll, und am Schluffe wer den Lobgesang vollführen soll — ausführlich aber wie und auf welche Weise die Feier vorsichgehen mag. Der Ort sei der Tempel und die Natur; der erste wird charakteristisch durch mp, die zweite durch jrp-i bezeichnet. Schon in der mosaischen Urkunde wird die Identität Gottes in seiner Schöpfung und in der Geschichte und Offenbarung sowohl in der Lehre als durch die Institutionen aufs Nachdrücklichste hervorgehoben (man denke z. B. an die drei hohen Feste, die sich ebenso an die Natur, Aehrenmonat, Erstlingsfest und Erntedankfest, wie an die Geschichte Israels anschließen). Es sollte stets im Bewußtsein Israels leben, daß Gott, der das Universum geschaffen, Eines sei mit Dem, den Israel erkennen und anbeten solle. Hieran schließt sich ebenso kurz, was von Gott gerühmt werde: seine Allgewalt und Unendlichkeit, diese Unendlichkeit, die nicht blos darin besteht, daß Zeit und Raum vor ihm nicht vorhanden sind, sondern auch in seinen ethischen Vollkommenheiten, in seiner Heiligkeit. In größerer Breite (V. 3 — 5) wird nun aufgeführt, womit der Lobgesang vollzogen werde. Zunächst werden die Instrumente genannt, mit denen der Gottesdienst eingcleitet (Drommetenschall nsu?) und mit welchen er begleitet zu werden pflegte, Harfe und Zither. Dann wird der Lobgesang nach Außen verlegt, nämlich mit Pauke und Neigen, mit Schalmeien und Cymbeln. Reigen und Pauke, d. h. Tambourins, welche das Alterthum in der mannigfaltigsten Weise hatte, werden immer zusammen genannt, aber nicht im Tempel, sondern außerhalb desselben, auf den Plätzen und im Freien. Die anderen Instrumente sind nicht ganz sicher; die Cymbeln oder Becken waren bei den Alten sehr verschiedener Form, namentlich in der Höhe der Höhlung, bald mehr platt, bald kreisförmig, so daß die von ihnen hervorgebrachten Klänge mannigfaltig waren. Mit dieser Aufzählung der Instrumente wollte der Psalmist die Fülle der Freude und des Jubels bezeichnen, mit welcher der Lobgesang angestimmt wurde. Zum Schluffe wiederum kurz und bedeutungsvoll: aller Odem, alles was Seele nötw hat, lobe Gott. Man bemerke wohl, wie bei der Innigkeit und Kraft des Psalms jeder partikuläre und fanatische Zug fern geholten ist. Der Lobgesang wird nicht auf die Hallen des Tempels, nicht auf die Nation beschränkt, sondern alles Lebende soll den Herrn preisen, in der Natur wie im Tenipel. So endet das Psalmbuch mit der Aufforderung an die ganze Menschheit und mit der Einheit der Verehrung Gottes im Cultus und in ver Natur. Möchten zu dieser Erkenntniß endlich alle diejenigen kommen, welche der Religion Israels Separatismus und Ausschließung zuschreiben, während sie doch die Erzeugnisse des jüdischen Geistes bei ihrem eigenen Gottesdienste und in ihrer eigenen Religionslehre nicht entbehren können. Diese Grundzüge gehen auch durch die vorangehenden Psalmen unserer Gruppe. Ueberall wird Gott in der Natur und in der Menschenwelt, als Schöpfer und als Vorsehung gepriesen, in dem einen Lobgesang mehr von der einen, im anderen mehr von der anderen Seite, im keinen jedoch wird eines der beiden Momente ganz vergessen. Ps. 146 erhebt Gott als Beschützer und Helfer aller Nothleidenden und Schwachen. Der leidenden Menschheit gewährt er stets seinen Beistand. Darum fordert er zunächst zum Vertrauen auf Gott auf, welchem er das Vertrauen aus Menschen, namentlich auf Fürsten gegenüber stellt, die doch in kurzer Zeit vergehen. Der Gott aber, dem Jakob vertraut, ist es, der Himmel, Erde und Meer und alles was darinnen geschaffen hat, und der zugleich „Treue wahret ewiglich, der Recht schafft den Gedrückten, Brod den Hungrigen," und wie weiter ausgeführt wird, den Gefesselten, den Blinden, den Gebeugten, den Fremdlingen, den Wittwen und Waisen hilft; er ist es, „der die Gerechten liebt, aber den Weg des Frevlers führt er abwärts." Der Lobgesang ergeht sich also vorzugsweise auf Gott als den ewigen Regierer der Menschenwelt (B- 10). Der Sänger hat diese Retterkraft Gottes schon erfahren, und will deshalb Gott loben sein Lebelang (B. 12). Dieser Lobgesang bewegt sich also in den persönlichen Verhältnissen des Menschen. Hingegen der folgende Ps. 147 hat den nationalen Charakter. Wie wir schon erwähnt, feiert er Gott, der Jerusalem baut, seine Zerstreuten sammelt, seiner Thore Riegel festigt nnd seinen Bewohnern Segen spendet. Weiterhin preist er Gott als Offenbarer seines Wortes, seiner Lehre und Gesetze an Israel: „nicht that er also irgend einem Volke, und Rechte kennen sie nicht, Hallelnjah." Aber zwischen diese nationalen Aussprüche schiebt sich immer wieder die Berufung auf das Walten Gottes in der Natur. Nach dem ersten Satze wird auf Den verwiesen, „der den Sternen Zahl bestimmt, der den Himmel mit Wolken bedeckt," Gras sprießen läßt, dem Viehe Nahrung giebt. Hier schiebt der Sänger den Gedanken ein, daß Gott nicht an der Stärke 45*