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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-10-26 · Heft 44 (26.10.1886) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 44 (26.10.1886)
Date
1886-10-26
Page
Seite 698 (sequence 10)
Language
German
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698 Ministerium die Genehmigung dazu speciell erlangt wird. So haben bereits viele solcher jüd. Studirender, wie mir einer derselben mittheilte, mehrere Male bei dem besagten Ministerium um Gewährung der Fortbildung daselbst nachgesucht, aber keine Antwort erhalten. Auch die Zahl der jüdischen Aerzte und ihre Erlaubniß zum Verbleiben soll beschränkt werden. Bekanntlich dürfen nicht mehr als 5% jüdische Aerzte in dem Bezirk Petersburg fungiren. Es sollen die jüd. Aerzte aus den christlichen Spitälern in Petersburg ausgeschlossen werden. Ferner soll den jüd. Rechtsanwälten verboten werden, christliche Namen zu tragen. — Dem „Hazesirah" zufolge, wurden in Kijew abermals 62 fremdstädtische Juden, welche sich nur zeitweilig in den Gasthäusern befanden, ausgewiesen. — Die Polizei hat in Moskau und in Dover (an der Wolga) das alte Gesetz, nach welchem Juden keine christlichen Dienstleute halten dürfen, wieder in Erinnerung gebracht und die Juden aufgefordert, ihr christliches Dienstpersonal sofort zu entlassen. Moses Feinkind. Serbien. Belgrad, 23. Sept. (Arch. isr.) Die Israeliten Sernasinm, das früher ca. 100 Juden zählte, wurde in diesem! biens haben auch seit langen Jahren wegen ihrer Religion Jahre kein einziger Jude ausgenommen, obgleich die Zahl leiden müssen. Indessen haben sich seit der Thronbesteigung der die Anstalt besuchenden Juden auf 22 reducirt worden des Königs Milan Obrenowitz und seit der Annahme der österwar. Im II. Progymnasium befanden sich vor Kurzem reichischen Politik, an Stelle der bis dahin herrschenden russischen nahezu 50 jüdische Schüler, heute sind ihrer nur noch 9,! Politik, die Dinge bedeutend zu unserem Vortheil verändert, und auch über diesen schwebt die Ausweisung. — Der „Wos-! Heute steht uns ganz Serbien offen, während noch vor chod" schreibt, daß in diesem Schulsemester in das «Hebam-! einigen Jahren die Juden sich rechtmäßig nur in zwei oder men-Jnstitut" zu Petersburg keine Jüdinnen mehr zum Stu-! drei Städten aufhalten durften, und selbst in diesen Städten dium aufgenonimen wurden, obwohl die betreffenden einen gab es Hauptstraßen, welche gesetzlich Allen, die keine Christen, vollen Gymnasialcursus absolvirt hatten, wonach ihnen das unzugänglich waren. Recht zusteht, in Hochschulen ausgenommen zu werden. Da-1 Der König Milan, ein wahrhaft liberaler Herrscher, her führten die betreffenden Schülerinnen bei dem Stadtchef wollte, daß die Juden seines Reiches ebenso behandelt wür- Beschwerde, worauf ihnen eine abermalige Abweisung zu den, wie die der civilisirten Länder des Westens. Und sein ist sie morgen vergessen, aber es bleibt doch bei dem Publikum der Eindruck zurück und die allgemeine Meinung über das Judenthum entstellt und verdreht. Rußland. Turek, 8. Oct. (Privatmitth.) In kurzer Zeit werden für die Juden die Pforten fast sämmtlicher öffentlicher, mittlererer und höherer Lehranstalten in Rußland verschlossen sein. Es beginnen für die jüdischen Studirenden mit diesem Schuljahre verschiedene neue beschränkende Maßregeln, wonach Juden nur selten und nur mit den denkbar größten Schwierigkeiten in die Lehranstalten ausgenommen werden sollen. So haben z. B. mehrere Gymnasien und Progymnasien in der Residenzstadt Petersburg, welche bisher von einer starken Anzahl jüdischer Schüler frequentirt wurden, in diesem Schulsemester sämmtliche Juden ohne Ausnahme zurückgewiesen, trotzdem die sich Meldenden alle für Juden geltenden besonderen Aufnahmebedingungen erfüllten; nur einzelne Gymnasien haben mit Mühe und Noth einen oder zwei Juden zugelassen. Noch schlimmer ist, daß man im I. Gymnasium die jüdischen Studenten unter Vorwänden irgend welcher Art gänzlich ausgestoßen hat. Im VI. Gym- Theil ward. — Ebenso wurde in diesem Schuljahre kein einziger jüdischer Studirender zur Jmmatriculiruug in der „medicochirurgischen Facultät" zu Petersburg zugelassen. Bekanntlich ist hier auf directe Anordnung des Ministeriums für Volksaufkläcung die Zahl der jüdischen Studirenden auf 5 o/o sämmtlicher Studirenden beschränkt; jetzt aber ist der Procentsatz thatsächlich ein noch wesentlich geringerer. Bald wird auch der letzte jüdische Student der Medicin von der Universität Charkow verbannt werden. — Nach einem jüngsten Rescript des Kriegsministeriums an die „ militärische Medicochirurgische Akademie" zu Petersburg, wo wie eben erwähnt, die Zahl der jüdischen Studirenden auf 5v/o beschränkt ist, sollen von nun an sogar diejenigen Juden, welche diese Hochschule mit Auszeichnung absolviren, an dieser Anstalt nur dann zur weiteren Fortbildung verbleiben dürfen, wenn vom Kriegs- Wille wurde ausgeführt, trotz der Opposition von mehr als einem Würdenträger, welcher behauptete, daß es den Juden unmöglich sei, sich mit den Serben zu verschmelzen. Und die Juden, welche beweisen wollten, daß der König Recht habe, haben im Zeiträume von weniger als zehn Jahren, während welcher sie die bürgerlichen und politischen Rechte genießen, geistig solche Fortschritte gemacht, daß ihre christlichen Landsleute sie bewundern und beneiden. In zwei aufeinander folgenden Kriegen gaben die Juden glänzende Beweise von Muth, Tapferkeit und Patriotismus. Auch sieht man in der serbischen Armee eine große Anzahl unterer und höherer Offiziere, welche von ihren commandirenden Chefs sehr geliebt und von ihren Untergebenen sehr geachtet werden. Es giebt fast keine administrative oder gerichtliche Behörde, welche nicht einen Israeliten aufzuweisen hat. Die

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