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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-10-12 · Heft 42 (12.10.1886) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 42 (12.10.1886)
Date
1886-10-12
Page
Seite 667 (sequence 11)
Language
German
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667 Palästina. Berlin, im Sept (Privatmitth.) Die Kolonie Rischon Lezijon ist fast ganz und gar dem Weinbau gewidmet und gerade diese Art der Landwirthschaft verspricht in Palästina das beste Gedeihen. Die Reben gedeihen in dem Dorfe vorzüglich, während die Getreidefelder in diesem Jahre durch einen Sirocco sehr zu leiden hatten, und die Kolonisten geben sich den frohesten Hoffnungen für die Zukunft hin, ja sie sprechen schon mit Stolz von der Zeit, wo sie im Stande sein werden, so viele ihrer Stammesgenossen in Europa mit Wein, der von jüdischen Händen gebaut ist, zu versorgen. Die Weinberge sind allmählich sehr groß geworden und eine amtliche Quelle berechnete den Kolonisten den Ertrag für das Jahr 1889, wo zum ersten Mal alle Reben voll tragen werden, auf brutto 120,000 Mk. Davon gehen dann ab: 12000 Mk. Zehnten 18000 „ Weinsteuer Summa 30,000 „ Rest pro Jahr 90000 „ was auf 27 Familien vertheilt pro Familie 33OO Mk. ergiebt. Nun, so gut wird es ja nicht jedes Jahr werden, denn obwohl die Berechnung nur eine Mittelernte zur Grundlage nimmt, so kommen doch auch Jahre vor, wo die Weinberge gar keinen Ertrag geben. Deshalb soll nun 2/3 der obigen Summe gerechnet werden und ergiebt dies eine jährliche Durchschnittseinnahme von 22OO Mk. pro Familie. Hierzu kommt noch der Ertrag der Oelplantage von 2000 Bäumen, der Ertrag der anderen Fruchtbäume und der Erlös der beträchtlichen Milchwirthschaft, die die jüdischen Bauern treiben, so daß man die Einnahmen einer jeden jüdischen Familie auf ca. 3000 Mk. pro Jahr berechnen kann. Jeder Kundige wird uns beistimmen, daß solcher Erfolg der Colonisten bald zu einem respectablen Wohlstand verhelfen wird. Die Zahl der Bauern ist wieder gestiegen; es sind jetzt auf dem Dorfe 27 Familien mit 187 Seelen. In der Nähe von Rischon Lezijon hat ein reicher Glaubensgenosse ein großes Stück Land angekauft, das er in Parcellen sehr billig abgiebt, jedoch nur an solche, die sich über genügende Mittel ausweisen können, um sich auf ihrem Lande zu halten, bis der Boden den Unterhalt selbst bietet. Bonn, 3. October. (Notizen.) Die „Franks. Ztg." vom 26. September schreibt aus Frankfurt a. M.: Heute wurde die Leiche des Geheimen Sanitätsraths Dr/Maximilian Getz auf dem israelitischen Friedhof zur Ruhe bestattet. Der Sarg und der Wagen waren mit Blumen übersät. Eine große Menge Leidtragender folgte dem Leichenwagen; darunter der Herr Polizeipräsident, der Herr Oberbürgermeister, Magistratsmitglieder, Herr v. Madai und viele Berufsgenossen des Verstorbenen. Mehr als 50 Equipagen schlossen sich an. Auf dem Friedhof sprach zuerst Herr Director Dr. Baerwald, der die außerordentliche Freundlichkeit und Humanität des Verblichenen rühmte, dem das Seltene beschieden gewesen: er hatte keinen Feind. Von seinem Vater habe er das Streben nach edlem Wirken überkommen, auf der Universität die Liebe zur Einheit und verfassungsmäßigen Freiheit des Vaterlandes in sich ausgenommen. Als er seine medicinischen Studien in Prag und Paris fortgesetzt hatte, kehrte er in die Vaterstadt zurck, wo er bald Gelegenheit fand, in weiten Kreisen hilfreich einzugreifen, und namentlich den Armen zur Seite zu stehen. Sv war er gern ein Arzt des Waisenhauses, die Armenklinik war sein Lieblingskind, der Siegmund Stern'schen Waisenstiftung widmete er seine Thätigkeit, in den Kriegen organisirte er Lazarethe. Allen, die ihm nahe kamen» leuchtete ein Strahl des häuslichen Glückes, das ihm beschieden war und ihn stets auf's Neue zu gesegnetem Wirken ermunterte. Namens des ärztlichen Vereins widmete dem Hingeschiedenen Herr Dr. Altschul einen Kranz, indem er dessen selbstlose ärztliche Thätigkeit, wissenschaftliches Streben und seine Bemühungen zu Gunsten des ärztlichen Standes hervorhob. Herr Dr. Marcus schilderte die Verdienste des Verblichenen um den ärztlichen Pensions- und Hülfsverein, den derselbe heute vor zehn Jahren mitbegründete, und legte einen Kranz auf den Sarg. Herr Dr. Heinrich Schmidt überbrachte einen Lorbeerkranz im Aufträge des Vorstandes der Frankfurter Armenklinik, die Herrn Dr. Getz so viel verdankt. Herr Dr. E. Cohn spendete einen Kranz für den Verein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger. Herr Justizrath Dr. Fuld legte Namens der Sternschen Stiftung, deren Waisen der Verewigte ein Vater gewesen, einen Palmzweig auf den Sarg nieder, der hierauf zur Grabstätte gebracht wurde. Die Schollen rauschten nieder und die Erde schloß sich über den irdischen Ueberresten des verdienten Mannes. — Aus Budapest wird uns unter dem 24. September geschrieben: Vor einigen Tagen starb in Konstantinopel im Alter von 80 Jahren Herr Jsak Russo, der „Rothschild der Dardanellen". Bei seinem Leichenbegängnisse waren die meisten Behörden vertreten, auch die Consuln von Oesterreich-Ungarn, Spanien, Persien, Nordamerika u. s. >v. waren erschienen. Die ganze jüdische Gemeinde folgte der Bahre. Der Rabbiner und zwei Directoren der Schule der »Ulianos israelite“ hielten ergreifende Grabreden. — Dem Grafen Nissim Camondo, Sohn des Grafen Abraham Camondo in Konstantinopel, wurde das Großband des Medschidio-Ordens, und dem Secretär des Hauses Camondo, Victor Essendi, der Titel Aula zeuf Sani, was dem deutschen Titel Regierungsrath entspricht, vom Sultan verliehen. 4L*

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