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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-10-12 · Heft 42 (12.10.1886) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 42 (12.10.1886)
Date
1886-10-12
Page
Seite 666 (sequence 10)
Language
German
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b. I. beim Stadtgouverneur angelangten Copie des Ministeriums des Innern an das Polizei-Departement über die Rechtlosigkeit der ausländischen Juden beschloß daher die Handwerker-Uprawa, „sämmtlichen Handwerkern, welche ausländische Juden sind, sofort die Patente zu entziehen und deren Werkstätten polizeilich schließen zu lassen." Ferner wurden die Aeltesten der verschiedenen Innungen beauftragt, dem Amt über sämmtliche in Odessa befindlichen ausländischen jüdischen Meister, Gesellen, Lehrlinge und Arbeiter Listen vorzulegen und dieselben aus den Büchern der Innungen streichen zu lassen. An den Petitionen für diese Maßregeln sollen sich angeblich auch viele russische Juden betheiligt haben. Turek, 20. Sept. (Privatmitth.) Die oberste Leitung des Veterinär-Instituts zu Dorpat hat für gut befunden, keine Studirenden jüdischer Confession aus anderen Gouvernements mehr aufzunehmen, wenn sie nicht den ganzen Cursus eines Gymnasiums beendet und den Nachweis der Domicilberechtigung beigebracht haben. Natürlich war es bei der gegenwärtigen judenfeindlichen Zeitströmung zu erwarten, daß auch diese Beschränkung bei den übrigen Instituten dieser Art Nachahmung finden würde. So hat denn auck das Veterinär- Institut zu Charkow, wie dem „Woschod" geschrieben wird, in diesem Semester zahlreichen jüdischen Studenten die Aufnahme verweigert, weil sie nur — was bisher auch für die jüdischen Neueintreffenden genügt hatte — 6 Klassen der Realschule durchgemacht hatten; darnach wurde ihnen kein Aufenthaltsrecht während der Studienzeit zuerkannt. Auch wird in diesem Institut die „weise" ministerielle Verfügung ausgesührt, die Zahl der jüdischen Studenten auf 10°/« zu beschränken. —Der „Hamelitz" meldet folgendes: Der Generalgouverneur für Kaukasien hat an seine untergestellten Regierungsbeamten ein Cirkularschreiben ergehen lassen, worin er verfügt, daß nur diejenigen Juden in Kaukasien das Ansiedlungsrecht haben und in die städtischen Matrikel ausgenommen werden dürfen, welche hier schon seit den Jahren 1879 und 1880 ansässig und für den Handel und die Industrie nicht schädlich sind; die übrigen dort wohnenden Juden sollen ausgewiesen werden. Auch soll ein Verzeichniß sämmtlicher in der Provinz wohnberechtigter Juden nebst Angabe der Zahl ihrer Familienglieder dem Generalgouverneur vorgelegt worden. Die betroffenen Juden haben Berufung eingelegt. — Wie die hochosfiziösejuristische „Sudebnaja Gazeta" erfährt, sollen nächstens die Juden gänzlich vom Staatsdienst ausgeschlossen werden. Ferner soll die Zahl der jüdischen Studirenden in den juristischen Fakultäten und der jüdischen Advocaten auf einen gewissen Procentsatz normirt werden. Als sog. „geprüfte Winkeladvocaten" sollen keine Juden mehr zugelassen werden. So ging dieser Tage der jüd. Secretär des Dorfgerichtsamtes in Turek, CH., seiner Stelle verlustig. Er hatte nach bestandenem Examen als Winkeladvocat aus Empfehlung mehrerer Gerichtshöfe noch ausnahmsweise die Berechtigung erhalten; jetzt wurde ihm erklärt, als Jude dürfe er dieses Amt nicht mehr bekleiden. Moses Feinkind. Frankreich. Paris, 3. October. Die Verhandlungen über die zukünftige Behandlung der jüdischen Recruten aus Algerien sind noch nicht zu Ende geführt. Der Kriegsminister Boulanger hatte verfügt, daß von jetzt ob die Recruten der algierischen Inden nicht mehr nach Südfrankreich gebracht, sondern in ihrer Heimath eingestellt werden sollten. Hiergegen erhob der Generalgouverneur von Algier Einwendungen und legte dem Kriegsminister ein Memorandum vor, in welchem er die Gefahren, welche die Ausführung jener Verfügung mit sich bringen würde, darflellte, da die fanatischen arabischen Soldaten sich gegen die jüdischen erheben und dadurch unberechenbare tumultuarische Auftritte herbeigeführt würden. Die Entscheidung des Kriegsministers ist noch nicht erfolgt. — Die Frau Heine-Fourtado, welche, wiewir berichteten, die kürzlich eingeweihte neue Synagoge zu Versailles auf ihre Kosten gebaut und ausgeschmückt hat, überwies der jüdischen Gemeinde daselbst ein Capital von 150,000 Frcs., von dessen Zinsen die Synagoge unterhalten werden soll. Spanien. Madrid, 18. Sept. Ein Spanier Lopez Lapuya macht den Arch. isr. Mittheilungen über die Verhältnisse der Juden in Spanien. Nach Art. XI der jetzigen spanischen Verfassung ist cs Jedem gestattet, seinen Cultus zu üben, wenn es nicht öffentlich geschieht. So besitzen die Protestanten bereits eine größere Anzahl Capellen, in welchen sie bei Verschluß der Thüren ihren Gottesdienst gemeinsam abhalten. Gleiches ist auch den Juden erlaubt, und können damit eigene Schulen und alle sonstigen religiösen Institute verbunden werden. Er stellt auch eine Liste der gegenwärtig in Spanien weilenden Juden auf. Dieselben belaufen sich an den meisten Orten nur auf eine geringe Zahl, selbst in Madrid finden sich gegenwärtig nur 17 Männer und 14 Frauen; jedoch in Cadix 125 Männer und 84 Frauen, auf den Canarischen Inseln 33 Männer, 2 Frauen. In ganz Spanien leben 276 Männer und 130 Frauen jüdischer Religion. Amerika. London, 21. September. Aus New - Jork wird gemeldet, daß die Einwanderungs-Kommissare beschlossen haben, 70 mittellose rumänische Juden, welche mit dem Dampfschiffe „Egypt" von Liverpool angekommen waren, zurückzuschicken.

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