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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-10-12 · Heft 42 (12.10.1886) · p. Seite 664

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 42 (12.10.1886)
Date
1886-10-12
Page
Seite 664 (sequence 8)
Language
German
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664 Haus aus. Beim Weggange vom Altar prälndirte der Synagogendirector Herr Ed. Ringler auf dem vorzüglichen Orgelwerk, und mächtig rauschten die Akkorde der figurirten Königs- Hymne durch die Wölbungen des schönen Baues. Vom Neckar, 28. Sept. Der „Neckarzeitung" schreibt man: Nachdem die Petition des deutschen Thierschutzvereins bei dem Plenum des Reichstages unerörtert geblieben, so betreiben gegenwärtig wieder die deutschen Thierschutzvereine eine sehr lebhafte Agitation, um die Angelegenheit von neuem vor den Reichstag zu bringen. Dabei ist zu erwähnen, daß eine Gegenagitation in vielen israelitischen Gemeinden besteht Bereits 175 solcher Gemeinden hatten sich an den Reichstag gewendet und um Ablehnung der Petition der Thierschutzvereine gebeten, weil sie die Gewissensfreiheit der Bekenner des jüdischen Glaubens berühre und es dem rechtgläubigen Juden unmöglich sei, von der durch das Religionsgesetz aufs strengste vorgeschriebenen Schächtermethode abzuweichen. Auf eine Eingabe des zweiten Congresses der Thierschutzvereine an den Reichskanzler war seitens des Reichsjustizamtes 1882 die Antwort erfolgt, die vorgetragenen Wünsche sollten bei einer Revision des Strafgesetzbuches in Rücksicht gezogen werden. In Berlin hat sich zu einer der eifrigsten Förderinnen dieser Bestrebungen die bekannte Sängerin Lilli Lehmann!!! gemacht. Wie es heißt, soll der verstorbene Besitzer einer hiesigen stadtbekannten Singspielhalle dem Verbände der Thierschutzvereine ein großes Capital vermacht haben. (Wir machen die Gemeinden hierauf aufmerksam, um ihre desfallsigen Gegenpetitionen bereit zu halten. Der Reichstag wird Mitte November zusammentreten. Dann wird es darauf ankommen, bekannt zu geben, so bald der Thierschutzverein seine Petition an den Reichstag abgesandt hat, um sofort die Gegenpetitionen abgehen zu lassen. Red. d. A. Ztg. d. Jud.) Greifswald, 25. Sept. Der Herr Hofprediger Stöcker wollte in diesen Tagen die neuerliche Kräftigung seines Organs auch seinen etwaigen hinterpommerschen Glaubensgenossen zu Gute kommen lassen und kündigte daher an, daß er zur Feier des Jahresfestes des Vereins für Berliner Stadtmission in der Nicolaikirche zu Greifenhagen einen Vortrag zu halten beabsichtigte. Da machte — ein Zeichen der Zeit — der dortige Gemeindekirchenrath ihm einen vielleicht unerwarteten Strich durch die Rechnung, indem er mit großer Majorität beschloß, die Kirche zu diesem Zweck nicht herzugeben. Armer Stöcker! Vor 4—5 Jahren war Hinterpommern noch seine eigentliche Domäne. Die schönen Tage von Neustettin sind eben vorüber. (Frf. Ztg.) Oesterreich-Ungarn. Pest, 26. Sept. Die der gemäßigten Opposition angehörigen Abgeordneten antisemitischer Couleur und die Antisemiten der Unabhängigkeitspartei hielten jüngstens in Angelegenheit ihres Vorgehens bei den nächsten Reichstagswahlen eine vertrauliche Conferenz, in welcher beschlossen wurde, behufs einträchtlichen Vorgehens und unter Aufrechterhaltung ihrer Principien unv ihrer politischen Parteistellung sich zu verbünden. Behufs Feststellung der auf die Organisation bezüglichen Arbeiten findet am 28. und 29. d. eine Landesconferenz statt, die jedoch vertraulichen Charakters sein wird. Das Einberufungscomito wird in der Hauptstadt als „Reichstägiges Antisemiten-Executivcomito" eine Centralcanzlei errichten. Rumänien. Bukarest, 26. Scht. In ganz Rumänien gewinnt der Antisemitismus an Ausbreitung und es ist selbstverständlich, daß daher auch die antisemitischen Skandale an der Tagesordnung sind. Die wüstesten Scenen ereigneten sich aber vor einigen Tagen in Krajowa und da eine hinlängliche Schilderung derselben bisher in keiner europäischen Zeitung erschienen ist — warum, das mag man sich Wohl leicht denken — dürfte die nachstehende, aus eigener Wahrnehmung geschöpfte Darstellung wohl einigem Interesse begegnen. Am Sonntag, den 12. September, 8 Uhr Abends, fand in Krajowa die erste antisemitische Versammlung, gleichsam ein Epilog zum fehlgerathenen Bukarester Antisemiten-Congresse statt; Einberufer derselben waren die Herren Bntcnlesku, Mitglied des Senates und Priester Herr de Biez, Bevollmächtigter des Präsidenten der Alliance Anti-Israelite Universelle in Paris, des bekannten Herrn Drumont, Verfasser der Brandschrist „La France juive“. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden variirten alle das wohlbekannte Leitmotiv von der Gefährlichkeit und Schädlichkeit der jüdischen Raye und es wurde schließlich die Parole ausgegeben, man müsse den Juden den Aufenthalt zuerst in jenen Ländern, welche sich dem Antisemitismus ergeben, mit allen socialen und politischen Mitteln unmöglich machen und sie derart, nach dem Vorschläge des Herrn de Biez, nöthigen, nach Palästina auszuwandern. Freilich wollten dies die Redner der Zeit überlassen wissen; allein die an 2000 Menschen zählende, zumeist der niedrigsten Volksclasse angehörende Versammlung schien die tiefsinnigen und in hohem Stil vorgetragenen Ideen des Franzosen gründlich mißverstanden zu haben, denn in Hellen Haufen zog sofort nach Schluß der Versammlung das Auditorium gegen die Judengasse. Wie man sieht, folgte da die That den Worten auf der Ferse. Nachdem die Redner im Triumphe zu ihren Quartieren begleitet waren» zog die Menge unter Anführung des Popen Elektrie Petieskeu in die Judengaffe und begann dort unter fürchterlichem Gejohle ihr Zerstörungswerk. Die Fensterscheiben bei der Synagoge wurden zertrümmert, einer armen

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