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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-28 · Heft 40 (28.9.1886) · p. Seite 632

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 40 (28.9.1886)
Date
1886-09-28
Page
Seite 632 (sequence 8)
Language
German
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632 deß waren aber die Judenfeinde bei dem Zaren thätig gewesen, und hatten demselben die Ansicht eingeflößt, daß der Durchgang der Juden zur Cultur durch Schulen ein zweifelhafter wäre, daß vielmehr Gewaltmaßregeln angewendet werden müßten, um die Juden für die Staatszwecke zu gebrauchen. Hiermit fiel der Plan Uwarow's zusammen. Der Minister wurde in den Hintergrund gedrängt und die schweren Bedrückungen, welche sie unter Nikolaus' fernerem Regiment betrafen, nahmen ihren Anfang. Dieses Mißlingen kann uns nicht verhindern, das Angedenken des Grafen Uwarow zu feiern, gerade weil er unter den Rathgebern der russischen Krone im Geiste wahrer Aufklärung hinsichtlich der Juden eine fast einzige Ausnahme bildet. Wir besitzen noch an uns gerichtete Briefe, die in einem wahrhaft brüderlichen Tone sich aussprechen, und die uns deshalb noch heute theuer sind. Ehre seinem Andenken! — Zu der Notiz in Nr. 38 fügen wir hinzu, daß, wie man uns aus Frankfurt a. M. mittheilt, der Geh. Commerzienrath Gustav von Neufville dem israelitischen Mädchenstift eine Spende von 1000 M. hinterlassen hat. Solche beträchtliche Gaben von christlicher Seite sind eine seltene Erscheinnng. — Aus Jüchen (Rgbz. Düsseldorf) schreibt man uns: Am 31. August feierten die Eheleute Marx hier das 'Fest der goldenen Hochzeit im Kreise zahlreicher Kinder, Enkel und Verwandten. Wiewohl ein solches Ereigniß heute nicht mehr die allgemeine Aufmerksamkeit in dem Grade auf sich zieht wie früher bei der geringen Ausdehnung der Presse, so verdient doch diese Festlichkeit specielle Erwähnung, weil die überaus große Betheiligung unserer christlichen Mitbürger ein in unserer Zeit doppelt wohlthuendes Bild vollendeter Eintracht der verschiedenen Bekenntnisse gab. Die äußeren Veranstaltungen, in deren Mittelpunkt die wahrhaft erhebende Festrede des Herrn Oberrabbiner Dr. Horowitz aus Krefeld stand, waren dem Ganzen angemessen und würdig in ihrer Ausführung. — Man schreibt uns aus Mannheim, 15. September: Herr Rabbiner vr. Appel (Homburg v. d. H.), welcher am vergangenen Samstag (11. h.) hier eine Probepredigt hielt, ist heute zum zweiten Rabbiner der hiesigen Gemeinde und Director der zu gründenden Präparandenanstalt gewählt worden. — Das Asyl für die jüdischen Wittwen von Rotterdam, das unter dem Namen von Hofje van Jevrit de Koker bekannt ist, hat vor einiger Zeit sein hundertjähriges Bestehen gefeiert. Dieses menschenfreundliche Institut wurde im Juli 1786 von Jevrit de Koker gegründet, der sein ganzes Vermögen seiner Lieblingsschöpsung vermachte. Die Pensionäre, welche gegenwärtig 71 an der Zahl sind, erhalten außer der Wohnung und der Beköstigung eine monatliche Unterstützung. Die Wittwen, welche im Hause keinen Platz mehr bekommen können, nehmen Theil an der Geldunterstützung. Feuilleton. Ludwig Lowe's Hegräbniß. (Aus der „Boss. Ztg.") Die erste Gedächtnißfeier für den Verstorbenen war in Löwe's Hause in der Hollmannstraße am 12. Sept. Abends 6 Uhr von dem Arbeiter- und Fabrikpersonal veranstaltet worden. Inmitten eines Haines von Palmen und Blattpflanzen war der Sarg aufgebahrt. Auf beiden Seiten am Fußende brannten silberne Kandelaber, während zahlreiche gespendete prächtige Kränze und blumengeschmückte Palmen den Sarg und das Piedestal zierten. Unter diesen sind besonders Lorbeerkränze des Arbeiter- und Fabrikpersonals und des Stadtverordneten-Collegiums bemerkenswerth. Zur festgesetzten Zeit hatten sich im Saale und dem anstoßenden, gleichfalls mit Blattpflanzen, sowie der umflorten Fahne des Arbeiterpersonals geschmückten Gemache zweihundert Personen eingefunden, darunter Löwe's Bruder, die Aufsichtsräthe und einige der Familie näherstehende Freunde. Ein Theil der Anwesenden füllte Corridor und Treppen, während viele, die gekommen waren, um derFeier anzuwohnen, Raummangels wegen zurückgewiesen werden mußten. Ein Hymnus des Henneberg'schen Gesangvereins leitete die Feier ein, worauf Herr I. Löwe das Wort ergriff, um den Arbeitern und dem Personal die letzten Grüße seines Bruders zu überbringen. Herr Löwe schloß seine kurze Ansprache mit der Versicherung: daß er die Fabrik im Sinne seines Bruders fortführen werde. Ein Trauergesang des Henneberg'schen Gesangvereins schloß die kurze Feier, und einen letzten Blick auf die sterblichen Ueberreste des dahingeschiedenen, geliebten Fabrikherrn werfend, verließen die anwesenden Arbeiter tiefbewegt wie sie gekommen das Trauergemach. Das Begräbniß, welches am 14. Vorm, unter ganz außerordentlicher Betheiligung der Berliner Bürgerschaft stattfand, gab ein vollgültiges Zeugniß ab von den intimen Beziehungen, welche den nunmehr Heimgegangenen Freund mit dem industriellen, kaufmännischen, sowie mit dem ganzen öffentlichen Leben überhaupt verbanden. Die neue Synagoge in der Oranienburger Straße bildete den Mittelpunkt eines Hul-

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