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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-28 · Heft 40 (28.9.1886) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 40 (28.9.1886)
Date
1886-09-28
Page
Seite 629 (sequence 5)
Language
German
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629 geregt. Diesem Ansinnen wurde durch eine an die Landesstellrn ergangene Weisung entsprochen. Hiernach haben die politischen Behörden schon bei Ausfolgung der Reisepässe auf de» obgeschilderten Uebelstand Bedacht zu nehmen und außerdem die diesseitigen Staatsangehörigen vor leichtsinniger Auswanderung nach England ernstlich und eindringlichst zu warnen, wobei die betreffenden Individuen darauf aufmerksam zu machen sind, daß die Auswanderer in keinem Falle auf eine unentgeltliche Heimbeförderung rechnen können. Prag, im September. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten. Am 25. v. M. starb Herr Dr. Ludwig Tedesco im 71. Lebensjahre. Er stand nahezu zwanzig Jahre an der Spitze der Gemeindevertretung und war eine Reihe von Jahren Mitglied des böhmischen Landtages und des Landesausschusses. Seine vielfachen Verdienste hat Se. Majestät durch die Verleihung des Ordens der eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet. Herr Dr. Arnold Pick, Director der böhmischen Landes- Jrrenanstalt, wurde zum ordentlichen Professor an der hiesigen deutschen Universität ernannt. Unser Prediger Professor Dr. Kämpf wurde zum Gemeinderabbiner ernannt. Schweiz. Zürich, 12. September. Es gehört zur Signatur unserer Zeit, daß es keine Verrücktheiten giebt, die sich nicht der Oeffentlichkeit aufdrängen. Aber noch schlimmer als dies ist, daß sie Vermittler finden, die sie zur Oeffentlichkeit bringen und sie verbreiten. Dazu gehört eine jüngst in Bern erschienene Schrift eines Bummlers, die zu erwähnen nicht werth wäre, wenn sie nicht eben der späteren Zeit bezeugen sollte, wie weit es der moderne Antisemitismus im Unsinn und in der Verfälschung aller geschichtlicher?'Daten gebracht habe. Solche Dinge müssen wir durch Berichte darüber festnageln, damit unfern Nachfolgern der Beweis zur Hand sei, daß der Antisemitismus nur durch au Wahnsinn grenzenden Lug existiren konnte. Man schreibt unter obigem Datum der »Fr. Z.": Ein „Major Osman Bey", über dessen „Stamm und Art" keine völlig beglaubigte Aufschlüsse vorliegen, wollte letzte Woche in Bern große rothe Plakate anschlagen — einige Exemplare sandte er auch hierher — welche die Worte enthielten: „Der Sieger von Slivnitza geknebelt. Der Sieger von Kars und der Juden in die Straße geworfen. Ave Czar morituri te salutant." Natürlich bewilligte die Polizei diese Decoration der Bundesstadt nicht. Der dunkle Herr „Major", der seit einiger Zeit in der Schweiz weilend, bald da bald dort Vorträge über den Orient hält, veröffentlichte kürzlich auch Enthüllungen über die Ermordung Alexander II., eine Schrift, die des Albernen und Verrückten eine solche Fülle bietet, daß man nur staunen muß, wie eine ehrenwerthe Berner Firma den Verlag übernehmen mochte. Der Mann behauptet darin, er habe seinerzeit Kars erobert und später „der russischen Revolution das Rückgrat gebrochen", so daß die Krönung Alexander III. ungestört erfolgen konnte; den ersten Erfolg habe ihm der elende Armenier Loris Melikow unterschlagen und um die Ehre der zweiten sei er durch Herrn Giers gebracht worden. So hat man den „Sieger von Kars und der Juden in die Straße geworfen" und es wäre die Pflicht der Antisemiten, ihn aufzulesen, damit er die Arbeit fortsetze. Der Herr „Major" constatirt nämlich, daß die Revolution von 1789 das Werk der Juden war; daß die Bewegung von 1848 wiederum von ihnen ausging und in Paris glückte (weil dort die Juden Thiers und Odillon Barot heimlich schürten!), in Berlin aber an den Massen des deutschen Heeres und an dem eisernen Willen des Königs Wilhelm scheiterte; nebenbei erfahren wir, daß auch Renan und Victor Noir (jener junge Journalist, den Prinz Peter Napoleon niederschoß) zu den jüdischen Blutsaugern zählen, unter denen Frankreich seufzte. Cavour war nicht gerade ein Jude, aber dermaßen von jüdischen Rathgebern beeinflußt, daß man sagen könne, er habe sich „im Ghetto herumgetrieben". Doch der „Major" weiß noch viel Schöneres. Als der russische Attentäter Hartmann unter jüdischem Beistand aus Rußland nach Berlin geflohen war, empfing ihn dort Karl Marx mit offenen Armen und geleitete ihn nach Paris, ins Daheim der israelitischen Allianz, von welcher aus die ganze nihilistische Action inscenirt und geleitet wurde. Er, Osman Bey, begab sich mit einer lächerlich geringen Unterstützung nach Paris, entdeckte daselbst, daß die israelitische Allianz, in deren Lokal er gedrungen war, das eigentliche Arsenal des Nihilismus sei; sie hat Dynamit und Waffen nach Rußland geschickt, die Attentate arrangirt, im Lande selbst Comites und der Grenze entlang eine Kette revolutionärer Depots errichtet (sie sind alle aufgezählt), welche unter der Maske der Wohlthätigkeits - Bestrebungen wühlen. Kaum hatte aber der Herr „Major" den werthen Auftraggebern von seinem wichtigen Funde Mittheilung gemacht, desavouirten sie ihn und überließen ihn der Noth, während sie selbst die durch ihn gewonnene Aufklärung in persönlichem Interesse ausbeuteten! Schließen wir die traurige Lese; wir wollten nur bei Zeiten auf ein Werk Hinweisen, das in jeder Hinsicht so toll ist, daß es zweifelsohne gelegentlich von einem antisemitischen Historiker als „Quelle" verwendet werden wird.

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