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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-21 · Heft 39 (21.9.1886) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 39 (21.9.1886)
Date
1886-09-21
Page
Seite 621 (sequence 13)
Language
German
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621 chiffre an Stelle des Kreuzes darstellte. Nach dieser Zeichnung wurde die Deeoration angefertigt, ein Unikum in der großen Ordens-Musterkarte der Welt und dereinst ein Musealstück ganz besonderer Art. Wie der Leser sich wohl denken wird, können die Verdienste eines so behandelten Finanzmannes um die Dynastie nicht gering sein. Die Verdienste beginnen schon in Dessau, wo er das von seinem Vater ererbte Bankgeschäft noch jetzt in Ehren führt. Wie vor ihm sein Vater, war auch er ursprünglich nur Bankier des Herzogs von Dessau. Da kam das Jahr 1848 mit seinen plötzlichen Umstürzen und eines Tages brauchte der damalige Prinz von Preußen augenblicklich hunderttausend Thaler. Cohn streckte sie vor und der Prinz hat ihm dies später auch als König und Kaiser nicht vergessen. Dies war der Anfang der freiherrlich v. Cohn'- schen Größe. Cohn wurde Hofbankier und erhielt die Verwaltung des kaiserlichen Privatvermögens. Seitdem steht auf seiner Visitenkarte: „Königlich preußischer Hofbankier und Verwalter der Schatulle Sr. Majestät des Kaisers." Seitdem ist auch diese Verwaltung das Hauptinteresse seines Lebens; erst in zweiter Reihe kommen seine eigenen Geschäfte. Tag und Nacht denkt und träumt er nur davon, wie er der Schatulle seines Kaisers, den er förmlich anbetet, nützen möchte. Er hat ihr auch in der That in glänzender Weise aufgeholfen. Mit Erstaunen sah der Monarch unter Cohn's geschickten Händen vergessene Werthe wieder aufleben, nicht beachtete Hilfsquellen plötzlich ergiebig werden. Capitalien bildeten sich, wie von selbst, und Erträgnisse stellten sich wie durch einen Zauberschlag ein. Die kaiserliche Schatulle gedieh in ganz merkwürdiger Weise und immer häufiger sah der Monarch sich veranlaßt, an seinen Hofbankier eines jener kurzen Handbillets abgehen zu lassen, welche Cohn's höchsten Stolz bilden und in der Regel etwa lauten: „Mein lieber Cohn, Sie haben in dieser Angelegenheit wieder so große Dienste erwiesen, daß ich Ihnen meine Anerkennung nicht versagen kann. Ich bleibe Ihnen in Gnaden wohlgewogen. Wilhelm." Dabei ist zu bemerken, daß Cohn für seine Mühewaltung kein Honorar annimmt. Er dient seinem Kaiser als Freiwilliger, aus patriotischer Begeisterung, aus ganz specifischer Hingebung an dessen Person und Familie. Seine intimen Freunde kennen diese Gesinnung so genau, daß sie allen Ernstes behauptet haben, Cohn hege die Absicht, in seinem Testamente den Kronprinzen zum Universalerben einzusetzen und seine leibliche Tochter, eine in jeder Hinsicht vortreffliche Dame, auf ihren Pflichttheil zu beschränken. Der Kaiser weiß denn auch einen so treuen Diener nach seinem Werthe zu schätzen. „Da muß ich Cohn fragen," ist stets seine Formel, wenn es sich um einen finanziellen Schritt handelt und niemals ist sein unbeschränktes Vertrauen im geringsten schwankend geworden. Baron Cohn hat sein Dienstlocal im ersten Stock des ehemaligen Palais des Prinzen Friedrich, das der Kaiser gekauft und mit dem kaiserlichen Palaste verbunden hat. Der Hof-Staatssecretär v. Bork haust um volle zwei Stockwerke höher! Ursprünglich hatte man ihm wohl seine Bureaux in einem entlegeneren Tracte zugewiesen, er wurde jedoch beim Kaiser vorstellig darüber und versicherte ihn, es würde für die Majestät gleichsam beleidigend sein, wenn sie ihr Vermögen einmal sollte mit eigenen Augen inspiziren wollen und zu diesem Zwecke „da hinten 'rum" gehen müssen. Daraufhin bekam Graf Pückler die Weisung, für ein entsprechenderes Local zu sorgen. Der Kaiser verkehrt mit seinem Hofbankier überhaupt auch persönlich in der gnädigsten Weise, wie es eben der persönlichen Vertrauensstellung desselben entspricht. So manchesmal erzählt sich Berlin ein hübsches Wort, das bei solchen Anlässen gefallen. Einmal z. B. kommt Baron Cohn zum Kaiser, um ihm zu seinem Geburtstage zu gratuliren. „Ach Gott, mein lieber Cohn," bemerkt ihm der Kaiser, „die rechte Freude hat man doch nicht mehr, man wird eben trotz alldem von Jahr zu Jahr älter." — „Majestät," erwidert Cohn, das hat gar nichts zu sagen, „wir geben Sie doch nicht unter pari," Es versteht sich von selbst, daß diese Beziehungen auch bestimmend für Cohn's Verhältniß zur Berliner Gesellschaft sind. Er steht bei derselben, namentlich bei der amtlichen Welt, in keinem geringen Ansehen und der Finanzminister soll ihn mit besonderer Aufmerksamkeit behandeln. Indessen nützt er seine Stellung gesellschaftlich wenig aus. Er führt eine bei seinem Vermögen, das man jaus vier Millionen Thaler schätzen will, auffallend einfache Lebensweise. Obgleich er in Berlin ein schönes Haus besitzt, zieht er es vor, dasselbe zu vermiethen, und wohnt selbst zur Miethe in zwei simplen Parterrezimmern eines Hotels, so daß er eigentlich in Dessau bei seinem Bankgeschäft und nicht in Berlin zu Hause ist. Er bezahlt auf diese Art weniger Steuern und das entspricht völlig seiner Neigung zur Sparsamkeit. Ueber diese volkswirthschaftlich ganz schätzbare Eigenschaft muß er sich manchen Scherz gefallen lassen; aber das macht ihn in seinen Grundsätzen nicht wankend. „Aber Cohn," sagte ihm einst eine hochgestellte Person, die ihn besonders schätzt, „Sie leben ja wie ein Schuster, was machen sie denn mit das viele Jeld?" — „Ich vermehre es," entgegnete er kurz und bündig. Mit Vorliebe giebt er seinen Intimen, welche just nicht alle dem männlichen Geschlecht angehören müssen, kleine Diners, mit Champagner und Stadtneuigkeiten, welch' letztere er mit Erfolg cultivirt. Im Allgemeinen ist er ziemlich zurückhaltend, ja bescheiden in der Geltendmachung seines Einflusses. Man hat ihn z. B. wiederholt gefragt, warum er seinen Schwiegersohn, einen Breslauer Bankier O., nicht mit 'einem paffenden Titel, zum mindesten doch mit einem

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