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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-21 · Heft 39 (21.9.1886) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 39 (21.9.1886)
Date
1886-09-21
Page
Seite 616 (sequence 8)
Language
German
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616 Leo eifert gegen die gemischten Schulen. Es sollen nicht allein in den Elementarschulen, sondern auch in den höheren Lehranstalten nur „empfehlenswerthe" Lehrer angestellt, es muß aber auch den Heimstätten der Wissenschaften, besonders der „hochangesehenen katholischen" Universität zu Budapest der alte kirchliche Charakter in „internen, administrativen und lehramtlichen Angelegenheiten" strengstens gewahrt werden. Die Encyklika spricht deutlich genug und bedarf keines Commentars. Lemberg, 6. September. Meldung der „Pol. Korr.": In Folge der stetigen Zunahme der Anzahl der über die Bukowina und Galizien nach Amerika auswandernden rumänischen Juden sahen sich die Landesregierungen der beiden Provinzen veranlaßt, gegen die Eventualität der Niederlassung subsistenzloser Individuen dieser Kategorie gesetzliche Maßregeln zu ergreifen. Krakau, 8. September. Sämmtliche auf der Grenzstrecke bediensteten Polizei-Organe erhielten den Auftrag, die aus Rumänien auswandernden Juden zu überwachen, um deren Ansiedlung in Galizien zu verhindern. Italien. Mantua, 10. September. Der hiesige Großrabbiner Mortara feierte sein 50jähriges Amtsjubiläum, und erhielt zu dieser Gelegenheit Zeichen der Anerkennung und Verehrung aus allen jüdischen Gemeinden Italiens. Der ehrwürdige Greis verdient dies in der That, denn sein unermüdliches Streben für die Erhaltung und Befestigung des Judenthums hat die schönsten Früchte getragen. Durch seine vielfachen literarischen Arbeiten hat er in vielen Geistern das Verständniß der väterlichen Religion und die Liebe zu ihr geweckt und gestärkt. Was der Feier dieses Tages eine allgemeinere Bedeutung verlieh, war die ihm zugekommene Nachricht, daß im nächsten Frühjahr das neue Rabbinerseminar in Rom eröffnet werden würde. Alle Vorbereitungen dazu sind getroffen, und das Comite erließ einen Aufruf an die Gemeinden und Privaten um Geldbeiträge, die hoffentlich in genügendem Maße fließen werden. Der Jubilar selbst veröffentlichte zur Feier seines Ehrentages eine Schrift, die seinem Fleiße und seiner Sachkenntniß alle Ehre macht, nämlich: rri’Sü’N iddh rra.D, ein Verzeichniß aller jüdischen Schriftsteller Italiens mit biographischen und bibliographischen Notizen. Frankreich. Paris, 10. September. Im Tempel der rue de la Victoire fand zum Gedächtniß der Frau Baronin James von Rothschild gestern Nachmittag ein Trauergottesdienst statt. Alle Mitglieder der Familie Rothschild, die gegenwärtig in Paris sind, wohnten dieser Feier bei. Man sah dort sowohl alle Freunde der Familie wie die jungen Mädchen des Waisenhauses in der me Picpus, das von Frau von Rothschild gegründet worden. Eine beträchtliche Menschenmenge füllte den Tempel. Nach den Gebeten und Chorgesängen hielt Herr Zadoc Kahn, der Großrabbiner von Paris, eine Rede über Frau von Rothschild. „Wenn der Tod," so sagte er, „in ein Haus tritt und ein Stück Herz von uns davonträgt, gewährt es uns einen Trost, die Verdienste und Tugenden derer uns zum Bewußtsein zu bringen, die dahingegangen sind. Es ist als wenn diejenigen, welche wir verloren haben, noch unter uns weilen, wenn wir ihr Gedenken feiern. Deshalb hat die jüdische Religion uns eine Pflicht daraus gemacht, ihnen eine Gedenkfeier zu widmen." Der Großrabbiner sprach dann die Lobrede auf Frau von Rothschild, „welche nur die Gebete ihrer Religion als Gedächtnißfeier gewollt hat." Er beleuchtete die Stellung der Frau von Rothschild in der Familie, in der Religion, in der Gesellschaft, diese Stellung, welche ganz die der jüdischen Frau ist, wie die Geschichte sie uns darstellt. Eine solche, meine Brüder, fügt der Großrabbiner hinzu, war diejenige, die man die größte Jüdin der modernen Zeit genannt hat. Herr Zadoc-Kahn erinnert daran, daß Frau von Rothschild die Beschützerin der jüdischen Literatur, der gute Geist der Wohlthätigkeit gewesen ist, daß sie stets die großen Geister, welche der Menschheit zur Ehre gereichen, als „Männer Gottes" betrachtet hat und die Religion als ein Herzensbedürfniß und nicht als eine Last, deren man sich so schnell wie möglich entledigt. Der Großrabbiner von Paris sprach von den Wohlthätigkeitsanstalten, welche Frau von Rothschild gegründet. Die Ceremonien endeten mit Gebeten und religiösen Gesängen. (l-s Temps.) Rußland. Turek, 10. September. (Privatmitth.) Sie haben bereits die Bestimmungen mitgetheilt, welche jüngst in formulirten Paragraphen an die russischen Consulate im Auslande über die Gewährung von Reisepässen an ausländische Juden erlassen worden sind. Hierzu möchte ich noch einige Bemerkungen hinzufügen, um unsere Glaubensgenossen darauf aufmerksam zu machen, daß sie bei ihrem gegenwärtigen Aufenthalt in Rußland ganz denselben harten Ausnahmegesetzen hinsichtlich des Niederlaffungs- und Gewerbe-Rechts u. s. w. unterworfen sind, wie die inländischen Juden. Ja, in mehreren Beziehungen nehmen die ausländischen Juden noch eine viel beschränktere Stellung ein, als die inländischen. So z. B. wird jetzt den in Rußland wohnenden ausländischen jüdischen Kaufleuten nur die Führung von Exportgeschäften, d. h. der Handel mit inländischen russischen Produkten nach

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