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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-14 · Heft 38 (14.9.1886) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 38 (14.9.1886)
Date
1886-09-14
Page
Seite 600 (sequence 8)
Language
German
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600 Mehrt hat. Die Generalversammlung beschloß, aus dem Vereinsvermögen 500 fl. auszuscheiden und diese Summe zu Ehren des Präsidenten als „Szäntö-Stiftung" besonders zu verwalten. Nachdem der Vereinsleitung das Absolutorium ertheilt worden war, hielten der Fünfkirchner Lehrer Jakob Klingenberg und der Szolnoker Lehrer Eugen Szontägh fachliche Vorträge, worauf die Sitzung geschlossen wurde. Egrr, 29. August. (Boh.) Die gestrige Nummer der „Eger Ztg." wurde wegen wörtlichen Abdrucks einer seitens des hiesigen (antisemitischen) „Vereins der Deutschnationalen für Eger und das Egerland" dem Fürsten Bismarck zugesendeten Huldigungsadresse preßbehördlich konfiszirt. Gleichzeitig fand sich die hiesige Bezirkshauptmannschaft veranlaßt, die weitere Thätigkeit dieses Vereins einzustellen und die von demselben für heute in Mostau anberaumteWanderversammlung, bei welcher der Abg. Ritte: v. Schönerer sprechen sollte, zu untersagen. — Das Verbot erfolgte gestern Abend. Heute kam Schönerer an; er und seine Anhänger hielten heute Nachmittag in Mostau eine gesellige Zusammenkunft, die ruhig verlief. Anwesend war ein politischer Beamter in Uniform und acht Gendarmen. Schönhof bei Podersam, 20. August. Die in obiger Correspvndenz aus Wien erwähnte Wählerversammlung, in welcher der Abg. Krzepek seinen Rechenschaftsbericht ablegte, fand hier statt. Abgeordneter Krzepek unterließ diesmal auch nicht, die Agitationen Schönerer's zu besprechen. Er habe es bisher vermieden, dieser kleinen Fraction zu gedenken; es lehre ihn aber die Erfahrung, daß es an der Zeit sei, nun offen seinen Standpunkt gegenüber der Partei Schönerer darzulegen. Er erkläre offen, daß er sich mit dieser Partei nicht zu befreunden und nicht zu vereinigen vermag, und zwar weil er v. Schönerer nicht nur für einen Feind der deutsch-fortschrittlichen Bauernpartei, sondern auch für einen Feind des deutschen Volkes in Oesterreich erkenne. Das Programm der deutsch-fortschrittlichen Bauernpartei halte fest an der Freitheilbarkeit, Schönerer will dieselbe ruiniren; weil nun Schönerer ein Gegner der Freitheilbarkeit, so sei er auch ein Gegner des deutsch-fortschrittlichen Bauernprogramms, deshalb sei eine Einigung unmöglich. Andrerseits gefährdet Schönerer auch die Interessen des deutschen Volkes, und Redner müsse es ungescheut als einen Frevel bezeichnen, daß ein einzelner Mann sich anmaße, selbst an den Deutschen Schulverein, diese herrliche Schöpfung, die Axt zu legen. Schönerer hat sich seines schuldbaren Beginnens auch bewußt gefühlt, darum habe er auf die von ihm geschlagene Wunde ein hüllendes Pflaster gelegt, er habe den Schulverein für Deutsche ins Leben gerufen. Schönerer arbeite zum Gaudium unserer nationalen Gegner an der Zerklüftung des deutschen Volkes, und das ist ein Beweis, daß ihm sein persönlicher Ehrgeiz und die Befriedigung seiner maßlosen Eitelkeit ungleich höher stehen als die Jntereffen des deutschen Volkes. Er müsse übrigens hinzufügen, daß auf Grund aller mit Schönerer gemachten Erfahrungen die große Mehrheit des Parlaments bereits aufgehört hat, den Abgeordneten von Zwettl ernst zu nehmen. (Lebhafte Zustimmung und Beifall.) Auß Nordböhmen, 2. September. (Privatmitth.) Es wurde jüngst berichtet, daß der antisemitische Agitator v. Schönerer in den Städten und Ortschaften Nordböhmens herumgewandert ist, um Propaganda für seinen Judenhaß, seine landwirthschaftlichen Feudalansichten und die Verbrüderung mit den Czechen zu machen. Er hat aber keinen Erfolg gehabt, und gerade diese Verbindung reactionärer Ideen machte seine Pläne unwirksam. Einer der Führer der deutschen in Böhmen ließ sich darüber folgendermaßen aus: Es kommen moderne Ritter in unser Thal, und es soll vor acht Tagen ein solcher hier im benachbarten Praskowitz gewesen sein, der eine neue Heilpredigt für die Landwirthe hielt und mit genügender Selbstüberhebung die Mittel und Wege kennzeichnen wollte, wie den schlechten wirthschaftlichen Verhältnissen Abhilfe geschaffen werden könne. Er wollte uns aufklären über die Verhältnisse der Deutschen in Böhmen, er wollte uns aufklären über unser Verhalten den Czechen gegenüber, doch all' seine Rathschläge, die uns in wirthschaftlicher Beziehung um Jahrzehnte zurückbrächten, können wir entrathen. Man kann von seinem Vater Millionen geerbt haben und damit viel Spektakel machen, wie v. Schönerer, man muß aber deshalb noch nicht brauchbare Ideen in die Welt setzen können. Wir brauchen seine Rathschläge nicht, weil wir uns selbst zu helfen wissen, wir haben auch die Verpflanzung seiner Ideen nicht nothwendig , denn auch wir haben Ideen, sonst hätten wir uns in dem schweren nationalen Kampfe bisher nicht so wacker gehalten. Doch wenden wir unseren Blick ab von diesem Kometen, er wird verschwinden, wie er gekommen, seine Spur wird bald verwischt sein und höchstens der Nachwelt als Lächerlichkeit überbleiben. Frankreich. ' Paris, 2. September. Eine der edelsten und liebenswürdigsten Frauengestalten, deren Angedenken sich lange Zeit erhalten wird, hat der Tod dahin gerafft, die Frau Baronin Betty von Rothschild. Man schreibt hierüber: „Die Wittwe des Barons James Rothschild ist am 1. d. M., 83 Jahre alt, auf ihrem Schlosse zu Boulogne-sur-Seine gestorben. Sie war die Tochter des Wiener Bankiers Salomon, und Enkelin von Mayer Anselm Rothschild aus Frankfurt, dem ersten Bankier dieses Namens, und hatte ihren 1868 verstorbenen Onkel James, den Begründer des Pariser Hauses, geheirathet. Sie war seit einiger Zeit das älteste lebende Mitglied des Hauses. Von einer unerschöpflichen Mildthä-

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