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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-14 · Heft 38 (14.9.1886) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 38 (14.9.1886)
Date
1886-09-14
Page
Seite 599 (sequence 7)
Language
German
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m than, aber so Welt hat sie sich doch noch niemals gehen lassen. Dabei widerfährt ihr das Geschick, daß ihre eigene Tochter, die „Straßburger Post", sie verleugnet und ebenfalls die entgegengesetzten Ansichten kund giebt. Freilich hat sie hier das Unglück, einen David in der Redaction zu haben, und von Moses bis David ist es nicht weit. Wir glauben nun, daß der Antisemitismus aus solchen Auslassungen keinen Vortheil zieht, denn er kann in Deutschland durch ein derartiges gehässiges und geschmackloses Betragen nur immer verächtlicher werden. Würden die Juden Selbstachtung besitzen, so würden sie ein solches Blatt nicht mehr in ihre Hände nehmen. Man ist jetzt auf kein Blatt der Welt beschränkt; man findet in dem einen, was im anderen,steht, vielleicht einige Stunden später, je nach der Weltgegend, in welcher die Zeitung erscheint. Aber unentbehrlich ist keines mehr. Berlin, 5. September. (Privatmitth.) In unserer Zeit, wo neben der raffinirtesten Diplomatie und der politischen Parteiung die Stimmungen eine so große Rolle spielen, ist es wohl erwähnenswerth, daß sich zwischen der osficiösen und der freiwillig gouvernementalen Presse, ein für uns schätzenswerther Unterschied gezeigt hat, wir meinen zwischen der Nordd. Allg. Ztg. und der Köln. Ztg. Die letztere hatte bekanntlich in höchst frivoler Weise die Juden, d. h. die jüdischen Redacteure und Correspondenten deutscher Zeitungen für die Stimmung verantwortlich gemacht, welche sich in Deutschland für den Bulgarenfürsten Alexander geltend gemacht hatte. Dieser Lächerlichkeit machte sich das ministerielle Blatt, die Nordd. Allg. Ztg., nicht schuldig. Sie klagte vielmehr dafür die freisinnige, die ultramontane Presse und die Polen an. Jedenfalls giebt dies ein Zeugniß nicht bloß für die Einsicht, sondern besonders für den Mangel an Judenhaß des ministeriellen Blattes, also der leitenden Regierungskreise ab. Es ist kein schönes Zeichen der Zeit, daß man auf solche kleine Symptome achten muß; allein sie sind doch immerhin bezeichnend, und dies ist schon genügend. Der Köln. Ztg. fällt um so mehr ihre antisemitische Gesinnung und ihre geringe politische Einsicht zur Last, und bei dem Mangel an Streben, ihre Fehler wieder gut zu machen, bei der Eitelkeit dieser Zeitung läßt sich auf eine Besserung nicht hoffen. Der Schein der Unparteilichkeit, den sie sich oft zu geben sucht, wird nicht mehr täuschen. Frankfurt, 1. September. Die Kinder des verstorbenen Geh. Kommerzienraths Gustav von Neufville haben dem is raelitischen Hülfsverein (Verein zur Beschränkung des Wauderbettels) zum Andenken an ihren Vater tausend Mark als Geschenk übermittelt. Oesterreich-Ungarn. Wien, 2. September. (Privatmitth.) Auf antisemitischem Gebiete offenbart sich eine Erscheinung, die, wie ich glaube, Beachtung verdient. Wie man weiß, ist ein großer Theil der Deutschen Clubs im Abgeordnetenhause antisemitisch gesinnt, und bei verschiedenen Gelegenheiten haben es die Herren nicht verabsäumt, ihren Gesinnungen offen Ausdruck zu geben. Nun ist ein Umschwung eingetreten und die Herren Pickert und Genossen treten offen für die Juden ein. Und diesen Umschwung führte Herr v. Schönerer herbei. Er wollte es nicht zugeben, daß Juden an der Leitung des deutschen Schulvereines sich betheiligen oder daß der Deutsche Schulverein jüdische Schulen unterstütze, darauf aber wollte man nicht eingehen, und nun erklärte Herr v. Schönerer der Deutsche Schulverein sei „verjüdet", und daran nicht genug, hielt er jüngst in einigen Orten Nordböhmens Reden, in welchen er befürwortete, sich mit den Czechen zu verbinden und gegen die Juden zu ziehen. Hier schlug er den Deutschnationalen gegenüber, die früher mit ihm an einem Strange zogen, dem Fasse den Boden aus und an allen Orten kämpfen die Dentschnationalen gegen Schönerer und nehmen auch keinen Anstand für die Juden einzutreten. Bor einiger Zeit berichtete ich, daß ein Vorschlag gemacht wurde, ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Ein Pester jüdisches Journal hatte mitgetheilt, daß mehrere Herren Summen zur Errichtung eines jüdischen Gymnasiums in Pest zeichneten. Indem ich diese Nachricht reprodncirte, fügte ich sofort hinzu, daß ich sie bezweifle. Und mein Zweifel war vollkommen berechtigt. Wie ich nämlich von jener bewährten Seite höre, ist diese Mittheilung vollständig erfunden. — Neugierig darf man aber sein, welchen Erfolg der Erlaß des Herrn Unterrichtsministers Trefort in Betreff des Schreibens der Schüler am Sabbath haben wird. Es werden jetzt die Schulen beginnen und da muß es sich zeigen. Die jüdische Gemeinde zu Serajevo richtete an das hiesige Rabbinat folgende Anfrage: Es starb jüngst ein jüdischer Soldat daselbst, welcher auf dem dortigen Militärfriedhofe begraben wurde. Es fragt sich nun, ob es nicht angezeigt sei, die Leiche zu exhumiren und sie auf dem jüdischen Friedhofe zu bestatten. Eine derartige Frage wurde vor einiger Zeit von den Herren Lehrer Weiß und Friedemann in ihrer Zeitschrift nD^n rra erörtert. Diese Herren sprachen sich dahin aus, falls beim Leichenbegängnisse nicht christliche Embleme, Kreuz rc. angewendet werden und das Grab nicht mit ähnlichen Zeichen geschmückt wird, so sei nichts dagegen einzuwende». Pest, 19. August. (Privatmitth.) Der ungarisch-israelitische Landes-Lehrerverein hielt heute unter dem Vorsitz Eleasar Szäntös seine Generalversammlung. Die Zahl der Mitglieder des Vereins hat sich während der letzten drei Jahre von 240 auf 354 erhöht. Dem entsprechend weist auch die Finanzgebahrung bessere Resultate als bisher auf, indem sich das Vereinsvermögen um 7807 fl. 77 kr. ver-

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