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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-14 · Heft 38 (14.9.1886) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 38 (14.9.1886)
Date
1886-09-14
Page
Seite 598 (sequence 6)
Language
German
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598 schen, das Leben der Thiere zum eigenen Genüsse zu zerstören, bloß in der ethischen Persönlichkeit ihren Grund hat, und daß er durch die Entwürdigung derselben sein Hoheitsrecht über die Thiere verliert, so wird uns klar, mit welcher Sorgfalt wir unsere Menschenwürde zu wahren und uns zu hüten haben, die vom göttlichen Gesetze gezogenen Schranken zu überschreiten. Der erste Fehltritt schon wäre ein Eingriff in das Herrscherrecht des Weltschöpfers, der unsere Macht über seine Geschöpfe begrenzt und durch seinen göttlichen Willen beschränkt hat. Ein Ueberschreiten dieser Grenze müßte uns das Mißfallen der höchsten Heiligkeit zuziehen und wäre darum dem Sittengesetze widersprechend. „Das Wort Gottes: wie das grüne Kraut habe ich Euch Alles gegeben, ist nicht so aufzufassen, als wäre hiermit dem Menschen über die Thierwelt eine solche unbedingte Herrschaft eingeräumt, wie über das Pflanzenreich, nein, die Herrschaft über die Thiere ist eine begrenzte und beschränkte; die erste Schranke ist darin zu sehen, daß nicht alle Thiere, sondern nur jene zum Genießen erlaubt sind, die in der Thora angeführt oder durch bestimmte Merkmale bezeichnet sind. Die zweite Beschränkung liegt darin, daß selbst von den erlaubten Thieren nicht alle Theile genossen werden dürfen. Dahin gehören die von einem lebenden Thiere abgesonderten Theile, ferner die Spannader, der Unschlitt und das Blut; endlich ist auch die Tödtungsart der zur Speise dienenden Thiere an gewisse Gesetze gebunden." — Der Leser sieht, daß auch in diesem Kapitel, wo die Veranlassung, über die Halacha zu sprechen, so reichlich geboten war, der Vers, so gut wie gar nicht darauf eingeht. In einer Anmerkung spricht er noch kurz über die Entziehung des Blutes und über das Schächten, aber nicht einmal der so hoch zu schätzenden np'i2, d. i. der Untersuchung auf die gesundliche Beschaffenheit, erwähnt er, die doch vom Standpunkte der neuern Wissenschaft revidirt, für alle Welt ein Bedürfniß wäre; ebensowenig der tief einschneidenden Unterscheidung zwischen „Fleischig" und „Milchig". — Es wäre ganz irrig, wenn man annehmen wollte, daß unsere Beurtheilung der vorliegenden Schrift aus der principiellen Meinungsverschiedenheit entspringe, die zwischen unserem Autor und uns über Zweck, Tendenz und Charakter der Halacha besteht. Diese hat mit jener nichts zu schaffen. Die Schrift des Herrn Prof. Dr. Bloch bringt uns populäre, mit frommem Geiste abgefaßte, moralische Auseinandersetzungen über die biblischen Gesetze, hier und da mit einem Spruche des Maimonides geschmückt, aber eine „Ethik in der Halacha" ist sie nicht. Nicht einmal so weit, daß sie für eine zukünftige Bearbeitung dieses bedeutsamen Gegenstandes Material liefere. Denn der Nachweis, wo im Talmud „die halachischen Vorschriften" zu finden seien, ist für den Sachkundigen entbehrlich. Allerdings ist die richtige Bearbeitung dieser Aufgabe eine sehr schwierige, wenn sie eben nicht mit allgemeinen Phrasen abgethan sein, sondern in gründlicher und gewissenhafter Weise der ethische Gedanke, wie er von der heiligen Schrift ausgegangen und in der Weiterentwickelung der Halacha fortgebildet worden ist, verfolgt werden soll. Dies ist aber um so schwieriger und erfordert Umsicht, Scharfblick und Unparteilichkeit in hohem Grade, als es psychologisch feststeht, daß, je mehr ein Gesetz specialisirt, ins Einzelnste zerlegt und casuistisch behandelt wird, der ethische Gedanke sich immer mehr verliert, da vielmehr die Logik und der juridische Scharfsinn vorherrschen. Diese Erkenntniß muß uns klar werden, und wir verlieren durch sie nicht allzuviel, weil schließlich die talmudische Ethik doch vorzugsweise in der Agada und dem Midrasch und hier in überreichem Maße, enthalten ist. Deutschland. Berlin, 2. Sept. (Privatmitth.) Der schmähliche Artikel der „Köln. Ztg.", in welchem sie ihre Gegner in den bulgarischen Angelegenheiten bemauschelt, ohne auch nur den geringsten Gegengrund gegen sie anführen zu können, wird nicht so bald vergessen werden. Die, um das mildeste Wort zu brauchen, unwürdige Ausdrucksweise bezeichnet den wirklichen Charakter dieses Blattes. Mehr aber noch bekundet sie, daß sie völlig in das Lager der äußersten conservativen Partei übergegangen, und mit der Kreuzzeitung concurrirt. Während die „Nordd. A. Ztg." die Gegner in der Anschauung Über die Vorgänge auf der Balkan-Halbinsel auf die „ultramontane und freisinnige Presse" zu beschränken sucht, geht die „Köln. Ztg." noch weiter, und will die Opposition gegen ihre durch die Thatsachen dementirten Meinungen auf die Juden allein zurückführen — während doch mit Ausnahme der Reptilienpresse die gesammte deutsche Publizistik ihr gegenüberstand, selbst ein Theil der conservativen Presse, wie die amtlichen Blätter der sächsischen Regierung. Diesen Versuch, der deutschen Nation ihre gesammte Presse, und besonders den liberalen Theil derselben als eine jüdische zu insinuiren, und zugleich den deutschen Liberalismus für Parteisache der Juden auszugeben, muß zwar als gescheitert angesehen, kann aber der „Köln. Ztg." in Zukunst nicht vergessen werden. Allerdings hat sie dies schon öfter ge-

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