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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-07 · Heft 37 (7.9.1886) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 37 (7.9.1886)
Date
1886-09-07
Page
Seite 587 (sequence 11)
Language
German
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587 nene Milch nach Jaffa. Es leben in diesem jüdischen Dorfe zusammen 135 Personen, darunter ein Schauchet und ein Lehrer, außerdem ist ein Gemeindehaus und ein Bad vorhanden und hat jede Familie ihr eigenes Haus. Erwähnenswerth ist noch, daß die Colonie durch einen Olivenwald in beträchtlicher Ausdehnung geschmückt ist und unter dem Protectorat des erwähnten Pariser Wohlthäters steht. Rosch Pino liegt zwischen Safed und Acco, ist 1883 gegründet und wird von 44 Familien, gleich 168 Seelen, bewohnt, und wird dort sowohl Getreideals Weinbau mit Erfolg betrieben. Auch hier hat jede Familie ihr eigenes Wohnhaus, und sind Synagoge, Gemeindehaus, Schule und Badeanstalt vorhanden. Eine bei der Colonie fließende Quelle versorgt das Dorf mit Wasser und ist der Erwerb derselbe als auf Rischon Lezijon. Der Vorsteher dieser Colonie ist von dem Wohlthäter in Paris eingesetzt, der auch diese Gründung lebhaft unterstützt. Sichren Jacob wurde 1882 durch rumänische Juden begründet, dieselbe liegt zwischen Chaifa und Jaffa und ist die größte Colonie im heiligen Lande, von 82 Familien, gleich 360 Seelen bewohnt, deren Contingent größtentheils aus Handwerkern besteht, sind sie im Stande alle Arbeiten auf der Colonie selbst zu machen, so daß sämmtliche Reparaturen an Gebäuden und Geräthen auf der Colonie selbst ausgeführt werden, außer nöthigen Wohngebäuden und Stallungen finden wir noch 1 Schule mit 2 Lehrern, eine Synagoge und Badeanstalt, auch ein Gärtner ist zur Unterweisung der Colonisten angestellt, die Weizen, Gerste, Wein und Oliven bauen, auch von Fruchtbäumen verspricht man sich guten Erfolg und wird Schafzucht dortselbst des Wollertrages halber betrieben; trotzdem die Colonie noch nicht ganz eingerichtet, weil noch nicht alles dazu gehörige Land bebaut ist, ist der Zustand immerhin ein guter. Ekron ist die jüngste, aber bestorganisirte Gründung, liegt in der Nähe von Jaffa und wird von 15 Familien mit 147 Personen bewohnt, der Boden eignet sich vorzüglich zu Getreide und war der Ernteerfolg des zweiten Jahres ein so guter, daß die Colonisten die Unterstützung entbehren konnten, doch wurde sie denselben nicht entzogen, auf Bestimmung des Gründers der vorigen Colonien hin, zur Beschaffung für eine Maschine zur bessern Bewässerung, Vieh und Wagen verwendet. Noch zu bemerken ist, daß jede Familie einen Weinberg erhalten, der mit Oelbäumen, Ethrog und viel (Monden) Lemonen bepflanzt, und daß bereits ein Wäldchen mit 1800 Kaliptenbäumen bereits angepflanzt ist, und noch vergrößert werden soll, weil dasselbe Schutz gegen Fäulniß bietet. Die Schule wird durch einen Lehrer geleitet, und ist auch dort Schächter, Synagoge, Gemeindehaus und Badeanstalt vorhanden. Pethach Tikwah war in ersten Jahren durch Strapazen | und Entbehrungen in große Bedrängniß geräthen und ging ein Theil der Ansiedler wieder nach Jerusalem zurück, doch unterstützte der Monteforieverband die Colonien reichlich und gedeihen sie seit dem vorigen Jahre vortrefflich. Genau ebenso verhält es sich mit den kleineren Colonien Gadavah und Jessud Hamaaloh, die seit dem vorigen Jahre durch die thatkrästige Unterstützung des Monteforieverbandes im Aufblühen sind. In Arbil bei Safod ist eine Colonie von 40 Familien, von vermögenden russischen Juden im vorigen Jahre neu gegründet worden, und sind die Ansiedler so gestellt, daß sie keine Unterstützung annehmen. Beithjehudah ist eine Colonie Eingeborener, Safudajuden, die Land in Basan kauften, sich aber aus Mangel an Mitteln nicht ansiedeln konnten. Vor einigen Monaten vermachte ein Amerikaner Simon Sampson 50,000 Dollars für das heilige Land, welche für diese Colonie bestimmt wurden, und ermöglichten, daß sich abermals 30 Familien ansiedeln konnten. Mikwah Israel ist die größte Ackerbauschule der Alliance, die auch als Mustercolonie betrachtet werden kann. Eine Anzahl von Besitzungen sind noch in Händen vermögender Juden, die dieselben durch Araber bewirthschaften lassen, doch werden sie im Laufe der Zeit durch jüdische Arbeiter ersetzt. Gewiß werden Manchem die errungenen Erfolge gering erscheinen, wenn man jedoch bedenkt, daß aller Anfang schwer ist, daß der Anfang nur gemacht und der Erfolg schon ein vorzüglicher ist, so wird man das alte Vorurtheil, als sei Palästina nicht mehr der rechte Boden für Ackerbau und die Juden zum Ackerbau nicht mehr geeignet, als überlebt aufgeben. Wenn in 2 Jahren die Colonie zum größten Theile sich selbst erhalten, dann fließt das Unterstützuugsgeld eben andern neuen Colonien zu, und es werden wieder neue jüdische Dörfer gegründet werden; nach und nach wachsen auch die zur Unterstützung bestimmten Vereine. In Rußland verfügt der Monteforieverband über ein Jahreseinkommen von mehr als 100,000 Mark, in Berlin ist vor einigen Jahren ein ähnlicher Verein gegründet worden. Esra, der jedoch bei seinen Statuten denen in der Fechtschule so ähnlich waren, die nicht viel Anklang fand, hat sich jetzt reorganisirt und ist der Sitz des Central-Comitös jetzt in Berlin, in Hamburg und andern Städten sind Localcomitss, und sind Vertreter des Vereins fast in allen deutschen Städten; derselbe ist im Aufschwünge, da der geringe Jahresbeitrag von einer Mark, jedem gestattet, Mitglied zu werden. In einiger Zeit, werden wir sogar in Berlin eine Zeitung erscheinen sehen, nach dem Prospect, der nur die Tendenz verfolgt, die deutschen Juden für die allmähliche Ansiedlung ihrer russischen Brüder in Palästina zu gewinnen, und zu diesem Zwecke die genauesten Originalberichte liefern will. 37*

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