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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-09-07 · Heft 37 (7.9.1886) · p. Seite 586

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 37 (7.9.1886)
Date
1886-09-07
Page
Seite 586 (sequence 10)
Language
German
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586 Weisungen nun ein Ende, und unsere gewerbetreibenden Glaubensgenossen erfreuen sich hier verhältnißmäßiger Ruhe und Sicherheit, die sie dem hochherzigen, edlen Fürsten zu danken haben. — Die kaiserlichen Theater zu Moskau erhielten den Befehl, alle jüdischen Choristen zu entlassen, worauf die Entlassung sofort erfolgte. — Endlich ist auch das bittere Leidwesen über unsere Glaubensgenossen in Rostow am Don und dessen Umgebung hereingebrochen, und nahezu 30,000 jüdische Seelen ohne Rücksicht auf die sogenannten privilegirten Juden, als Handwerker, erste Gilde, Kaufteute u. s. w., werden durch den auf Grund des Gesetzes vpn 1879 jüngst erlassenen Ausweisungsdecret, dem namenlosen Elend Preisgegeben. Moses Feinkind. Palästina. Berlin, 29. August. (Privatmitth.) Eine lange Zeit hatte man die Meinung, daß Palästina nicht das passende Land für jüdische Ackerbau-Colonien sei, theils wegen Unfruchtbarkeit vieler Strecken, theils wegen der Unsicherheit unter der türkischen Herrschaft. Trotzdem sind in den letzten Jahren eine ziemliche Anzahl solcher Colonien gegründet worden und, genügend unterstützt, scheinen sie einer guten Entwickelung entgegen zu gehen. Der folgende Bericht wird deshalb um so mehr interessiren, da er aus guter Quelle stammt. Die Sehnsucht so vieler Juden nach dem Lande unsrer Väter hat schon seit der Vertreibung immer wieder zu erneuten Rückwendungen Veranlassung gegeben, aber die Kämpfe und Kriege, die gerade in Asien noch bis in dieses Jahrhundert hinein einen mittelalterlichen Charakter behalten haben, sind immer wieder für die neuen Ansiedelungen verderblich gewesen. Erst in diesem Jahrhundert, in dem auch für Asien die Neuzeit begonnen hat, ist es den jüdischen Gemeinden in Palästina möglich gewesen sich zu erholen. Aus den kleinsten Anfängen bildeten sich wachsende Gemeinden, größtentheils aus solchen bestehend, die den Rest ihres Lebens in der heiligen Stadt zubringen wollten und dort von den Unterstützungen ihrer ausländischen Stammesgcnossen lebten. Von den Augenblicken an, daß diese Gemeinden sehr zahlreich wurden, mußten die Unterstützungen per Kopf bedeutend abnehmen, die nur irgend arbeitsfähigen Juden mußten also suchen ihren Lebensunterhalt ganz oder theilweise zu verdienen. Dies konnten sie nur durch das Handwerk, und in der richtigen Erkenntniß gründeten freiwillige Wohlthäter, sowie die Alliance israelite, Handwerksschulen mit Anfangs günstigen Erfolgen, da man annahm, daß die Juden eher für Handwerk als Ackerbau geeignet waren. Nun trat aber die große antisemitische Bewegung dieses Jahrzehntes ein, die all die Verhältnisse umstürzte. Zu vielen Tausenden genöthigt auszuwandern, um ihr Leben zu retten, jeder Habe beraubt, waren unsre armen Stammesgenossen in der verzweifelsten Lage. Da erinnerten sich viele von ihnen des heiligen Landes und mit dem letzten Aufwand ihrer Mittel und durch die Mildthätigkeit ihrer Brüder wandelten sie nach Palästina. Unter diesen Auswandrern waren viele kräftige Männer, die gern gearbeitet hätten, wenn sie nur Arbeit gefunden hätten. Es waren auch darunter mehrere Hundert russischer Studenten, die ihre glühende Liebe zu dem heiligen Lande und zu ihren Stammesgenossen bewogen hatte, sich dem Zuge anzuschließen. Bon diesen ging die Initiative aus, sich auf den Ackerbau zu werfen. Die Alliance nahm sie auf in die Ackerbauschule und Colonie in Jaffa „Mikwah Israel" genannt, wo sie einige Kenntniß des Ackerbaus erwarben. Inzwischen war theils durch eigene Mittel, theils durch Wohlthätigkeit der europäischen Juden Land gekauft, und mehrere Hundert Familien siedelten sich in den Dörfern an, die in jüdischen Besitz übergegangen waren. Jetzt begann aber die Noth von Neuem, woher sollten die Juden die Mittel nehmen, um sich Häuser zu bauen und sich Vieh zu kaufen, Ackergeräth zu beschaffen und sich überhaupt erhalten, bis der Ertrag des Bodens sichergestellt war? Jede dieser Colonien hatte eine wahre Leidenszeit durchzumachen, bis es gelang, die ersten Schwierigkeiten zu überwinden; fast alle Ansiedler wären aus Mangel an Mitteln zu Grunde gegangen, wären nicht der große Verband von Vereinen in Rußland, der Montefioreverband, und ein großer Wohlthäter in Paris, dessen Name nicht genannt werden sollte, für die Armen eingetreten. Bier Colonien nahm dieser Edle, drei der Montefioreverband unter seinen Schutz, und heute blühen und gedeihen alle Colonien, die nothwendigen Unterstützungen vermindern sich durch den stetig wachsenden Ertrag des Bodens und sind theilweise entbehrlich geworden. Die nöthigen Lehrmeister im Ackerbau sind zum Theil aus Europa gekommen, doch hat die Ackerbauschule der Alliance israelite sehr viele Schüler ausgebildet. Ich gehe jetzt zur Schilderung der einzelnen Colonien über. Rischon Lezijon liegt l*/2 Stunden von Jaffa entfernt, ist Ende 1882 gegründet, hat aber trotz einer sehr guten Lage nur dürren Boden, der dem Getreidebau unzuträglich, dagegen eignet sich derselbe vorzüglich zum Weinbau und wird in Folge dessen so gut ausgenützt, daß seit 1884 mehrere Hundert Weinstöcke und eine große Anzahl Oelbäume vorhanden sind. Sobald die Weinberge tragen, was aber erst im vierten Jahre geschieht, ist der Wohlstand der Colonie gesichert. Der Erwerbszweig einiger Colonisten besteht außerdem noch in Viehzucht und versenden sie die dabei gewon-

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